Vor der heutigen vierten Verhandlungsrunde im Kollektivvertrag für die Beschäftigten im Finanzsektor gab es eine Kundgebung vor dem Bankenverband. Etwa 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Branche kamen der Einladung der Gewerkschaft GPA nach, um gemeinsam für ein faires Angebot der Arbeitgeber zu demonstrieren. In den ersten drei Verhandlungsrunden gab es trotz hoher Gewinne der Banken kein Angebot, und eine Ausgleichszahlung für die steigende Inflation wurde abgelehnt.
Wolfgang Pischinger, Zentralbetriebsrat der OBERBANK und Chefverhandler der GPA, sagte bei der Kundgebung: „Seit Jahren hören wir von den Arbeitgebern, dass die Branche strukturelle Probleme hat. Dennoch gelingt es uns seit sieben Jahren Rekordergebnisse zu erwirtschaften. Das passt ja wohl überhaupt nicht zusammen. Eine Erhöhung – zumindest in Höhe der Inflationsrate – ist daher nur fair und richtig.“ Er betonte außerdem: „Ohne die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es keinen Erfolg in dieser Branche. Ohne ihre Arbeit, ohne ihr Wissen, ohne ihren täglichen Einsatz gibt es keine Rekordgewinne. Wer diese Leistung gerne in Bilanzen präsentiert, muss auch bereit sein, sie fair abzugelten!“
Anita Palkovich, Verhandlerin der GPA, erklärte: „Dass nach drei Verhandlungsrunden nicht einmal ein Angebot auf dem Tisch liegt, zeigt wie wenig Wertschätzung den Kolleginnen und Kollegen entgegengebracht wird.“ Sie ergänzte, dass es hier nicht um zu hohe Forderungen gehe, sondern um die grundsätzliche Frage, ob die Beschäftigten von dem guten Abschneiden ihrer Branche etwas haben oder nur zusehen, wie die Gewinne und Manager-Boni steigen, während das Leben für sie teurer wird.
Zum Schluss betonten Pischinger und Palkovich gemeinsam: „Dass so viele Kolleginnen und Kollegen heute hier sind, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen zeigt, dass wir bereit sind für unseren Kollektivvertrag zu kämpfen. Es liegt jetzt an den Arbeitgeber endlich den Weg für konstruktive Verhandlungen freizumachen und endlich ein Angebot vorzulegen.“
Die Inflation wirkt sich besonders stark auf die Lebenshaltungskosten aus, weshalb viele Beschäftigte eine Anpassung ihrer Gehälter fordern. Kollektivverträge sind wichtig, weil sie die Rechte und Bedingungen für viele Arbeitnehmer regeln und helfen, faire Löhne und Arbeitsbedingungen zu sichern.