Unglaublich: So retten „Frühjahrsputz“ in den Hochquellenleitungen unsere Trinkwasserversorgung aus den Alpen!

Wien gibt jedes Jahr etwa 130 Millionen Euro für seine Wasser-Infrastruktur aus. Damit sorgt die Stadt dafür, dass alle sicher und ausreichend mit Trinkwasser versorgt werden. Außerdem wird die Wasser-Infrastruktur an den steigenden Wasserbedarf angepasst, der durch mehr Einwohner und den Klimawandel entsteht. Die wichtige Grundlage dafür ist die Strategie „Wiener Wasser 2050“. Diese Strategie beinhaltet auch die Pflege und Reparatur von alten Bauwerken, die für die Wasserversorgung wichtig sind. Zum Beispiel müssen die beiden sogenannten Hochquellenleitungen regelmäßig überprüft und gewartet werden. Sie bringen das wertvolle Wasser aus den Alpen zu den Wiener Haushalten. Zurzeit findet der „Frühjahrsputz“ an der zweiten Hochquellenleitung statt. Trotzdem ist die Wasserversorgung gesichert, weil die erste Hochquellenleitung und auch Grundwasser-Brunnen in geschützten Gebieten weiterhin Wasser liefern.

„Die Hochquellenleitungen sind die Grundsäulen der Wiener Wasserversorgung. Die Mitarbeiter*innen von Wiener Wasser tragen mit der Instandhaltung der 330 Kilometer langen Leitungen eine große Verantwortung“, erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Er fügt hinzu: „Die Hochquellenleitungen liefern unser wichtigstes Lebensmittel in bester Qualität und ersparen Wien enorme Energiekosten.“ Das Wasser aus den Bergen fließt ganz natürlich bergab nach Wien, ganz ohne viel Energie für Pumpen. Innerhalb der Stadt wird das Wasser nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße verteilt, was ebenfalls sehr energiesparend ist.

Neben der normalen Wartung bekommt die zweite Hochquellenleitung in nächster Zeit auch ein wichtiges „Upgrade“. Auf ihrem Weg nach Wien unterquert sie 19 Täler und Flüsse mit sogenannten Dükern – das sind spezielle Druckleitungen. Dort herrscht ein hoher Wasserdruck, der die Materialien stark belastet. Deshalb sieht die Trinkwasser-Strategie vor, dass in den nächsten Jahren vier besonders wichtige Düker nach und nach saniert werden.

Paul Hellmeier, der Chef von Wiener Wasser, sagt: „Die Wienerinnen und Wiener können sicher sein, dass wir alles tun, um unsere Hochquellenleitungen in einem top Zustand zu erhalten. Das ist angesichts des hohen Alters der beiden Bauwerke manchmal eine Herausforderung. Aber generell muss man – angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten – die zukunftsfähige Bauweise wertschätzen.“ Die beiden Hochquellenleitungen sind über 100 Jahre alt und gelten trotzdem als technisch sehr fortschrittlich für ihre Zeit.

Die „Abkehr“

Im Frühling und Herbst, wenn weniger Wasser verbraucht wird, finden an den beiden Hochquellenleitungen abwechselnd Wartungsarbeiten statt. Dieses Vorgehen nennt man „Abkehr“. Pro Hochquellenleitung gibt es vier „Abkehr“-Phasen im Jahr. In dieser Zeit wird das Wasser schon im Quellgebiet in die Flüsse Salza oder Schwarza geleitet, damit an den Leitungen rund um die Uhr gearbeitet werden kann. Die Arbeiten dauern bis zu fünf Tage und umfassen das Reinigen, Inspizieren und Reparieren von bestimmten Stellen im Stollen, wie zum Beispiel Arbeitsfugen.

Momentan ist das Wasser der zweiten Hochquellenleitung im Quellgebiet „abgekehrt“. In Hofstetten (Niederösterreich) haben Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Gemeinderätin Susanne Haase die Baustelle im Stollen besucht, um sich über den Fortschritt zu informieren.

Jürgen Czernohorszky erklärt: „Der Frühjahrsputz in der II. Hochquellenleitung ist nur möglich, weil sich die Wiener Wasserversorgung auf unterschiedliche Wasserressourcen stützt. Das zeigt, wie wichtig die Wiener Trinkwasser-Strategie ist, mit der die verfügbaren Wassermengen erhöht und höhere Wassermengen gespeichert werden sollen.“ Ein Beispiel dafür ist der neue große Trinkwasserbehälter in Neusiedl am Steinfeld (NÖ). Er wird der größte der Welt sein und rund eine Milliarde Liter Wasser speichern können.

Die Wartungsarbeiten sind sehr aufwändig. Weil immer nur eine der beiden Hochquellenleitungen für wenige Tage abgeschaltet werden darf, müssen alle Arbeiten sehr genau geplant und vorbereitet werden. Die Ankunft des Wassers in jedem Abschnitt der 180 Kilometer langen Leitung wird bis auf die Minute genau berechnet, damit die Arbeiten ohne Verzögerungen fertig sind.

Vor jeder „Abkehr“ werden alle 29 Wasserbehälter in Wien komplett gefüllt, damit genug Wasserreserven vorhanden sind. Außerdem kann während der „Abkehr“ zusätzlich Grundwasser ins Wiener Leitungsnetz eingespeist werden. Dafür stehen 30 Brunnen bereit, die aus großen Grundwasservorkommen sauberes Trinkwasser liefern. Sobald die Wartung vorbei ist, wird wieder das frische Wasser aus den Hochquellenleitungen in ganz Wien verteilt.

Fotos zu diesem Text werden bald hier verfügbar sein: https://presse.wien.gv.at/bilder.

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