Schockierender Stillstand: 40 Jahre keine Fortschritte bei der unbezahlten Sorgearbeit – wann ändert sich endlich was? | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Schockierender Stillstand: 40 Jahre keine Fortschritte bei der unbezahlten Sorgearbeit – wann ändert sich endlich was?

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Unbezahlte Sorgearbeit ist sehr wichtig für Österreich und wird immer noch hauptsächlich von Frauen gemacht. Am Equal Care Day, dem 1. März, sagt Sabine Slimar-Weißmann, Geschäftsführerin der Bundesfrauenvorsitzenden der younion _ Die Daseinsgewerkschaft: „40 Jahre Gleichstellungspolitik haben an der realen Arbeitsverteilung der unbezahlten Sorgearbeit kaum etwas verändert. Für die meisten Frauen ist zu Hause nur „Schichtwechsel“ – von der bezahlten in die unbezahlte Arbeit.“ Das bedeutet, viele Frauen wechseln nach ihrer bezahlten Arbeit direkt in Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Haushalt.

Versteckte Sorgearbeit

Bereits im Jahr 1981 machten Frauen 77 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit in Österreich. Bei der letzten Erhebung 2021/22 waren es immer noch fast zwei Drittel. Aber viele Aufgaben werden gar nicht richtig gezählt, zum Beispiel wenn Frauen ihre Enkel betreuen, Angehörige in anderen Haushalten pflegen oder Nachbarn helfen. Diese Tätigkeiten gelten oft als Freiwilligenarbeit und sind daher noch weniger sichtbar, erklärt Judith Hintermeier, Bundesfrauenreferentin der younion _ Die Daseinsgewerkschaft. Solche unbezahlten Arbeiten sind also noch viel umfangreicher, als man denkt.

Lohnlücke führt zu Altersarmut

In ländlichen Gegenden ist die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit besonders groß. Dort gibt es oft keine guten Betreuungsangebote für Kinder oder Pflege, und die Infrastruktur ist meist schwach. Der Equal Care Day zeigt, wie eng unbezahlte und bezahlte Arbeit zusammenhängen. Wenn Frauen mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten, verdienen sie später im Beruf weniger und haben ein höheres Risiko, im Alter arm zu sein. Außerdem führt die ungleiche Verteilung zu Nachteilen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Care-Arbeit wird insgesamt kaum gesellschaftlich oder finanziell anerkannt – weder zuhause noch im Job.

Care-Arbeit kostet Gesundheit

„Sorgearbeit ist eine zentrale Leistung der Gesellschaft. Sie darf nicht länger unsichtbar, unbezahlt und überwiegend weiblich bleiben. Es braucht einen Strukturwandel im Sinne der Frauen, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer“, sagt Slimar-Weißmann. Außerdem haben Frauen oft auch die mentale Last, an viele Dinge zu denken – wie Einkäufe, Familienfeiern oder Arzttermine. Das sorgt für zusätzlichen Stress und schadet der Gesundheit. Frauen gehen zwar mehr zu Vorsorgeuntersuchungen als Männer, sind aber oft länger krank oder fühlen sich schlechter.

younion fordert Strukturwandel

Gleichberechtigung ist kein Gefallen, sondern ein Recht, das Frauen lange verweigert wurde. Die younion _ Die Daseinsgewerkschaft fordert deshalb wichtige Maßnahmen gegen die Ungleichheit bei Care-Arbeit:

  • Rechtsanspruch auf kostenlose, flächendeckende Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr, mit guter Unterstützung für die Beschäftigten
  • Mehr Pflege- und Betreuungsangebote, auch mobile Dienste, mit fairen Arbeitsbedingungen
  • Einführung der Lohntransparenz, damit Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen
  • Umsetzung des Familienarbeitszeitmodells vom ÖGB-AK, um Familie und Beruf besser zu verbinden
  • Politische Maßnahmen, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und mehr Gleichberechtigung zu fördern

„Unbezahlte Sorgearbeit ist keine alleinige Aufgabe von Frauen. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und muss sichtbar, anerkannt und gerecht verteilt werden. Gleichstellung verlangt mehr als Worte: Sie verlangt den Mut, bestehende Systeme grundlegend zu verändern“, betont Slimar-Weißmann zum Schluss.

Rückfragen

younion _ Die Daseinsgewerkschaft
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E-Mail: presse@younion.at

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