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Medien

OpenAI, Musk und der Mars: Wenn KI-Gewinne auf Raketenfantasien treffen

Neue Vorwürfe gegen Elon Musk werfen ein Schlaglicht auf OpenAI, Macht und Geld: War der Mars nur der größte Nebenplan?

Ein KI-Konzern, ein Mars-Plan und die Frage, wer hier eigentlich wen finanzieren sollte: Die jüngsten Aussagen von OpenAI-Chef Sam Altman lesen sich wie ein Silicon-Valley-Drama mit Buchhaltung. Musk habe OpenAI einst nicht nur als Forschungsprojekt gesehen, sondern als Maschine, die Gewinne für eine größere Mission liefern sollte: den Mars. Ob das exakt so geplant war, ist juristisch umstritten. Aber die Richtung der Geschichte ist klar. Es ging nie nur um Chatbots, sondern immer auch um Geld, Macht und die Frage, wem eine der wichtigsten Technologien der Gegenwart gehören soll.

Altman berichtete zugleich von Bestechungsversuchen, Wutanfällen und einer Nacht, in der es alkoholisiert beinahe zu einer Prügelei gekommen sei. Solche Episoden sind spektakulär, aber sie sind vor allem ein Symptom. Sie zeigen, wie persönlich und unordentlich der Kampf um KI geworden ist. In einer Branche, die sich gern als nüchtern und rational verkauft, entscheidet oft nicht der beste Code, sondern wer Kapital, Aufmerksamkeit und Nerven länger kontrolliert. Eine kleine Ironie am Rand: Die Zukunft der Menschheit wird offenbar weiter in Meetings verhandelt, in denen zu viel Kaffee nie das Hauptproblem ist.

Der sachliche Kern ist ernster. OpenAI wurde 2015 als Nonprofit gegründet, später kam die heute umstrittene Mischform mit gewinnorientierter Tochtergesellschaft. Musk war Mitgründer, verließ das Projekt aber 2018. Heute werfen sich beide Seiten vor, den ursprünglichen Auftrag verdreht zu haben. Diese Auseinandersetzung ist mehr als persönlicher Groll. Sie berührt eine zentrale Machtfrage der KI-Ökonomie: Wer profitiert von einem System, das immer teurer wird, je leistungsfähiger es ist? Nach Schätzungen des Stanford AI Index 2024 stiegen die privaten Investitionen in generative KI 2023 auf 25,2 Milliarden US-Dollar. Das ist kein Hobby mehr, sondern Industriepolitik mit Serverfarmen.

Dass Musk angeblich Gewinne für den Mars einplanen wollte, ist deshalb nicht bloß eine schräge Randnotiz. Es macht sichtbar, wie oft Tech-Erzählungen soziale Ziele nur als Tarnfarbe für sehr große private Ambitionen benutzen. Der Mars ist dafür das perfekte Symbol: futuristisch, teuer, moralisch schwer überprüfbar. Wer dagegen fragt, ob dieselbe Energie nicht besser in Klima, Bildung oder öffentliche KI-Infrastruktur ginge, wirkt schnell kleinteilig. Dabei ist diese Frage alles andere als klein. Der globale Bedarf an Rechenleistung wächst rasant, und damit auch die Marktmacht weniger Konzerne. Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert am Ende auch die Bedingungen, unter denen andere überhaupt noch innovieren können.

Fairerweise gibt es auch die Gegenposition. Musk kann mit gutem Grund sagen, dass riskante Visionen enorme Kapitalmengen mobilisieren, ohne die große technologische Sprünge oft nicht entstehen würden. Ohne solche Figuren gäbe es manches nicht, was heute selbstverständlich wirkt. Aber genau darin liegt der blinde Fleck: Visionen sind nicht neutral, wenn sie mit exklusiver Kontrolle und privaten Renditeansprüchen verbunden sind. Dann werden aus Zukunftsversprechen sehr schnell Machtinstrumente.

Die beunruhigende Pointe ist deshalb nicht, dass sich Milliardäre streiten. Das wäre fast banal. Beunruhigend ist, dass die maßgeblichen Systeme für die nächste digitale Infrastruktur offenbar von Menschen geprägt werden, die zugleich Marskolonien, Marktbeherrschung und persönliche Kränkung in einem Atemzug denken. Wer KI als Gemeingut verkaufen will, sollte sich nicht wundern, wenn andere sie als Abkürzung zum eigenen Imperium lesen. Genau dort liegt der eigentliche Konflikt: Nicht zwischen guten und bösen Visionären, sondern zwischen öffentlichem Nutzen und privater Weltraumromantik mit Bilanzinteresse.