Inflation erreicht im Jänner erstmals wieder EZB-Zielwert von 2%. Statistische Effekte ersetzen aber keine Strukturreformen.
Laut der heutigen Schnellschätzung der Statistik Austria lag die Inflationsrate in Österreich im Jänner bei +2% und erreichte damit endlich wieder den Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Größter Preistreiber war zuletzt der Dienstleistungsbereich (+3,8%). Die Inflation bei Nahrungsmitteln lag im Jänner bei +2,7%, wobei hierbei von der Statistik Austria auch die Teuerung von Tabak und alkoholischen Getränken eingerechnet wird (welche den Wert nach oben treiben).
Gesamtjahr 2025: Inflation bei Nahrungsmitteln +2,9% vs. Gesamtinflation +3,6%
Der heimische Lebensmittelhandel zählt damit – wie auch schon in den Gesamtjahren 2024 und 2025 – nicht zu den Preistreibern. Im Gegenteil, die Statistik Austria hat schwarz auf weiß bestätigt, dass die Preise für Nahrungsmittel in Österreich im gesamten letzten Jahr mit +2,9% deutlich weniger stark gestiegen sind als die allgemeine Inflationsrate mit +3,6%. Stärkster Preistreiber war 2025 Strom mit +37,3%. Auch die staatlichen Tarife und Gebühren waren 2025 mit +4,9% deutlich stärker nach oben geklettert als der VPI.
„Wir freuen uns, dass die Inflation in Österreich im Jänner mit 2 Prozent endlich wieder den EZB-Zielwert erreicht hat. Die Richtung stimmt wieder. Statistische Effekte dürfen aber nicht über den tatsächlichen Reformbedarf im Land hinwegtäuschen“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands. „Klar ist auch, dass der österreichische Lebensmittelhandel nie Profiteur, sondern selbst Betroffener der Teuerungskrise war. Geschweige denn der Non-Food-Handel, der nicht einmal den Kostenauftrieb auch nur ansatzweise weitergeben konnte. Die gesamte Branche hat sowohl 2024 als auch 2025 inflationsdämpfend agiert.“
Erhöhung der Tabaksteuer im Februar lässt höheren Wert bei Lebensmittel-Korb in Statistik Austria-Schnellschätzung erwarten
Mit Februar tritt übrigens eine Steuererhöhung in Kraft, nämlich bei der Tabaksteuer. Da in der politischen Diskussion oft vieles vermischt wird, betont der Handelsverband, dass diese Maßnahme die Inflation erhöhen wird. Konkret werden Tabakprodukte im Rahmen der Schnellschätzung der Statistik Austria in der Kategorie „Nahrungsmittel, Tabak, Alkohol“ mit einberechnet. Für den nächsten Preisschub in dieser Kategorie ist somit eine steuerpolitische Entscheidung verantwortlich. Zur Einordnung: Durch die höhere Tabaksteuer erwartet sich das Finanzministerium Mehreinnahmen von 100 Mio. Euro, die Entlastung durch die MwSt.-Senkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel soll 400 Mio. Euro ausmachen.
Territoriale Lieferbeschränkungen kosten EU-Konsument:innen jährlich 19 Mrd. Euro
Seit vielen Jahren kämpft der Handelsverband für ein freies und faires Warenangebot im europäischen Binnenmarkt. Ein Verbot territorialer Lieferbeschränkungen (Territorial Supply Constraints, TSCs) – also des sog. Österreich-Preisaufschlags der globalen FMCG-Großkonzerne – zählt zu den Kernforderungen im PLAN H des österreichischen Handels.
TSCs erlauben es internationalen Lebensmittelproduzenten, Produkte in unterschiedlichen Märkten zu unterschiedlichen Preisen anzubieten. Diese länderspezifischen Vertriebsstrategien schaden österreichischen Händlern, weil sie die betroffenen Produkte nicht in anderen Ländern zu billigeren Preisen beschaffen dürfen. Bezahlen müssen die Rechnung letztlich auch die Konsument:innen in Form von künstlich hoch gehaltenen Preisen. Laut einer EU-Studie könnten europäische Konsument:innen durch die Abschaffung dieser Beschränkungen bis zu 19 Milliarden Euro jährlich einsparen – ein gewaltiges Potenzial, gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten
„Österreich-Aufschlag“ & Merit-Order-Prinzip 2026 abschaffen!
Im Rahmen der Binnenmarktstrategie vom Mai 2025 hat die Europäische Kommission angekündigt, gegen territoriale Lieferbeschränkungen vorgehen zu wollen. Hierzu sollen bis Ende 2026 gesetzliche Instrumente entwickelt werden. Die Bundesregierung, allen voran Bundeskanzler Stocker, hat sich den Kampf gegen TSCs zum Ziel gesetzt. Dies hat der Kanzler zuletzt in der ORF-Pressestunde bestätigt. Die nächste Gelegenheit dafür bietet der EU-Wettbewerbsrat am 26. Februar. Auch die Abschaffung des Merit-Order-Prinzips steht erfreulicherweise auf der politischen Agenda des Kanzlers.
Koalitionsinterne Preisdebatte zwischen Bauernbund und SPÖ schlägt auf Stimmung im Land
Der österreichische Lebensmittelhandel steht für leistbare und regionale Lebensmittel und sichert damit regionale Jobs und die Versorgung der Bevölkerung. Laut jüngsten Euromonitor-Daten (2024) liegt der Anteil für Lebensmittel an den Konsumausgaben in Österreich bei nur 10,1%. Im EU-Vergleich liegt nur Irland noch darunter (8,6%). In Deutschland liegt der Lebensmittel-Anteil an den Konsumausgaben der Bevölkerung bei 11,6%, in Italien bei 14,7%, in Ungarn sogar bei 16,8%.
Fakt ist: Für den Standort Österreich und für den Lebensmittelhandel ist es sehr schädlich, wenn man immer nur auf den billigsten Regalpreis schielt und nicht die Ursachentreiber der Inflation ausforscht. Der HV macht seit langer Zeit die Kostentreiber nachweisbar und dazu zählt neben den Energieversorgern vor allem auch der Staat. Wir leben im Land der Indexierungen – auf allen föderalen Ebenen wurden Gebühren und Abgaben kräftig nach oben geschraubt. Für große Unsicherheit und schlechte Stimmung im Land sorgt weiterhin die aktuelle Preisdebatte zwischen den beiden Flügeln in der Koalition – also zwischen dem Bauernbund auf ÖVP-Seite (der höhere Preise fordert) und jenen SPÖ-Vertreter:innen, die Billigstpreise bei hochwertigen Lebensmitteln aus Österreich einfordern.
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