Die Straße von Hormus ist eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen weltweit, da sie den Seeweg für rund 20 % des globalen Ölhandels bildet. Diese schmale Meerenge zwischen dem persischen Golf und dem Golf von Oman verläuft entlang von Territorien, die vom Iran kontrolliert werden. Die politische Instabilität in der Region, insbesondere die Spannungen zwischen dem Iran und den Golfstaaten, verursachen regelmäßig Unsicherheiten im Öltransport.
Als Reaktion darauf überlegen mehrere Golfstaaten, darunter Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, ihre Infrastruktur auszubauen und neue Öl-Pipelines zu errichten, die die Straße von Hormus umgehen sollen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von diesem geopolitisch anfälligen Seeweg zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Beispielsweise betreibt Saudi-Arabien bereits seit Jahrzehnten die East-West Pipeline (Operation Desert Oil Pipeline), die Rohöl von der Küste am Persischen Golf zur Hafenstadt Yanbu am Roten Meer transportiert. Doch angesichts wachsender Spannungen wird die Erweiterung dieser Pipeline sowie der Bau weiterer Leitungen diskutiert, um mehr Volumen zu transportieren und alternative Exportwege bereitzustellen.
Die Umsetzung solcher Projekte ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Erstens sind Pipelines teuer und benötigen Jahre der Planung und Konstruktion. Zweitens bleibt der Zugang zu internationalen Märkten über das Rote Meer und den Suezkanal ebenfalls von geopolitischen Risiken betroffen. Drittens kontrolliert der Iran weitere wichtige Landtransportrouten und verengt somit andere potenzielle Alternativkorridore.
Zudem können Pipelines zwar einzelne geostrategische Engpässe umgehen, lösen jedoch nicht die fundamental unsichere politische Lage in der Golfregion. In der Energiewirtschaft bezeichnet man diese Abhängigkeit von Nadelöhren auch als Supply-Chain-Risiko. Diversifikation der Exportwege gilt daher als zentrale Strategie für eine stabile Energieversorgung.
Zusammenfassend bieten neue und erweiterte Pipelines jenseits der Straße von Hormus eine vielversprechende Option, um die Emissionen von potenziellen Lieferunterbrechungen zu minimieren. Dennoch bleibt eine vollständige Umgehung angesichts der Komplexität der geopolitischen Lage ambitioniert. Die Rolle wichtiger Seewege und Landtransportkorridore im Nahen Osten wird auch künftig ein wesentlicher Faktor der globalen Erdölversorgung bleiben.
Weiterführende Links
- https://www.iea.org/reports/middle-east-energy-outlook
- https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=45036
- https://www.brookings.edu/blog/order-from-chaos/2020/07/08/the-strategic-importance-of-the-straits-of-hormuz/
- https://www.reuters.com/business/energy/gulf-states-seek-pipelines-bypass-hormuz-strait-iranian-threats-2023-09-07/
- https://www.cfr.org/backgrounder/gulf-oil-and-gas