Die geplante OIB-Richtlinie 7 mit dem Titel „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ wird künftig festlegen, welche Bauweisen in Österreich als umweltfreundlich gelten. Zum ersten Mal soll dabei verpflichtend das gesamte CO₂-Potenzial eines Neubaus über seinen kompletten Lebenszyklus (GWP – global warming potential) berechnet und ausgewiesen werden. Der Österreichische Stahlbauverband fordert dabei eine praktische, für alle Materialien faire und EU-konforme Umsetzung. Im Gebäudebereich geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Kosten sowie Planungssicherheit und klare rechtliche Regeln. Nationale Sonderregeln oder verzerrte Umwelt-Bilanzen sollten vermieden werden. Bisher wurde in Österreich der Holzbau oft bevorzugt bewertet, was als „Holz-Golden-Plating“ bezeichnet wird. Dabei wurde die CO₂-Bilanz des Holzbaus zu positiv dargestellt.
Wälder: Von CO₂-Senke zu CO₂-Quelle
Die aktuelle Umweltbilanz der österreichischen Wälder ist sehr besorgniserregend. Laut der Treibhausgasinventur 2025 haben sich die Wälder von einem CO₂-Speicher, der das Klima schützt, zu einer CO₂-Quelle entwickelt, die CO₂ freisetzt. Zwischen 2016 und 2018 konnten die Wälder jährlich etwa 4,8 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen. Heute produziert der Waldbereich rund 8 Millionen Tonnen zusätzliche CO₂-Emissionen – also deutlich mehr als vorher. Hauptgründe sind große Mengen an Holz, die geschlagen werden, und viele geschädigte Bäume. Wichtig ist auch: Die EU fordert, dass Österreich jedes Jahr mindestens 4,66 Millionen Tonnen CO₂ im Wald speichern muss. Diese große Abweichung könnte zu einem EU-Vertragsverletzungsverfahren führen und möglicherweise zu Milliardenstrafzahlungen für Österreich.
Österreich nutzt seinen Wald an der Grenze
Trotz der sichtbaren Klimaschäden wird in Österreich weiterhin sehr viel Holz eingeschlagen. Anstatt höchstens 80 Prozent des Holzes zu nutzen, wie es der WWF empfiehlt, sind es laut dem Waldbericht 2023 bereits 89 Prozent. Der Biomasseverband spricht sogar von 96 Prozent, die entweder geerntet oder als Totholz im Wald verbleiben. Von einer nachhaltigen Holzreserve kann man also kaum sprechen.
Holznutzung verursacht 26 Millionen Tonnen CO₂ jährlich
Im Jahr 2023 wurden in Österreich inklusive Importen rund 42 Millionen Festmeter Holz verwendet. Davon werden 61 Prozent verbrannt, was etwa 26 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr entspricht. Nur rund 10 Prozent des Holzes werden für langlebige Produkte wie Holzbau eingesetzt. Daher ist die oft behauptete klimafreundliche Wirkung von Holz nur teilweise richtig. Dieser positive Eindruck entstand, weil in bisherigen Rechnungen nur die Phasen A1 (Rohstoffgewinnung), A2 (Transport vom Wald zur Verarbeitung) und A3 (Herstellung) betrachtet wurden. Die Transportwege zur Baustelle, der Zusammenbau, Abriss und das Ende der Holzprodukte (zum Beispiel als Spanplattenrohstoff, energetische Verwertung oder Müll) wurden nicht berücksichtigt. Je mehr Holz industriell verarbeitet wird, desto mehr ähnelt es einem Verbundwerkstoff – und desto schwieriger und klimaschädlicher ist die Entsorgung.
Fazit: Bisher wurde bei Holz hauptsächlich die Herstellungsphase betrachtet – vom Wachstum des Baumes bis zur Verarbeitung. Die neue OIB-Richtlinie 7 bietet jetzt die Chance, den ganzen Lebenszyklus in die Bewertung einzubeziehen – und so Missverständnisse durch unvollständige Berechnungen zu vermeiden.
Lebenszyklus statt Teilbetrachtung
Der Stahlbauverband betont, dass der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks bewertet werden muss – von der Herstellung (A) über den Gebrauch und die Instandhaltung (B) bis zum Abbau und der Entsorgung (C). „Teilbilanzen, die nur einzelne Phasen betrachten, führen systematisch zu Verzerrungen. Wenn wir Bauweisen seriös und fair vergleichen wollen, dann nur über den gesamten Lebenszyklus. Alles andere öffnet Tür und Tor für Fehlanreize“, erklärt Georg Matzner, Geschäftsführer des Österreichischen Stahlbauverbands.
Keine Schönrechnung durch temporäre CO₂-Speicher
Auch die Anrechnung von temporär gespeicherten CO₂-Mengen als dauerhafte Reduktion lehnt der Verband ab: „Temporäre Kohlenstoffspeicherung darf nicht als dauerhafte Emissionsminderung verkauft werden. Das mag auf dem Papier gut aussehen, löst aber das Klimaproblem nicht. Klimawirkung ist nur inklusive End-of-Life korrekt darstellbar.“
Klimaschutz im Bau darf kein Kampf um Materialien mit unfairen Regeln sein
Damit Umwelteffekte besser verglichen werden können, fordert der Stahlbauverband einen einheitlichen Wert für das gesamte Treibhauspotenzial (GWP) im Energieausweis – statt vieler einzelner Werte. Besonders fossile Emissionen müssen dabei sichtbar bleiben. „Eine lebenszyklusweite Ausweisung von GWP-fossil, GWP-biogen und GWP-LULUC schafft Klarheit für Planer, Bauträger und öffentliche Auftraggeber und verhindert Fehlinterpretationen. Klimaschutz im Bauwesen darf kein Materialwettbewerb mit verzerrten Regeln sein. Entscheidend ist die beste Lösung für das jeweilige Projekt – auf Basis fairer und transparenter Kriterien“, sagt Peter Bauer. Er ist Mitglied des Präsidialrats der Ziviltechnikerkammer, Professor für Tragwerksplanung und Ingenieurholzbau an der TU Wien sowie Vorstandsmitglied des Österreichischen Stahlbauverbands.
Wichtig ist außerdem, dass die echte Lebensdauer von Bauteilen und Tragwerken mit berücksichtigt wird. EU-Vorgaben wie die EPBD (Energieeinsparverordnung) und die Bauprodukteverordnung betonen ausdrücklich, wie wichtig Dauerhaftigkeit ist. Wenn ein Tragwerk zuverlässig 100 Jahre hält, muss das auch in der Bilanz auftauchen. Langlebigkeit ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und hilft, Bauen bezahlbar zu halten.
Die OIB-Richtlinie 7 soll ab 2026 ausgearbeitet und öffentlich diskutiert werden. 2027 ist die endgültige Beschlussfassung geplant, und ab 2028 bis 2030 soll die Umsetzung schrittweise verpflichtend werden.
Rückfragen
Österreichischer Stahlbauverband
Dipl. Ing. Georg Matzner
Telefon: + 43 (0)1 503 94 74
E-Mail: georg.matzner@stahlbauverband.at
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