Gletscherbericht des Alpenvereins zeigt dramatischen Rückgang

94 von 96 beobachteten Gletschern ziehen sich zurück. Das zeigt der neue Bericht des Gletschermessdienstes vom Österreichischen Alpenverein und ist sehr besorgniserregend. Besonders stark schrumpfen der Alpeiner Ferner in Tirol und das Stubacher-Sonnblick-Kees in Salzburg – sie verlieren jeweils mehr als 100 Meter Länge. Auch die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs, schrumpft weiter sichtbar und zeigt die Folgen des Klimawandels. Dieser Rückgang der Gletscher sollte viele Menschen und die Politik zum Nachdenken und Handeln bewegen, mahnt der Alpenverein.

Im Durchschnitt minus 20,3 Meter

Der neue Bericht bestätigt einen langjährigen Trend: Die österreichischen Gletscher werden immer kleiner. Im Gletscherjahr 2024/25 wurden 79 Gletscher gemessen und diese schrumpften im Mittel um 20,3 Meter. Insgesamt wurden 96 Gletscher untersucht – 94 davon sind kleiner geworden, nur 2 blieben fast gleich groß. Obwohl der Rückgang 2024/25 etwas geringer als in den Vorjahren ausfiel, gehört er immer noch zu den höchsten in den letzten 135 Jahren Messungen.

Zu warm und zu trocken

Der Grund dafür ist das schlechte Wetter für Gletscher: Ein Winter mit wenig Schnee und warme Temperaturen, dazu ein Juni, der fast 5 °C wärmer war als sonst üblich. Die Temperaturen in den Bergen lagen etwa 2 °C über dem langjährigen Durchschnitt, dazu gab es 24,5 % weniger Niederschlag als sonst. Diese Kombination belastet die Gletscher sehr stark. „Viele Gletscher verlieren nicht nur an Länge, sondern treten zunehmend in eine Phase des strukturellen Zerfalls ein. Freigeschmolzene Felsstufen, abreißende Eisbereiche und in sich zusammenstürzende Gletscherzungen prägen immer mehr das Erscheinungsbild“, erklärt Andreas Kellerer-Pirklbauer von der Universität Graz.

Gerhard Lieb ergänzt: „Dass der mittlere Rückzug heuer etwas unter den Rekordwerten der Vorjahre liegt, darf nicht missverstanden werden. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Serie extrem gletscherungünstiger Jahre setzt sich fort, und viele Gletscher verlieren inzwischen so viel Substanz, dass sie auf Wetterphasen mit kurzfristiger Abkühlung, wie es etwa im Juli 2025 der Fall war, kaum noch reagieren.“

Alpeiner Ferner verliert 114,3 Meter – Pasterze bald zweigeteilt

Die größten Verluste gibt es am Alpeiner Ferner (Stubaier Alpen, Tirol) mit einem Rückgang von 114,3 Metern, am Stubacher-Sonnblick-Kees (Granatspitzgruppe, Salzburg) mit 103,9 Metern und am Krimmler Kees (Venedigergruppe, Salzburg) mit 90,3 Metern. Die Pasterze am Großglockner verlor 54 Meter an Länge. Damit steht sie in ganz Österreich auf Platz 8, ist aber in Kärnten eine der am stärksten schrumpfenden Gletscher. Die Verbindung namens „Hufeisenbruch“ zwischen der Gletscherzunge und dem höhergelegenen Riffelwinkel ist zwar noch da, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gletscherzunge bald abreißt. Dann wäre die Pasterze zweigeteilt und der große untere Teil würde als sogenannter Toteiskörper langsam verschwinden.

Drastische Veränderungen durch den Klimawandel

Im Alpenraum zeigt sich der Klimawandel besonders stark. Die steigenden Temperaturen führen zu mehr Extremwetter und Naturgefahren. Auch der Wasserhaushalt verändert sich, was die Infrastruktur in den Bergen zunehmend bedroht. Besonders sichtbar ist der Wandel durch das Abschmelzen der Gletscher, das das Landschaftsbild stark verändert.

„Die Gletscher schmelzen – und mit jedem neuen Bericht wächst die Dringlichkeit. Der Klimawandel ist in den Alpen längst Realität, und wir erleben seine Folgen nicht irgendwann, sondern jetzt“, sagt Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins. „Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern.

Slupetzky betont, dass Resignation keine Lösung ist. Viele Menschen müssten sich durch diese Veränderungen wachrütteln lassen, um ihr Verhalten zu überdenken und die Politik zum Handeln zu zwingen. Es braucht eine wirksame Klimapolitik, die gleichzeitig die Natur schützt.

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Rückfragen

Österreichischer Alpenverein | Presse
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