Die Bedeutung von Schlaf für die Gesundheit ist unumstritten, doch eine aktuelle Beobachtung der Ärztin Suzann Kirschner-Brouns führt zu neuen Erkenntnissen: Frauen benötigen im Durchschnitt mehr Schlaf als Männer. Ein Grund dafür ist, dass Frauen häufiger unter Erschöpfung leiden, was sich auch in der morgendlichen Müdigkeit widerspiegelt.
Eine zentrale Ursache für diese Unterschiede liegt in der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. Während Männer und Frauen oft gleichberechtigt im Berufsleben stehen, übernehmen Frauen häufig zusätzliche Verantwortung in Haushalt und Betreuung von Angehörigen – eine Care-Arbeit, die nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastend ist.
Diese Mehrbelastung führt dazu, dass Frauen trotz ausreichender Schlafdauer nicht die gleiche Schlafqualität erfahren. Die Ärztin betont, dass erholsamer Schlaf keine bloße Frage der Quantität, sondern auch der Qualität ist. Faktoren wie Stress, mentale Belastung und emotionale Verantwortung wirken sich negativ auf die Schlafzyklen aus, insbesondere auf den sogenannten REM-Schlaf, der für kognitive Funktionen und emotionale Verarbeitung wichtig ist.
Interessanterweise sinkt der Schlafbedarf temporär, wenn Menschen frisch verliebt sind. Studien zeigen, dass in dieser Phase vermehrt das Hormon Dopamin ausgeschüttet wird, welches das Wachgefühl fördert und den Schlafbedarf reduziert. Die natürliche Euphorie in der Verliebtheit kann also dazu führen, dass sich Menschen trotz weniger Schlaf ausgeruhter fühlen.
Zur Verbesserung der Schlafqualität empfiehlt Kirschner-Brouns neben einer besseren Verteilung der Sorgearbeit auch bewusste Entspannungstechniken, regelmäßige Schlafhygiene und eine Reduktion von Bildschirmzeit vor dem Zubettgehen. Eine gesellschaftliche Debatte über die Aufteilung unbezahlter Arbeit sei ebenfalls essenziell für das psychische und physische Wohlbefinden von Frauen.
Insgesamt zeigt die Forschung, dass Schlaf ein hochkomplexer Prozess ist, der von biologischen, sozialen und emotionalen Faktoren beeinflusst wird. Für Maturanten und andere Lernende ist besonders wichtig zu wissen, dass ausreichender und qualitativ guter Schlaf entscheidend für Konzentration, Gedächtnis und Körpergesundheit ist.
Weiterführende Links
- https://www.schlafberater.de/schlafbeduerfnis-frauen-maenner
- https://www.dw.com/de/warum-frauen-mehr-schlaf-brauchen/a-57473689
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6777604/
- https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/gleichstellung/leistungen/frau-und-gesellschaft/gesellschaftliche-arbeitsverteilung-und-gesundheit