Aus aktuellem Anlass: „Universum History“-Dreiteiler über „Lateinamerika und die USA“
Die gewaltsame Absetzung und Verschleppung von Venezuelas Diktator Nicolás Maduro durch US-Spezialtruppen vor wenigen Tagen wirft ein Schlaglicht auf die wechselvollen Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika. US-Präsident Donald Trump lässt keinen Zweifel daran, dass die Intervention in Caracas vor allem wegen der venezolanischen Erdölvorkommen erfolgt ist. Dass er damit internationales Recht bricht, nimmt er in Kauf. Mehr noch, Trump droht auch den Regimevertretern in Kuba oder dem linksgerichteten Präsidenten Kolumbiens, Gustavo Petro, ein ähnliches Schicksal an. Erinnerungen werden wach an Zeiten, in denen Washington die lateinamerikanischen Staaten als ihren „Hinterhof“ betrachtet und behandelt haben. Politische Entwicklungen in den Staaten Lateinamerikas werden und wurden in den Machtzentren der USA genau beobachtet, Entscheidungsträger in Mittel- und Südamerika wiederum können kaum agieren, ohne die Reaktion Washingtons einzukalkulieren.
„Universum History“ zeichnet in der dreiteiligen ARTE-France-Dokumentation (Regie: Marie-Lise Lafon) „Lateinamerika und die USA“ am Freitag, dem 9. Jänner 2026, um 22.35 Uhr („Der lange Schatten Washingtons“) und um 23.30 Uhr („Invasion in Panama“) bzw. am Sonntag, dem 11. Jänner, um 23.05 Uhr („Rebellion in Venezuela“) jeweils in ORF 2 und auf ORF ON anhand mehrerer Beispiele nach, wie stark unterschiedliche Regierungen der Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahrzehnten die Geschicke Lateinamerikas und das Schicksal seiner Menschen (mit)bestimmt haben – die Interessen der USA standen dabei meist im Vordergrund.
Freitag, 9. Jänner, 22.30 Uhr, ORF 2
Der lange Schatten Washingtons
Lateinamerika,1964. Der Schock über den Sieg der kubanischen Revolution mitten im Kalten Krieg steckt den USA noch in den Knochen. Immer wieder wird Washington in den nächsten Jahrzehnten die Politik in den lateinamerikanischen Staaten mitbestimmen. So unterstützt Präsident Lyndon B. Johnson den Putsch gegen den linken Präsidenten João Goulart in Brasilien. Gegner der neuen Militärdiktatur fliehen nach Chile, wo der demokratisch gewählte Salvador Allende regiert. Doch 1973 wird der sozialistische Staatschef von General Pinochet gestürzt – wieder mit Unterstützung der USA. Rechtsgerichtete Diktaturen in ganz Südamerika verfolgen nun im Rahmen der geheimen Operation Condor Regimekritiker und Oppositionelle – Tausende Tote und Entführte sind die Folge. Erst mit Jimmy Carters Machtantritt 1977 erwacht neue Hoffnung. Er gibt die Kontrolle über den Panamakanal an Panama zurück und lässt die Sandinisten in Nicaragua gewähren. Doch Ronald Reagans Wahl im Jahr 1980 markiert den Beginn einer neuen Ära.
Freitag, 9. Jänner, 23.30 Uhr, ORF 2
Invasion in Panama
In Nicaragua sind die sozialistischen Sandinisten an der Macht – und den USA unter Ronald Reagan ein Dorn im Auge. Konterrevolutionäre bewaffnete Gruppen – die „Contras“ – werden von den USA gestärkt und lösen einen blutigen Bürgerkrieg aus. In Panama verwandelt Manuel Noriega, ein langjähriger Verbündeter der CIA, sein Land in ein Drehkreuz des Drogenhandels. Doch auch er missfällt der Regierung in Washington. Während einer US-Invasion wird er gestürzt, verhaftet und in die USA gebracht. In Chile muss Diktator Pinochet nach fast zwei Jahrzehnten seines brutalen Regimes zurücktreten. Während sich die Demokratie auf dem gesamten Kontinent zunehmend durchsetzt, gerät Venezuela in eine Krise. 1992 versucht der linksgerichtete Hugo Chávez einen Staatsstreich. Dieser scheitert zwar, doch Chávez avanciert in Folge zum populären Volkshelden.
Sonntag, 11. Jänner, 23.05 Uhr, ORF 2
Rebellion in Venezuela
Venezuela, 1998. Hugo Chávez gelangt durch demokratische Wahlen an die Macht. Venezuelas Erdölreserven machen das Land zu einem Objekt der Begierde – Chávez verspricht gerechte Verteilung und die Abwehr „imperialistischer“ Interessen. Doch er hat auch viele Gegner: 2002 kommt es zum Staatsstreich von Militärs und Unternehmern – unter wohlwollender Billigung der USA. Nach nur zwei Tagen kehrt Chávez an die Macht zurück und regiert exzentrischer denn je. Von Gerechtigkeit und Demokratie ist nicht mehr viel zu spüren. Über ganz Lateinamerika fegt „La Marea Rosa“ – eine politische Welle von linksgerichteten Regierungen. Kolumbien beginnt währenddessen einen Krieg gegen den Koka-Anbau und Drogenhandel, mit aktiver Unterstützung der USA. Als in Washington 2016 Donald Trump erstmals an die Macht kommt, nimmt er den Kokainhandel als Argument, um gegen Migration aus Lateinamerika zu wettern. Bis in die Gegenwart dient der Kampf gegen Drogen den USA als Rechtfertigung für Interventionen in Lateinamerika.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. ORF