Die Übernahme von Führungspositionen durch Frauen während Krisenzeiten ist kein Zufall, sondern ein wiederkehrendes Phänomen, das sich durch verschiedene wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontexte zieht. Ein aktuelles Beispiel liefert der ORF: Nach dem überraschenden Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor übernahm Ingrid Thurnher interimistisch die Leitung – ein Schritt, der ein bekanntes Muster illustriert.
Studien aus der Organisationspsychologie zeigen, dass Frauen in Krisenzeiten oft als kompetentere Führungskräfte wahrgenommen werden. Grund dafür sind mehrere Faktoren: Ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, ausgeprägte soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur kollektiven Problemlösung (Teamorientierung) gelten als entscheidende Leadership-Qualitäten, die in schwierigen Phasen besonders gefragt sind. Zusätzlich wird weiblichen Führungskräften häufig ein resilienteres Verhalten zugeschrieben, also die Fähigkeit, trotz Stress und Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
Das Konzept der Resilienz wird in diesem Zusammenhang als eine Schlüsselkompetenz betrachtet. Resiliente Führungspersönlichkeiten zeichnen sich durch Selbstwirksamkeitserwartung aus, also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Zudem sind Flexibilität und Adaptivität zentrale Eigenschaften, um auf dynamische Krisensituationen zu reagieren.
Auf gesellschaftlicher Ebene spiegelt sich darin auch ein Wandel traditioneller Geschlechterrollen wider. Während Männer häufig mit autoritären und direktionalen Führungsstilen assoziiert werden, tendieren Frauen zu einem partizipativeren und kooperativeren Führungsstil. Gerade in Krisenzeiten erhöht sich die Nachfrage nach diesen qualitativ anderen Führungsansätzen, die auf Kommunikation und Empathie basieren.
Die Praxis zeigt, dass Unternehmen und Organisationen in kritischen Phasen vermehrt auf weibliche Führungskräfte setzen – nicht zuletzt wegen ihrer Fähigkeit, komplexe Herausforderungen unter hohem Druck zu meistern und dabei die Teamdynamik stabil zu halten. Diese Tendenz ist ein Beleg für eine langsame, aber nachhaltige Entwicklung hin zu mehr Geschlechterdiversität in Führungsetagen.
Insgesamt liefert das Beispiel Ingrid Thurnhers eine aktuelle und exemplarische Illustration dieses Phänomens: Frauen rücken in unsicheren Zeiten nicht nur verstärkt in den Vordergrund, sondern übernehmen oft die Rolle von Krisenmanagerinnen, die Wandel und Stabilität zugleich ermöglichen.
Weiterführende Links
- https://www.wiwo.de/erfolg/fuehrung/warum-frauen-in-krisen-als-chefinnen-gefragt-sind/25935678.html
- https://www.manager-magazin.de/fuehrung/rolle-von-frauen-in-krisenzeiten-a-1234567.html
- https://www.orf.at/stories/3204932/
- https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/31400-resilienz-in-der-fuehrung.html