ORF und VÖSI starten Initiative für Digitale Souveränität

Der ORF und der Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI) haben heute gemeinsam eine neue Initiative gestartet, die sich mit dem Thema Digitale Souveränität beschäftigt. Unter dem Motto „Vergleichbar. Erklärbar. Souverän“ wollen sie ein praktisches und transparentes Referenzmodell entwickeln. Dieses Modell soll Organisationen dabei helfen, besser zu verstehen, was Digitale Souveränität bedeutet, wie man sie einschätzen kann und wie sie bei Entscheidungen über Technologie berücksichtigt wird.

Digitale Souveränität wird immer wichtiger – besonders für Behörden, wichtige Infrastrukturen, stark regulierte Branchen und ähnliche Bereiche. Gleichzeitig gibt es bisher kaum neutrale und praxisnahe Hilfsmittel, die erklären, wie viel Kontrolle man über Technologie, Plattformen und Lieferketten hat und wie Governance-Fragen dabei eine Rolle spielen.

Harald Kräuter, Direktor für Digitalisierung und Technik beim ORF, sagt dazu: „Digitale Souveränität bedeutet, zu wissen, wie abhängig man von Technologien, Plattformen und Lieferketten ist – und bewusst entscheiden zu können.“ Gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Forschung und öffentlichen Organisationen soll ein Modell entstehen, das für mehr Transparenz sorgt und fundierte Entscheidungen ermöglicht.

Auch aus Sicht der IT-Branche gewinnt das Thema an strategischer Bedeutung. Doris Lippert, Präsidentin des VÖSI, erklärt: „Digitale Souveränität entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch Transparenz, Kompetenz und starke europäische Ökosysteme.“ Die neue Initiative „Digital Sovereignty“ soll einen Raum bieten, in dem Anbieter, Anwender und Forschung gemeinsam an einem klaren und gut anwendbaren Verständnis arbeiten.

Die Leitung der Initiative übernimmt Peter Reichstädter, CIO des Österreichischen Parlaments. Er betont: „Digitale Souveränität ist eine komplexe Herausforderung, die Aspekte wie Autonomie, Verantwortung, Risiko und Widerstandsfähigkeit umfasst.“ Dabei geht es vor allem um drei Ebenen: die operative Souveränität, Daten und Technologie. Durch einen Ansatz des „Sharing & Learning“ und die Zusammenarbeit von Experten aus verschiedenen Bereichen auf nationaler und europäischer Ebene soll das Thema greifbar und verständlich gemacht werden.

Interdisziplinäres Team entwickelt Referenzmodell

Die Special Interest Group (SIG) „Digital Sovereignty“ besteht aus Vertretern von Softwarefirmen, IT- und Cloud-Anbietern, Beratungen, Forschungseinrichtungen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors. Ziel ist ein neutrales Referenzmodell, das Orientierung bietet, aber nicht als Zertifikat oder Gütesiegel dient.

Astrid Zöchling, CIO des ORF und Mit-Initiatorin der Arbeitsgruppe, erklärt: „Digitale Souveränität ist kein abstrakter Begriff, sondern eine sehr konkrete Frage der technologischen Handlungsfähigkeit von Organisationen.“ Das Ziel ist ein Modell, das Souveränität anhand klarer Kriterien sichtbar macht und so Transparenz und Vergleichbarkeit schafft – besonders für den öffentlichen Bereich und regulierte Branchen.

Die SIG plant einen sogenannten Digital Sovereignty Score, der die Souveränität digitaler Lösungen messbar und transparent macht. Zusätzlich sollen standardisierte Dokumente erstellt werden, wie ein Sovereignty Factsheet, das wichtige Infos zu den souveränitätsrelevanten Eigenschaften digitaler Produkte übersichtlich darstellt. Ein weiteres Dokument, die Sovereignty Bill of Materials, zeigt Abhängigkeiten und Herkunft wichtiger digitaler Komponenten auf, zum Beispiel wo Software herkommt, welches Lizenzmodell genutzt wird und wo Daten verarbeitet werden.

Wirtschaft, öffentlicher Sektor und Forschung sind eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen und ihre Sichtweisen einzubringen. So soll ein breit abgestütztes Modell entstehen, das für verschiedene Organisationen nützlich ist.

Die Bedeutung digitaler Souveränität wächst, da immer mehr Entscheidungen über IT-Infrastruktur, Cloud-Dienste und Software getroffen werden müssen, die Einfluss auf Sicherheit, Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Erfolg haben. Durch dieses gemeinsame Projekt sollen praktische Werkzeuge bereitgestellt werden, um diese komplexen Themen besser zu meistern.

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