8. März: Ökonomische Selbstbestimmung für Frauen* mit Behinderungen | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

8. März: Ökonomische Selbstbestimmung für Frauen* mit Behinderungen

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Anlässlich des Internationalen Frauentags machen das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) und FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen auf ein neues Projekt in ganz Österreich aufmerksam. Dieses Projekt stellt das Leben von Frauen* mit Behinderungen in den Mittelpunkt. Besonders wichtig sind dabei zwei Themen, die eng zusammenhängen: die wirtschaftliche Unabhängigkeit und der „Mental Load“.

„Mental Load“ bedeutet die oft unsichtbare Arbeit, die Frauen* im Alltag leisten – wie Organisation, Planung und Verantwortung für vieles. Frauen* mit Behinderungen tragen dabei eine zusätzliche Last, denn sie müssen auch jeden Tag Hindernisse überwinden und notwendige Hilfe organisieren. In Österreich sind sie immer noch benachteiligt: Sie haben seltener einen Job, sind öfter von Armut betroffen und fühlen sich psychisch stark belastet.

Das Projekt geht diese Herausforderungen auf neue Weise an: Frauen* mit Behinderungen werden Mentorinnen. Sie teilen ihre Erfahrungen und Tipps mit anderen Frauen*, um sie zu unterstützen. So entsteht gegenseitiges Vertrauen und starke Gemeinschaft, die direkt aus den Erfahrungen der Frauen* selbst wächst.

Das Projekt heißt „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung – Strategien zur Entlastung von Mental Load“. Es startete im November 2025 und läuft bis Ende 2026. Entwickelt wurde es von LBI-GMR und FmB. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) finanziert das Vorhaben.

Mehr Infos auf den Projektseiten:
LBI-GMR Projektseite
FmB Projektseite

Erste Schritte: Peer-Expertinnen-Beirat und Mentorinnen-Dialog in Wien

Am 28. Jänner 2026 traf sich zum ersten Mal der Peer-Expertinnen-Beirat des Projekts. Das sind Frauen* mit Behinderungen, die viel Erfahrung in Selbstvertretung, Beratung und Gleichstellungsarbeit haben. Sie begleiten und unterstützen das Projekt und sorgen dafür, dass es wirklich den Bedürfnissen der Frauen* entspricht.

Der erste Mentorinnen-Dialog fand am 27. Februar 2026 in Wien statt. Hier tauschten sich 14 Frauen* mit verschiedenen Behinderungen in zwei kleineren Gruppen aus. Sie sprachen über finanzielle Selbstbestimmung, auch wenn sie Erwachsenenvertretung haben, und ihre begrenzten Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Dabei wurde klar, wie unterschiedlich die Hindernisse sind, aber auch, wie wichtig der gegenseitige Austausch ist. Die Teilnehmerinnen fühlten sich im Dialog gestärkt und solidarisch. Viele wünschen sich weitere Treffen, in denen ihre Erfahrungen sichtbar und anerkannt werden.

Warum dieses Projekt wichtig ist

Die Zahlen zeigen die Lage deutlich:

  • Nur 12,1 % der Frauen* mit Behinderungen in Österreich haben einen Job (bei Männern mit Behinderungen sind es 18,4 %).
  • 24 % dieser Frauen* sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, während es bei Frauen* ohne Behinderungen 15 % sind.
  • Viele berichten von großer psychischer Belastung und einem besonders hohen Mental Load.

Diese Situation ist nicht im Einklang mit internationalen Menschenrechtsvereinbarungen, wie der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD) und der UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW). Beide fordern, dass Frauen* mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen und genauso an der Gesellschaft teilhaben können wie alle anderen.

Was als Nächstes passiert

In den nächsten Monaten werden weitere Treffen in mehreren Bundesländern und online stattfinden. Hier können Frauen* mit Behinderungen weiterhin ihre Erfahrungen austauschen und Strategien zur Entlastung vom Mental Load zusammen erarbeiten. Das Ziel ist, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen und auch die Probleme und Lücken im System zu dokumentieren.

Die Ergebnisse werden barrierefrei aufbereitet, zum Beispiel als Hörbeiträge oder Webinare. Diese werden auf der Website von FmB veröffentlicht. Außerdem fließen sie in Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Einrichtungen ein, um langfristig mehr Gleichstellung und weniger Gewalt gegen Frauen* mit Behinderungen zu erreichen.

Für eine breite Zielgruppe gibt es das Projekt auch in leichter Sprache unter dem Titel „Geld und Frauen* mit Behinderungen – Wege zur Entlastung und mehr Selbstbestimmung“. So können möglichst viele Frauen* von den Informationen profitieren.

Über die Projektpartner

Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR)
Das LBI-GMR ist das größte Forschungsinstitut in Österreich, das sich mit Menschenrechten beschäftigt. Es erforscht die Menschenrechtslage, setzt auf einen menschenrechtsbasierten Ansatz und arbeitet daran, die Situation in Österreich und weltweit zu verbessern.

FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen
FmB ist die erste unabhängige Organisation in Österreich, die sich speziell für die Rechte von Frauen* mit Behinderungen einsetzt. Sie steht für Anti-Ableismus, Feminismus und Intersektionalität – das heißt, sie betrachtet verschiedene Diskriminierungsformen, die zusammenwirken können.

Rückfragen

Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte
Uroš Prah
Telefon: +43 1 4277-27465
E-Mail: uros.prah@lbg.ac.at

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