Zollpolitik bedroht Medikamentenversorgung und Standort

Die US-Regierung hat kürzlich angekündigt, bei der Einfuhr bestimmter Medikamente in die USA einen Zoll von 100 % einzuführen. Das bedeutet, dass die Preise für diese Medikamente deutlich steigen würden. Diese Maßnahme kann die Versorgung mit Arzneimitteln in Österreich gefährden und auch den Wirtschaftsstandort hier schwächen – besonders, wenn es keine passenden Gegenmaßnahmen gibt. Dazu sagt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG: „Das Ansinnen von Präsident Trump, mehr Produktion in die USA zu holen, täte generell auch der europäischen und österreichischen Politik gut. Allerdings ist die Situation bei uns anders gelagert. Mit einer Niedrigpreispolitik, wie sie bei Arzneimitteln in Europa und gerade auch in Österreich herrscht, wird man weder den Standort noch die Versorgung stärken. Der generische Bereich leidet seit langem schon an extrem niedrigen Preisen, und was den innovativen Sektor betrifft, so wird der Wert und Nutzen innovativer Medikamente ebenfalls nicht im entsprechenden Maß gewürdigt. Zudem ist es schlicht eine Tatsache, dass neue Medikamente zum Großteil in den USA entwickelt werden. Dort nämlich herrscht ein anderes Verständnis davon, was Forschung leistet und welchen Nutzen Innovationen für die Gesellschaft haben.“

Die EU könnte Trumps Ankündigung als Anlass nutzen, die geplante Vereinbarung mit den USA aus dem letzten August schneller umzusetzen. Diese Vereinbarung sieht vor, dass Zölle auf Arzneimittel maximal 15 % betragen sollen. Das Papier ist noch nicht verbindlich und muss erst von der EU beschlossen werden. Alexander Herzog warnt: „Um zu verhindern, dass wir langfristig Forschung und Produktion im Pharmabereich an die USA verlieren, sollte die EU zügig handeln.“ Dies ist wichtig, da die pharmazeutische Industrie ein starkes gemeinsames Vorgehen braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für die Pharmaindustrie ist es besonders wichtig, dass Medikamente generell von Zöllen ausgenommen werden. Diese Ausnahme gab es bisher oft, aber die aktuelle Ankündigung macht dieses Ziel schwieriger zu erreichen. Ein starker Zoll würde die Preise erhöhen und den Zugang zu Medikamenten erschweren.

Herzog betont: „Wir können es uns heute nicht mehr leisten, die Forschung anderen zu überlassen und die Produktion von so essenziellen Gütern wie Medikamenten zunehmend abwandern zu lassen. Die Versorgung mit Medikamenten und deren Entwicklung ist auch eine Frage strategischer Sicherheit. Wir müssen jetzt, wo es derartige geopolitische Verwerfungen und Drohszenarien gibt, an unserer Eigenständigkeit arbeiten. Daher sind unsere Forderungen nach adäquaten Medikamentenpreisen und einer umfassenden, langfristigen Strategie zur Stärkung der pharmazeutischen Industrie in Österreich und der EU keine leeren Phrasen. Hier müssen seitens der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt werden, und zwar besser gestern als heute.“ Diese Aussage zeigt, wie wichtig es ist, die pharmazeutische Industrie in Europa zu schützen, gerade in Zeiten, in denen die Weltwirtschaft unsicher ist.

Zur PHARMIG: Die PHARMIG ist die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie. Aktuell zählt der Verband etwa 120 Mitgliedsunternehmen (Stand April 2026), die rund 95 % des österreichischen Medikamentenmarktes abdecken. Die PHARMIG und ihre Mitglieder setzen sich dafür ein, dass die Versorgung mit Arzneimitteln im Gesundheitswesen sicher und zuverlässig bleibt. Zudem fördern sie durch Qualität und Innovation den medizinischen und gesellschaftlichen Fortschritt.

Rückfragen

PHARMIG - Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
Peter Richter, BA MA MBA
Telefon: +43 664 8860 5264
E-Mail: peter.richter@pharmig.at
Website: www.pharmig.at

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