Wenn ein Name in Österreichs Kommunikationsbranche wieder auftaucht, klingt das oft nach Kontinuität. In Wahrheit ist es manchmal eher ein Symptom: APA-CEO Clemens Pig ist erneut Präsident des Genossenschaftsverbands. Das ist formal unspektakulär. Politisch und branchenintern ist es das nicht. Denn solche Personalien zeigen, wie eng hier Funktionen, Netzwerke und Deutungshoheit ineinandergreifen.
Die Zahlen zur Branche machen die Sache nicht kleiner. Laut WKO gibt es in Österreich Zehntausende Betriebe im Bereich Information und Kommunikation; der Sektor ist klein genug, um voneinander abhängig zu sein, und groß genug, um sich gern als modern zu inszenieren. Genau daraus entsteht das eigentliche Problem: In einer Branche, die permanent über Transparenz, Reichweite und Glaubwürdigkeit spricht, werden zentrale Rollen oft in sehr engen Kreisen verteilt. Das ist nicht per se illegal, nicht einmal ungewöhnlich. Aber es ist erklärungsbedürftig.
Wer die Kommunikationsbranche nur als Netzwerkwirtschaft betrachtet, übersieht etwas Entscheidendes: Ihre Macht liegt nicht nur in Texten, Kampagnen und Plattformen, sondern in Zugängen. Wer mitbestimmt, welche Themen sichtbar werden, welche Standards gelten und welche Interessen als professionell gelten, hat mehr Einfluss als viele klassische Managerposten vermuten lassen. Gerade deshalb wäre mehr Rotation gesund. Nicht jeder gute Kommunikator ist automatisch der beste Verbandspräsident. Und nicht jede Wiederwahl beweist Kompetenz; manchmal beweist sie nur, dass sich im Kreis alles gut kennt.
Natürlich gibt es eine Gegenposition. Kontinuität kann in einem fragmentierten Markt stabilisieren. Die Kommunikationsbranche steht unter Druck: sinkende Werbebudgets in klassischen Medien, zunehmende Automatisierung, KI-Tools, Plattformabhängigkeit. In so einer Lage kann Erfahrung wertvoll sein. Wer Strukturen kennt, kann schneller handeln, Konflikte moderieren und Interessen bündeln. Das ist nicht trivial. Aber genau hier liegt der blinde Fleck: Erfahrung wird in Österreich zu oft mit Unersetzlichkeit verwechselt. Das ist bequem für die Beteiligten und selten gut für den Wettbewerb der Ideen.
Ein zweiter, wenig beachteter Punkt: Genossenschafts- und Verbandsstrukturen sind in der Kommunikation oft mächtiger, als sie nach außen wirken. Sie prägen Rahmenbedingungen, Standards und informelle Karrieren. Für viele Jobs in der Kommunikationsbranche gilt daher nicht nur das, was im Lebenslauf steht, sondern auch, wer die Türen kennt. Das ist ein Problem für eine offene Branche. Denn wenn Aufstieg vor allem über stabile Kreise läuft, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass neue Perspektiven, jüngere Stimmen oder Quereinsteiger wirklich nach oben kommen.
Genau deshalb sollte man die Rückkehr von Pig nicht als bloße Personalnotiz abtun. Sie ist ein kleines, aber aufschlussreiches Bild für ein größeres Muster: In der österreichischen Kommunikationsbranche wird Macht gern als Professionalität verkauft. Das klingt seriös. Es ist aber auch eine Form der Selbstabsicherung. Und die kostet am Ende nicht nur frische Ideen, sondern auch Glaubwürdigkeit nach außen.
Die unbequeme Konsequenz lautet: Wer in einer Branche ständig Transparenz fordert, sollte bei den eigenen Spitzenfunktionen mit Rotation leben können. Sonst bleibt von der vielbeschworenen Offenheit am Ende nur ein sehr gut vernetzter Kreis, der sich selbst für unverzichtbar hält.

