Die Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat kürzlich die Forderung nach einer teilweisen Entkopplung der CO2-Preise vom Strompreis erhoben. Grund hierfür sind die stark gestiegenen Strompreise, die laut Wifo maßgeblich durch die Kosten für CO2-Zertifikate fossiler Kraftwerke im europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) getrieben werden.
Der konventionelle Strommarkt wird seit 2005 durch das Merit-Order-Prinzip bestimmt: Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten gereiht, und der Preis hängt vom teuersten notwendigen Kraftwerk ab. Da CO2-Zertifikate die Betriebskosten fossiler Kraftwerke erhöhen, verschiebt sich der einheitliche Großhandelspreis nach oben. Erneuerbare Energien wie Wind und Solar verursachen hingegen nahezu keine variablen Kosten, da sie keine Brennstoffkosten haben und keine CO2-Abgaben zahlen müssen.
Diese Preisdynamik führt dazu, dass der Strommarkt nicht mehr kostengerecht die tatsächlichen Produktionskosten widerspiegelt und Haushalte sowie Industriekunden stark belastet werden. Wifo schlägt deswegen eine Marktinstrumentenanpassung vor, bei der CO2-Zertifikatskosten zumindest teilweise von den Strompreisen entkoppelt werden, um die Preisspitzen abzufedern.
Die Entkopplung könnte helfen, Energiearmut zu vermeiden und gleichzeitig die Energieeffizienz sowie den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter zu fördern. Zudem würden dadurch Wettbewerbsnachteile einzelner Branchen auf dem europäischen Markt reduziert.
Die Debatte um die Preisbildungsmechanismen im Strommarkt ist in vielen EU-Ländern aktuell, da hohe Energiepreise die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie bremsen und sozialen Druck erhöhen. Experten betonen, dass langfristig eine stärkere Integration erneuerbarer Energien und flexible Preisgestaltung notwendig sind, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen.
Weitere Informationen zu aktuellen Strom- und CO2-Preisentwicklungen finden Sie auf den Seiten der Wifo, der Agora Energiewende und der European Energy Exchange (EEX).