In der aktuellen Ausstellung „Care Matters“ der Albertina verschmilzt feministische Kunst der 1970er-Jahre mit zeitgenössischen Perspektiven auf das Thema Care-Arbeit. Diese Ausstellung der Sammlung Verbund rückt die oft unsichtbare, vielfach unterschätzte Pflege- und Sorgearbeit ins Zentrum der gesellschaftlichen Betrachtung. Care-Arbeit umfasst alle Tätigkeiten, die der Fürsorge, Betreuung und Unterstützung von Menschen dienen – insbesondere in familiären oder sozialen Kontexten. Dabei verbindet die Ausstellung kunsthistorische Dimensionen mit sozialwissenschaftlichen Diskursen, die in den Gender- und Sozialwissenschaften seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle spielen.
Die Auseinandersetzung mit Care-Arbeit ist nicht nur feministisch motiviert – da Care größtenteils von Frauen geleistet wird –, sondern auch sozialpolitisch relevant. Aktuelle Forschungen aus den Bereichen Care-Ethik und Sozialpolitik zeigen, wie systemimmanente Geschlechterrollen die Verteilung von Pflegeaufgaben beeinflussen und wie Care-Arbeit gesellschaftlich neu bewertet werden muss. In der Kunstgeschichte wurden diese Themen lange Zeit marginalisiert, weshalb die Sammlung Verbund mit Care Matters einen wichtigen Beitrag leistet, diese Diskurse mit künstlerischen Mitteln zu visualisieren und kritisch zu reflektieren.
Die Werke aus den 70er-Jahren bilden eine Basis, von der aus zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler das Thema weiterentwickeln. So dokumentiert die Ausstellung auch eine gesellschaftliche Transformation: Pflegearbeit wird heute zunehmend als gesellschaftliche Herausforderung anerkannt, nicht nur als private oder familiäre Aufgabe. Die Integration von feministisch inspirierten Kunstwerken verdeutlicht, wie Kunst als Medium die politische Debatte um Care-Arbeit bereichern und sensibilisieren kann.
Durch die Verbindung von zeitgenössischer Kunst und feministischen Positionen entsteht eine interdisziplinäre Betrachtung, die für Maturantinnen und Maturanten mit Interesse an Gender Studies, Sozialwissenschaften und Kunstgeschichte besonders aufschlussreich ist. Die Ausstellung regt dazu an, die Bedeutung von Pflegearbeit nicht nur als ökonomische Kategorie, sondern als essenziellen gesellschaftlichen Wert zu begreifen und kritisch zu hinterfragen, wie Sichtbarkeit und Anerkennung strukturell verbessert werden können.
Unter der Prämisse, dass Kunst gesellschaftliche Normen reflektiert und transformiert, liefert „Care Matters“ einen spannenden Einblick in die Komplexität von Care-Arbeit – ein Thema, das in Zeiten demografischer Veränderungen und zunehmender Belastungen des Sozialwesens dringlicher denn je ist.
Weiterführende Links
- https://www.albertina.at/ausstellungen/care-matters
- https://www.sammlungsverrbund.at/care-matters
- https://www.springer.com/de/book/9783658228690
- https://www.univie.ac.at/gender/CARE
- https://www.socialplatform.org/what-is-care-work/