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Chronik

Warum Riad Trump nicht mehr blind vertraut

Riad soll die US-Begleitmission in der Straße von Hormus nicht unterstützen. Ein Signal, dass alte Sicherheitsgarantien am Golf bröckeln.

Als Washington in der Straße von Hormus eine Begleitmission gegen Angriffe auf Tankschiffe aufbauen wollte, kam aus Riad offenbar keine Hilfe mehr. Das ist mehr als eine diplomatische Fußnote. Es ist ein Misstrauenssignal an die Adresse eines Mannes, der sich gerne als Garant der amerikanischen Schutzmacht verkauft. Die Botschaft am Golf lautet inzwischen: Ein Tweet ist keine Sicherheitsgarantie.

Der Hintergrund ist schnell erzählt. Nach Angriffen auf Handelsschiffe und Tanker rund um den Golf im Jahr 2019 starteten die USA die Mission Sentinel unter dem Dach der International Maritime Security Construct. Ziel war es, die Passage durch die Straße von Hormus und angrenzende Seewege zu sichern. Laut dem US-Außenministerium sind täglich etwa 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte durch die enge Meerenge unterwegs. Wer diese Route kontrolliert oder bedroht, kann Weltmärkte nervös machen, Versicherungsprämien treiben und Staaten politisch unter Druck setzen.

Dass Saudi-Arabien sich bei einer solchen Mission zurückhält, ist politisch bemerkenswert. Noch vor wenigen Jahren galt das Königreich als verlässlicher Teil des amerikanischen Sicherheitsarchitektur am Golf. Heute ist diese Ordnung brüchiger. Und das liegt nicht nur an Trump, aber auch an ihm. Unter seiner Präsidentschaft wurde aus dem Bündnisversprechen ein Tauschgeschäft: Schutz gegen Loyalität, mit wechselndem Preis. Genau diese Unberechenbarkeit bleibt in Riad hängen. Wer 2019 erleben musste, wie schnell Washington Drohungen ausspricht und ebenso schnell wieder zurückrudert, baut keine Strategie auf Nostalgie.

Die nüchterne Lesart ist unbequem: Saudi-Arabien diversifiziert seine Sicherheitsbeziehungen, statt sich weiter auf die USA zu verlassen. Das ist keine antiwestliche Revolte, sondern klassische Risikostreuung. Riad spricht inzwischen offener mit China, hält Kanäle nach Russland und versucht zugleich, regionale Spannungen mit dem Iran zu entschärfen. Für ein Land, das seine Exporte, seine Investitionen und den Umbau der eigenen Wirtschaft absichern will, ist das rational. Für Washington ist es ein Problem. Denn die USA wollten im Golf lange nicht nur Ordnungsmacht sein, sondern auch der unverzichtbare Garant. Unverzichtbar klingt besser, als es in einer Region mit immer mehr Alternativen tatsächlich ist.

Gegenpositionen gibt es trotzdem. Die einen sagen: Saudi-Arabien brauche die USA weiterhin wegen Luftverteidigung, Aufklärung und Seeüberwachung; ohne amerikanische Technik und Präsenz lasse sich die Straße von Hormus nicht absichern. Das stimmt teilweise. Die zweite Einwendung lautet: Riad wolle nicht den Eindruck erwecken, in einen amerikanisch-iranischen Konflikt hineingezogen zu werden. Auch das ist plausibel, vor allem nach Angriffen auf saudi-arabische Ölanlagen 2019 und angesichts der hohen wirtschaftlichen Kosten einer offenen Eskalation.

Aber genau hier liegt der blinde Fleck. Sicherheit am Golf ist längst nicht mehr nur eine Frage militärischer Präsenz, sondern auch von Verlässlichkeit, Deeskalation und Regeln. Die USA haben sich in den vergangenen Jahren als unbeständige Regulierungs- und Schutzmacht gezeigt: mal maximale Härte gegen Teheran, mal Verhandlungen, mal Abzugssignale, mal Rückversicherung. Für Partner ist das schlecht kalkulierbar. Und für den Schiffsverkehr ist es fatal, wenn niemand weiß, ob die Schutzmacht morgen noch die gleiche Priorität setzt wie heute.

Die wenig beachtete Pointe: Das Vertrauen bröckelt nicht trotz, sondern wegen der amerikanischen Dominanz. Wer Sicherheit zu sehr personalisiert und zu wenig institutionell absichert, macht sie abhängig von der Tagesform im Weißen Haus. Am Golf rächt sich das jetzt. Saudi-Arabien verweigert sich nicht aus Prinzip, sondern aus Vorsicht. Das ist vielleicht die härteste Kritik an Trumps Nahostpolitik: Sie hat Verbündete nicht enger an die USA gebunden, sondern ihnen gezeigt, wie billig amerikanische Zusagen werden können. Und wer sich darauf einstellt, handelt nicht unvernünftig – nur eben ohne Washingtons alte Illusionen.

Am Ende bleibt eine unbequeme Konsequenz: Wenn selbst Saudi-Arabien bei der Straße von Hormus nicht mehr auf die USA setzt, dann ist die Ära der amerikanischen Schutzgarantie am Golf nicht vorbei, weil Feinde stärker geworden sind, sondern weil Verbündete gelernt haben, ihr nicht mehr zu glauben.