Simone Aughterlony zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Choreografinnen und Performanceschaffenden. Ihre Stücke zeichnen sich durch präzise Körperarbeit und ein subtiles Einbeziehen gesellschaftlicher Themen aus. Aktuell ist sie mit der Performance „Collapse in 5 Acts: there is porn of it“ im renommierten Tanzquartier Wien zu sehen, die eine facettenreiche Auseinandersetzung mit Geschichte, Identität und Tourismus bietet.
Die Inszenierung setzt sich kritisch mit der Figur eines Königs auseinander, die symbolisch für Macht sowie den commodifizierten Umgang mit historischen Erzählungen steht. Die performative Struktur gliedert sich in fünf Akte, die narrative Fragmente und Collagen verschiedener historischer und gegenwärtiger Diskurse verbinden. Dabei nutzt Aughterlony gezielt Körperlichkeit als Medium, um soziale Hierarchien und politische Kontexte sichtbar zu machen – ein Merkmal postmoderner Tanzästhetik.
Ein zentraler Aspekt ist die Reflexion über Tourismus als Mechanismus der Geschichtsvermittlung. Aughterlony hinterfragt, wie touristische Inszenierungen Geschichte oft simplifizieren und dabei ein homogenisiertes Bild herstellen, das von wirtschaftlichen Interessen getrieben wird. Dies steht im Einklang mit aktuellen Debatten um kulturellen Abbau, auch bekannt als Heritage Commodification, die oft zu Entfremdung der lokalen Bevölkerung führt.
Die Choreografie nutzt Elemente der Dekonstruktion, indem sie traditionelle Erzählweisen und ikonografische Bildsymbole aufbricht und neu zusammensetzt. Die Themen Pornografie und Öffentlichkeit, die im Titel angedeutet werden, beziehen sich kritisch auf die voyeuristische Konsumhaltung heutiger Mediengesellschaften, die auch den Kunst- und Kulturbereich durchdringt.
Für Maturanten bietet dieses Stück eine spannende Verbindung von historischer Reflexion, performativer Kunst und kritischer Gesellschaftsanalyse. Die Verwendung von Begriffen wie Identitätspolitik, Postdramatischer Tanz und Symbolismus liefert einen guten Einblick in zeitgenössische künstlerische Diskurse.
Insgesamt lädt Simone Aughterlonys Performance dazu ein, traditionelle Vorstellungen von Geschichte und kulturellen Narrativen zu hinterfragen und den Einfluss von Tourismus kritisch zu beleuchten. Dabei offenbart sich die Macht der Kunst, gesellschaftliche Prozesse sichtbar zu machen und zur Debatte zu stellen.