„Die instabile Weltlage führt dazu, dass in Österreich die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft steigt, während das Vertrauen in die Vereinigten Staaten einbricht und sich heute kaum mehr von jenem unterscheidet, das Russland entgegengebracht wird“, sagt Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), zu den aktuellen Ergebnissen der neuesten ÖGfE-Umfrage. „Eine rasche Erweiterung der EU stößt aber nach wie vor auf Skepsis und auch was die weitere Unterstützung der Ukraine betrifft, gehen die Meinungen auseinander.“
Die Umfrage zeigt, dass 64 Prozent der Menschen in Österreich möchten, dass ihr Land Teil der Europäischen Union bleibt. Das ist der höchste Wert seit Ende 2024. Gleichzeitig sind 28 Prozent für einen Austritt aus der EU, und 8 Prozent sind unentschlossen oder haben keine Meinung. Im Durchschnitt der letzten 75 Umfragen seit 1995 haben immer etwa 70 Prozent die EU-Mitgliedschaft unterstützt, während etwa 22 Prozent für einen Austritt waren. Diese Zahlen zeigen, dass das Vertrauen in die EU generell stark ist, auch wenn es Schwankungen gibt.
Grafiken zur Umfrage herunterladen
„Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten gewinnt die Mitgliedschaft in der Union an Wert und bietet Stabilität in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Gleichzeitig spiegelt das Ergebnis die Polarisierung der Gesellschaft wieder,“ erklärt Paul Schmidt. „Die aktuelle Stimmungslage ist jedenfalls ein Auftrag, die Diskussion über den Sinn und Mehrwert der europäischen Integration intensiver zu führen, aber auch an die EU und ihre Mitgliedsländer, die anstehenden Herausforderungen konsequent gemeinsam anzugehen.“
Das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Vereinigten Staaten als Partner ist stark gefallen. Nur 16 Prozent sehen die USA als vertrauenswürdig an, während 69 Prozent das Gegenteil meinen. Im Vergleich zum Jahr 2023, wo 47 Prozent der Befragten noch kritisch gegenüber den USA waren, hat sich die Haltung deutlich verschlechtert. Der Rest der Befragten wollte keine Angabe machen oder wusste keine Antwort.
China wird von 20 Prozent als vertrauenswürdiger Partner angesehen, 59 Prozent sind skeptisch, und 21 Prozent wissen nicht, wie sie dazu stehen. Das Vertrauen in China ist in den letzten drei Jahren leicht gestiegen, während das Misstrauen gesunken ist.
Russland vertrauen nur 14 Prozent der Befragten, was 6 Prozentpunkte mehr sind als im Vorjahr. 73 Prozent vertrauen Russland nicht, und 13 Prozent haben keine Meinung dazu.
Interessant ist, dass jene, die für einen Austritt Österreichs aus der EU sind, Russland, die USA und China als vertrauenswürdigere Partner ansehen als die Anhänger der EU-Mitgliedschaft.
„Das heimische Vertrauen in die Vereinigten Staaten ist in den vergangenen drei Jahren dramatisch erodiert. Dass die USA nunmehr im Vertrauensranking praktisch gleichauf mit Russland rangieren und hinter der zweiten Supermacht, der Volksrepublik China, zu liegen kommen, macht deutlich, welch tiefgreifende Folgen die Politik der aktuellen US-Administration mit sich bringt“, so Schmidt. „Die Europäische Union ist daher umso mehr gefordert, klarzustellen, wofür sie steht, ihr globales Standing zu festigen und ihre Partnerschaften zu diversifizieren.“
Bei der Frage nach der EU-Erweiterung sind 58 Prozent gegen die Aufnahme neuer Länder in den nächsten fünf Jahren, 27 Prozent sind dafür und 15 Prozent haben keine Meinung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Ablehnung etwas gesunken, die Zustimmung aber gestiegen.
„Beifall für rasche Erweiterungsschritte der Europäischen Union gibt es in Österreich weiterhin keinen“, meint Schmidt. „Obwohl die Zustimmung etwas steigt, sind die Skeptiker nach wie vor die Mehrheit. Es fehlt an Dynamik beim Erweiterungsprozess und in der öffentlichen Diskussion. Besonders der Nutzen einer EU-Mitgliedschaft für unsere Nachbarn am Westbalkan ist vielen nicht klar. Ein schneller Beitritt oder ein fixes Datum ohne Erfüllung aller Kriterien würde aktuell kaum Unterstützung finden.“
Beim Thema Unterstützung der Ukraine durch die EU sind die Meinungen in Österreich geteilt: 43 Prozent finden die Hilfe wichtig (22 Prozent sehr wichtig, 21 Prozent eher wichtig), 45 Prozent sehen das anders (18 Prozent eher nicht wichtig, 27 Prozent gar nicht wichtig), und 12 Prozent machen keine Angabe. Seit 2023 ist der Anteil der Menschen, die die Unterstützung ablehnen, um 9 Prozentpunkte gestiegen.
„Nach vier Jahren des russischen Kriegs gegen die Ukraine sind die Österreicher:innen geteilter Meinung, ob die Europäische Union die Ukraine weiter in ihrem Kampf unterstützen soll. Eine starke innenpolitische Opposition, die aktuelle Wirtschaftslage sowie fehlende Perspektiven und Initiativen für ein rasches Kriegsende sind Gründe dafür, dass die Hilfe für Kyjiw hinterfragt wird. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass ein Stopp der Ukraine-Unterstützung dauerhaften Frieden bringen oder Russland dazu bewegen würde, seine Machtansprüche und Einflussnahme in Europa zurückzunehmen“, schließt Paul Schmidt.
Hintergrund:
Die aktuelle Umfrage wurde von market zwischen 2. und 5. März 2026 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Es wurden österreichweit 1000 Personen im Alter von 16 bis 80 Jahren online befragt. Die Teilnehmer repräsentieren die österreichische Bevölkerung nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Die maximale statistische Schwankungsbreite liegt bei +/- 3,16 Prozent. Unterschiede bei der Prozentsumme ergeben sich durch Rundungen. Fehlende Werte gehören zur Kategorie „weiß nicht / keine Angabe“.
Rückfragen
Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
Mag. Paul Schmidt
Telefon: (+43-1) 533 49 99
E-Mail: paul.schmidt@oegfe.at
Website: https://www.oegfe.at
KI-BEARBEITETER OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. Originaltext www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Österreichische Gesellschaft für Europapolitik