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Kurze Ära Schriebl: Warum der Frauen-Teamchef gehen musste

Alexander Schriebl setzte auf klare Prinzipien, doch die Entwicklung stagnierte. Warum der Neustart mit Lars Söndergaard nötig wurde.

Es gibt Trainerwechsel, die nach einer Niederlage passieren. Und es gibt jene, die passieren, weil eine Mannschaft zwar nicht einbricht, aber auch nicht mehr vorankommt. Alexander Schriebl fällt klar in die zweite Kategorie. Das ist die unromantische Nachricht hinter seiner kurzen Ära als Teamchef des österreichischen Frauen-Nationalteams: Die klare Spielidee war da, der Fortschritt zuletzt nicht mehr.

Schriebl übernahm im Frühjahr 2024 mit dem Anspruch, dem Team mehr Struktur, mehr Ballbesitz und eine erkennbare Linie zu geben. Das klang vernünftig, fast überfällig. Österreichs Frauen standen damals schon nicht vor dem Problem mangelnder Qualität, sondern vor der schwierigeren Aufgabe, aus vorhandener Qualität ein belastbares Kollektiv zu formen. Genau dafür wurde ein neuer Trainer geholt. Doch in der Praxis wurde aus dem versprochenen Umbau eher ein Zwischenzustand: ordentlich organisiert, aber selten wirklich gefährlich. Und im internationalen Frauenfußball ist Mittelmaß keine neutrale Zone, sondern ein Rückstand mit Ansage.

Der nüchterne Kern des Problems liegt nicht allein bei Schriebl. Das österreichische Frauen-Nationalteam befindet sich seit Jahren in einem Feld, in dem viele Nationen gleichzeitig investieren, professionalisieren und Tempo machen. Bei der Frauen-EM 2022 lag das Publikum zum Beispiel bei 574.875 Zusehern, ein Rekord für das Turnier, und die UEFA meldete damit auch eine wachsende ökonomische und sportliche Dynamik im Frauenfußball. Wer in so einem Umfeld stehen bleibt, fällt relativ gesehen zurück. Ein Team kann also intern stabil wirken und extern trotzdem an Boden verlieren. Genau das ist die unbequeme Lehre dieser Personalie.

Schriebls Anhänger würden einwenden: Der Mann hatte kaum Zeit. Das ist nicht falsch. Im Nationalteam sind Umbrüche stets schwerer als im Klub, weil Trainingsphasen kurz sind und Automatismen fehlen. Außerdem ist die Erwartung, in wenigen Monaten eine neue Spielphilosophie vollständig zu etablieren, oft eine kleine österreichische Spezialität: Man verlangt Prozess, will aber Resultate im Eiltempo. Das ist logisch widersprüchlich. Und dennoch reicht dieses Argument allein nicht. Denn wenn ein Team nach mehreren Fenstern weder klarer noch mutiger noch effizienter wirkt, dann ist das kein Zufall, sondern ein Hinweis auf eine Entwicklung, die zu wenig greift.

Die zweite, wichtigere Perspektive betrifft die langfristigen Folgen. Der Wechsel zu Lars Söndergaard ist nicht nur ein Name auf einer Pressemitteilung, sondern ein Signal: Der ÖFB will das Team offenbar wieder stärker in Richtung Turnierreife und WM-Qualifikation führen. Söndergaard bringt Erfahrung aus dem skandinavischen Frauenfußball mit, und genau das ist für Österreich interessant. Nicht, weil Erfahrung automatisch Erfolg garantiert. Das wäre die schöne, aber falsche Fußballmär. Sondern weil solche Rollen Klarheit verlangen: defensive Stabilität, Rollenverständnis, harte Prioritäten. Wer zur WM will, muss nicht zuerst gut aussehen, sondern verlässlich Punkte holen. Das ist in einem kurzen Qualifikationsfenster meist entscheidender als ein ästhetisch sauberes Positionsspiel.

Eine weniger offensichtliche Einsicht dabei lautet: Moderne Spielphilosophien scheitern im Nationalteam oft nicht an der Idee, sondern an der Übersetzung. Ein Ballbesitzmodell braucht Wiederholung, Timing und automatisierte Bewegungen. Genau das ist im Nationalteam knappes Gut. Die Idee, ein Auswahlteam wie einen Klub zu entwickeln, klingt modern, funktioniert aber nur begrenzt. Deshalb ist der Vorwurf an Schriebl nicht, dass er zu ambitioniert war. Sondern dass seine Idee zuletzt zu wenig robust wirkte, als die Gegnerinnen sich darauf eingestellt hatten. Schönheit ohne Wucht ist im Frauenfußball nicht nur unvollständig, sondern manchmal schlicht teuer.

Fairerweise: Ein Teamchef allein entscheidet nicht über die Zukunft des österreichischen Frauenfußballs. Wichtiger wären durchlässigere Nachwuchsstrukturen, mehr Minuten auf hohem Niveau für Spielerinnen und ein Profil, das Talente nicht erst mit 25 international formt. Das eigentliche Risiko ist deshalb größer als die Personalfrage. Wenn der ÖFB Trainerwechsel nur als Reparatur versteht, statt als Teil eines breiteren Plans, wiederholt sich das Muster beim nächsten Gegenwind. Dann wird aus der kurzen Ära Schriebl bloß die nächste Station einer vertrauten Serie: viel Hoffnung, wenig Dauerwirkung.

Der Wechsel ist deshalb nachvollziehbar, vielleicht sogar nötig. Aber er ist auch ein stilles Eingeständnis: Österreich hat nicht nur einen Teamchef verloren, sondern Monate, in denen Klarheit noch nicht in Leistung übersetzt wurde. Die unbequeme Konsequenz lautet: Im Frauen-Nationalteam zählen ab jetzt keine wohlklingenden Konzepte mehr, sondern Ergebnisse, die auch dann halten, wenn die erste Begeisterung längst abgeflossen ist.

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