Der Weiss-Preis ist der höchstdotierte privat finanzierte Forschungspreis in Österreich im Bereich Anästhesie. In diesem Jahr erhalten Simon Woyke von der Medizinischen Universität Innsbruck und Manuela Schmidt von der Universität Wien diese wichtige Auszeichnung. Vergeben wird der Preis von der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung in Zusammenarbeit mit dem Forschungsförderer FWF. Mit dem Preis werden zwei innovative Forschungsprojekte gewürdigt, die für die medizinische Praxis sehr bedeutend sind. Eines davon beschäftigt sich mit der Optimierung von Bluttransfusionen während Operationen, das andere erforscht die molekularen Ursachen von chronischen Nervenschmerzen. Insgesamt steht ein Förderbetrag von 330.000 Euro für beide Projekte zur Verfügung.
Bei großen Operationen verlieren Patientinnen und Patienten oft viel Blut. Dann ist es wichtig, den Blutverlust durch eine Transfusion auszugleichen, damit der Körper weiterhin genug Sauerstoff bekommt. Es kann dabei entweder Blut von Spenderinnen und Spendern verwendet werden, das vorher gelagert wurde, oder während der Operation wird das eigene Blut der Patient:innen gesammelt und direkt wiederverwendet (Cell-Salvage-Blut).
Den Weiss-Preis 2026 erhält Simon Woyke von der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin in Innsbruck gemeinsam mit seinem Team (u. a. Barbara Sinner, Raffaella Fantin, Nicole Innerhofer, Christopher Rugg, Markus Luger, Norbert Mair, Thomas Haller, Herbert Oberacher, Marco Amato) für das Projekt HemOx-Transfusionsstudie. Sie untersuchen, wie gut das Hämoglobin in gelagertem Spenderblut und frisch aufgefangenem Eigenblut Sauerstoff transportieren kann. Das Problem dabei ist, dass sich das gelagerte Blut im Laufe der Zeit verändert, was die Fähigkeit des Hämoglobins beeinträchtigen kann, Sauerstoff zu binden. Ziel der Studie ist zu klären, ob die Sauerstoffversorgung bei gelagertem Blut schlechter ist als bei frisch aufbereitetem Eigenblut. Die Erkenntnisse könnten helfen, die Transfusionsmedizin in Zukunft zu verbessern.
„Wie lange es nach der Transfusion von Spenderblut dauert, bis Hämoglobin wieder voll funktionstüchtig Sauerstoff transportieren kann, ist nicht endgültig geklärt. Wir wollen die Dynamik dieses Prozesses darstellen und im Vergleich mit wiederaufbereitetem Eigenblut mögliche Vor- und Nachteile beider Verfahren analysieren“, erklärt Projektleiter Simon Woyke.
Das zweite ausgezeichnete Projekt beschäftigt sich mit der Entstehung chronischer Nervenschmerzen. Manuela Schmidt, Biologin und Pharmakologin von der Universität Wien (Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie), untersucht im Projekt PainSTRIKE: Multiomics-Einblicke in menschlichen Schmerz die molekularen Grundlagen chronischer Schmerzen direkt im menschlichen Nervensystem.
Chronische Schmerzen sind für viele Betroffene sehr belastend, und bisher gibt es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Im Fokus der Forschung steht die diabetische periphere Neuropathie, eine häufige Form von chronischen Nervenschmerzen bei Menschen mit Diabetes. Das Team analysiert Nervenknoten, sogenannte dorsale Wurzelganglien, die Schmerzsignale vom Körper zum Gehirn leiten. Mit modernen Methoden der Multiomics werden dort Proteine und molekulare Signalwege untersucht, die bei der Entstehung der Schmerzen eine Rolle spielen.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Geschlechtsunterschieden und auf den Auswirkungen von Opioid-Schmerzmitteln. Opioide werden zwar oft gegen starke Schmerzen eingesetzt, können aber bei längerem Gebrauch viele Probleme verursachen.
„Viele Erkenntnisse aus der Schmerzforschung stammen aus Tierstudien. Diese sind sehr wichtig, lassen sich aber nur mit Einschränkungen auf den Menschen übertragen. Unser Ziel ist es, die biologischen Grundlagen chronischer Schmerzen direkt im menschlichen Nervensystem besser zu verstehen“, sagt Projektleiterin Manuela Schmidt.
Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Schmerzforscher Theodore Price von der University of Texas at Dallas (USA) statt. Die Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht und sollen langfristig neue Wege zu wirksameren und sichereren Schmerzbehandlungen eröffnen.
„Mit dem Weiss-Preis werden Forschungsprojekte ausgezeichnet, die wissenschaftliche Exzellenz mit unmittelbarer klinischer Relevanz verbinden. Sowohl die Studie von Simon Woyke als auch das Projekt von Manuela Schmidt zeigen, wie innovative Forschung dazu beiträgt, medizinische Behandlungen weiter zu verbessern und neue Erkenntnisse über komplexe Krankheitsmechanismen zu gewinnen. Der FWF freut sich sehr, diese Arbeiten gemeinsam mit der Weiss-Wissenschaftsstiftung unterstützen zu dürfen“, sagt Ursula Jakubek, kaufmännische Vizepräsidentin des FWF.
„Die Weiss-Wissenschaftsstiftung verfolgt das Ziel, innovative Forschung im Bereich der Anästhesie nachhaltig zu fördern. Die beiden ausgezeichneten Projekte greifen zentrale Fragestellungen der modernen Medizin auf – von der Verbesserung der Transfusionsmedizin bis hin zum besseren Verständnis chronischer Schmerzen. Es freut uns sehr, diese engagierten Forschenden auf ihrem wissenschaftlichen Weg unterstützen zu können“, so Rudolf Bauer, Vorstand der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung.
Philanthropie für Wissenschaft und Forschung
Privatpersonen und Organisationen engagieren sich immer stärker gemeinnützig, wodurch immer mehr hervorragende Forschende unterstützt werden können. Aktuell werden über den FWF Forschungsprojekte mit insgesamt 2,5 Millionen Euro pro Jahr aus privaten Spenden gefördert. Außerdem hat der FWF als erster öffentlich finanzierter Forschungsförderer in Europa die gemeinnützige Stiftung alpha+ gegründet. Sie sammelt private Mittel, um österreichischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr Möglichkeiten für Grundlagenforschung zu eröffnen.
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