Die Literaturkritik, im Idealfall eine sachliche und fundierte Bewertung literarischer Werke, steht immer wieder involviert in kontroverse Debatten. Insbesondere wenn es um den Umgang mit Büchern von Autorinnen geht, scheint die Objektivität häufig zu schwinden.
Einer der prominentesten Kritikpunkte in letzter Zeit richtet sich gegen den deutschen Literaturkritiker Denis Scheck. Er wird von zahlreichen Autorinnen und Beobachtern der Literaturwelt dafür kritisiert, Bücher weiblicher Schriftstellerinnen oft herabzuwürdigen und mit einer sexistischen Grundhaltung zu rezensieren. Dabei fällt auf, dass seine Besprechungen nicht selten auf stereotypen Erwartungen an Frauenliteratur basieren, anstatt die Werke unabhängig von Geschlechterzugehörigkeiten zu betrachten.
Dieses Phänomen lässt sich aus soziologischer Sicht durch die Theorie der Gender-Stereotype erklären, die tief in unser kulturelles Bewusstsein eingebettet sind. In der Literaturkritik manifestiert sich das häufig in Form von unterschwelliger Diskriminierung oder bewusster Abwertung weiblicher Perspektiven.
Offizielle Studien zeigen, dass männliche Autoren in der Literaturlandschaft nach wie vor häufiger bevorzugt behandelt werden, sei es durch Medienpräsenz oder durch Betitelung als ‚Kanonische Autoren‘. Dies trägt zu einer systematischen Benachteiligung bei, die selbst erfahrene Literaturkritiker wie Scheck nicht vollständig ausschließen können.
Die Kritik an Scheck ist insofern berechtigt, als dass eine reflektierte Literaturkritik gerade den Anspruch haben sollte, Geschlecht, Herkunft oder andere persönliche Merkmale vom literarischen Wert zu trennen. Gleichzeitig entbrennt eine Debatte darüber, wie stark die Identität der Autorin überhaupt Einfluss auf die Rezeption eines Buches haben darf, insbesondere im Kontext feministischer Theorie und intersektionalen Ansätzen.
Für Maturanten, die sich mit Literaturkritik und Gender Studies beschäftigen, bietet diese Diskussion eine spannende Möglichkeit, verschiedene Diskurse ineinander fließen zu lassen und kritisch zu hinterfragen, wie gesellschaftliche Normen und Rollenbilder technischer und fachlicher Bewertung im Weg stehen können.
Abschließend lässt sich sagen, dass eine gendergerechte Literaturkritik notwendig ist, um eine ausgewogene und faire Bewertung zu gewährleisten. Denis Schecks Fall mahnt, die eigene Haltung kontinuierlich zu überprüfen und Literatur in ihrem eigenen Kontext zu würdigen, ohne von Vorurteilen geprägt zu sein.
Weiterführende Links
- https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/denis-scheck-und-der-sexismus-vorwurf-17694563.html
- https://www.deutschlandfunkkultur.de/gender-und-literaturkritik-die-hürde-der-vorurteile-100.html
- https://www.boell.de/de/2018/03/08/gender-und-literaturkritik
- https://www.sueddeutsche.de/kultur/denis-scheck-literaturkritik-frauen-1.4895123