Ingrid Thurnher wurde am 12. März 2026 offiziell vom ORF-Stiftungsrat mit der Geschäftsführung des Österreichischen Rundfunks (ORF) betraut. Damit steht die erfahrene Medienexpertin an der Spitze des wichtigsten österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders. Die Entscheidung erfolgt nach kontroversen Diskussionen über die Rolle der Vorsitzenden im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Max Weißmann, dem bisherigen ORF-Geschäftsführer.
Thurnher betonte in ersten Interviews, dass sie sich noch nicht entschieden habe, ob sie ihre Position über die aktuelle Amtsperiode hinaus, die bis 2031 reichen könnte, verlängern wird. Damit bleibt die künftige strategische Ausrichtung des ORF unter ihrer Leitung offen. Experten sehen hier große Herausforderungen, insbesondere angesichts der zunehmenden Digitalisierung und dem Wandel in der Medienlandschaft.
Die Übernahme der Geschäftsführung durch Thurnher erfolgt in einem spannungsgeladenen politischen Umfeld. Der ORF-Stiftungsrat, das zentrale Kontrollgremium des Senders, hatte sich in der Vergangenheit intensiv mit Fragen der Unabhängigkeit, neuen Regeln für die Gremien und internen Personalentscheidungen auseinandergesetzt. Der Rücktritt Weißmanns war dabei ein symbolträchtiger Wendepunkt, der verschiedene Interessenslagen im ORF offenlegte.
Fachlich bringt Ingrid Thurnher eine breite Expertise im Bereich Mediendesign und Journalismus mit. Als langjährige ORF-Journalistin und Moderatorin hat sie nicht nur journalistisches Handwerk, sondern auch umfassende Kenntnisse in der Organisationsführung öffentlich-rechtlicher Medien. Diese Kompetenzen sind in einer Zeit genommen, in der Medienhäuser sich neu erfinden müssen – hin zu crossmedialen Angeboten, Streaming-Plattformen und digitaler Interaktion mit dem Publikum.
Die Medienpolitik steht vor der Aufgabe, die Autonomie des ORF in einem zunehmend kommerzialisierten Marktumfeld zu sichern. Thurnher hat signalisiert, dass sie Veränderungen pragmatisch angehen will, ohne die journalistische Integrität zu gefährden. Gleichzeitig wird die Einhaltung des Rundfunkstaatsvertrags und eine verlässliche Finanzierung zentrale Themen bleiben.
Insgesamt markiert die Bestellung von Ingrid Thurnher einen wichtigen Schritt in der Zukunftsgestaltung des ORF. Die nächsten Monate dürften zeigen, wie sie mit den komplexen Herausforderungen umgeht und welche Impulse sie setzen wird, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich nachhaltig zu stärken.
Weiterführende Links
- https://orf.at/stories/3312567/
- https://www.derstandard.at/story/2000141421985/ingrid-thurnher-neue-orf-geschaeftsfuehrung
- https://www.kleinezeitung.at/kultur/gesellschaft/6155452/ORF-Chefin-Thurnher-will-weiter-ueber-Zukunft-nachdenken
- https://www.medienpolitik.net/2026/03/orf-stiftungsrat-entscheidung-thurnher-geschaeftsfuehrung/