In der öffentlichen Wahrnehmung spielen Impfungen gegen COVID-19 eine zentrale Rolle, während andere wichtige Impfungen, wie jene für Fernreisen oder gegen Influenza, häufig weniger Beachtung finden. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf: Warum fokussieren viele Menschen ihre Impfbemühungen auf Corona, obwohl andere Krankheiten ebenfalls ernstzunehmende Gesundheitsrisiken bergen?
Ein wesentlicher Punkt liegt in der subjektiven Risikobewertung. Laut Expertinnen basieren Entscheidungen zur Impfung nicht immer auf objektiven medizinischen Fakten. Stattdessen werden Risiken oftmals emotional oder intuitiv beurteilt, was zu Verzerrungen führt. Ein Beispiel ist die Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Hier zeigt sich, dass sich insbesondere Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, eher impfen lassen, da die Gefahr durch Zeckenstiche als eingängig wahrgenommen wird.
Demgegenüber steht die Influenza-Impfung, die trotz der jährlich hohen Fallzahlen und möglichen ernsten Komplikationen oft weniger Beachtung findet – auch bei Personen, die ein erhöhtes Risiko für Grippefolgen haben. Diese Diskrepanz wird von Psychologinnen darauf zurückgeführt, dass Krankheiten, die weniger sichtbar oder weniger medientauglich sind, im Bewusstsein der Bevölkerung eine geringere Priorität erhalten.
Die COVID-19-Pandemie hat die Diskussion um Impfungen in den Vordergrund gebracht und liefert wertvolle Erkenntnisse. Die intensive Medienberichterstattung, die teilweise starke politische Debatte und die akute Bedrohung durch das Virus führten zu einer erhöhten Wahrnehmung und Akzeptanz der Impfungen gegen SARS-CoV-2. Gleichzeitig zeigt sich, dass Informationsdefizite und falsche Risikoeinschätzungen für andere Impfungen weiterhin bestehen bleiben.
Wichtig ist eine evidenzbasierte Kommunikation, die sowohl rationale Faktoren wie Impfwirksamkeit und Sicherheitsprofile als auch emotional-subjektive Barrieren adressiert. Zusätzlich können public health campaigns die Gesundheitskompetenz steigern und damit langfristig die Impfbereitschaft erhöhen.
Fazit: Impfentscheidungen sind komplex und werden von zahlreichen individuellen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst. Für eine bessere Gesundheitsvorsorge sollten nicht nur aktuelle Krisen wie die Corona-Pandemie sondern auch bewährte Impfungen wie FSME- und Influenza-Impfungen stärker in den Fokus rücken.
Weiterführende Links
- https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/Ausgaben/25_23.pdf?__blob=publicationFile
- https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/influenza-(seasonal)
- https://www.impfen-info.de/impfungen/fsmekrankheit-schutz
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7938910/