True Stories: Richard Steiner – Vom Rotlicht ins Blaulicht mit Ferdinand Seebacher
Das war der bisher größte Mafia-Prozess in der Geschichte der österreichischen Justiz. Angeklagt war Richard Steiner, der bekannte Unterwelt-Chef von Wien. Ihm wird vieles vorgeworfen, was man aus dem Rotlicht-Milieu kennt – und noch mehr. Obwohl die Beweise sehr stark erscheinen, läuft der Prozess anders als erwartet.
Richard Steiner gilt Anfang der 2000er Jahre als der unbestrittene Chef der Wiener Rotlicht-Szene. Über ihn kursieren viele Geschichten. Schon als Kind erlitt er eine schwere Kopfverletzung, was ihm angeblich half, keine Angst zu kennen. In seiner Vergangenheit sollen sowohl echte als auch erfundene Gewalttaten vorkommen, etwa aus seiner Zeit in der Fremdenlegion oder auf der Straße. „Ich war irre und nicht ganz dicht“, sagt er selbst am Donnerstag, dem 9. April 2026, um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON in der Sendung „True Stories: Richard Steiner – Rotlicht gegen Blaulicht“. Andere beschreiben ihn als charismatisch, schlau und sehr kaltblütig. Ferdinand Seebacher, der Moderator von „True Stories“ (ab 13. April auch im ORF 1 bei „Kommissar Rex“), begleitet die Geschichte des Unterweltbosses.
Als Steiner in den 1990er Jahren in die Rotlicht-Welt einstieg, war das für viele eine faszinierende Branche. Einige bekannte Rotlicht-Größen fuhren damals sogar in einem weißen Rolls-Royce durch Wien, und Politiker sowie Prominente besuchten ihre Lokale. Doch hinter der glänzenden Fassade verbargen sich dunkle Seiten: Die Bosse verdienten ihr Geld vor allem mit illegalem Glücksspiel und indem sie Frauen zur Prostitution zwangen. Ausbeutung, Gewalt und Kriminalität waren häufig Alltag.
Steiner gründete eigene Security-Teams, die mit den damals neuesten Kommunikationsgeräten ausgestattet waren. Diese Gruppe wurde später als „Nokia-Bande“ bekannt. Die Polizei sah offenbar nicht so genau hin oder wollte es nicht. Die Journalistin Brigitte Handlos erklärt: „Steiner wollte mit der Polizei gut Freund sein – eine Hand wäscht die andere. Und das macht natürlich das Leben für die Exekutive einfacher, weil die Polizei wusste, da brauchen wir nicht hingehen; da hat der Steiner schon aufgeräumt.“
Richard Steiner lebte zu dieser Zeit ein Luxusleben und hatte gute Kontakte zu Medien, Promis und Politikern. Doch alles änderte sich mit der sogenannten „Sauna-Affäre“, einem öffentlichen Streit zwischen zwei hohen Wiener Polizeibeamten. Zu Ostern 2010 kam es für Steiner zum Schock: Er wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm viele schwerwiegende Verbrechen vor, darunter Erpressung, Nötigung, Körperverletzung, betrügerische Krida – und vor allem, dass er mit seinen Mitangeklagten eine mafiaähnliche Organisation aufgebaut habe.
Über Jahre ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft gegen Steiner und setzten dafür auch die neuartige Überwachungstechnik „Großer Lauschangriff“ ein. Büros, Autos und Wohnungen wurden verwanzt, und fast alle, die mit Steiner zu tun hatten, wurden kontrolliert. Der Journalist Michael Möseneder, der den Prozess begleite, erinnert sich: „Die Erwartungshaltung war sehr groß. Man ging davon aus, dass man da die Mafia und den Paten hat.“
Steiner saß mehr als 500 Tage in Untersuchungshaft. Gegen ihn gab es etwa hundert Stunden belastendes Material und viele Zeugenaussagen. Doch nach mehr als 30 Verhandlungstagen zeigte sich: Es fand sich kein Beweis, um Steiner zu verurteilen. Der einstige Unterwelt-Chef ging als freier Mann vom Gericht. Heute lebt Richard Steiner mit Frau und Kindern in Luxemburg, führt ein bürgerliches Leben, ernährt sich vegan und praktiziert den Buddhismus.
Wie konnte das passieren? In der vom Unternehmen HolyScreen Media für den ORF gemachten „True Stories“-Folge „Richard Steiner – Rotlicht gegen Blaulicht“ erzählen Daniela Bernhart, Claudia Bräuer und Katja Ilnizki die Geschichte von Steiners Aufstieg zum Rotlicht-Chef. Sie untersuchen auch die Rolle der Polizei in diesem Fall, sprechen mit Ermittlern, Zeitzeugen sowie Experten und zeigen, wie sehr sich das Rotlicht-Milieu in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
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