Beim Bauen wird Vorfertigung immer wichtiger – sowohl für die Wirtschaft als auch für die Umwelt. Gleichzeitig fängt guter Bodenschutz mit einer kompakten Stadtplanung an. Diese zwei wichtigen Punkte wurden heute von Experten der VÖPE – Vereinigung Österreichischer Projektentwickler – bei einer Pressekonferenz im APA-Pressezentrum in Wien erklärt.
Projektentwickler arbeiten zusammen an Lösungen: basierend auf Fakten und mit Blick auf die Zukunft.
„Wir Projektentwickler gestalten die Strukturen unserer Lebensräume maßgeblich mit. Mit jeder Quartiersentwicklung, jedem Wohn- oder Gewerbeprojekt werden langfristige Weichen für räumliche, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen gestellt. Es geht dabei nicht nur um Bebauungsdichte, Nutzungsmischung, Freiraumgestaltung und Erschließung. Bauweise, Energieeffizienz und Flächennutzung beeinflussen dabei ganz maßgeblich unseren ökologischen Fußabdruck“, so VÖPE-Präsident Andreas Köttl.
Die VÖPE arbeitet in fünf spezialisierten Ausschüssen, in denen Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen. Diese Teams suchen auf Basis von Fakten nach Lösungen für wichtige Themen. Die Ergebnisse geben sie nicht nur an ihre Mitgliedsunternehmen weiter, sondern auch an die Politik. So hat sich die VÖPE zum Beispiel viele Jahre für die Vereinfachung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Verfahren) eingesetzt, die die Regierung jetzt angekündigt hat.
Die VÖPE baut auf das Wissen ihrer Mitgliedsunternehmen.
Die fünf VÖPE-Ausschüsse beschäftigen sich regelmäßig mit wichtigen Themen aus den Bereichen Bauen, Strategie, Nachhaltigkeit, Recht und Finanzierung sowie Wohnen. Heute stellten Roman Fritz-Salamon, Direktor für Integrativen Hochbau bei STRABAG AG, und Sabine Müller, Vorständin der Wien 3420 Development AG und VÖPE-Vorständin, ihre Arbeit und Maßnahmen aus den Ausschüssen vor.
Vorfertigung wird wirtschaftlich und ökologisch immer wichtiger.
Die Bauwirtschaft verändert sich stark. Wegen Fachkräftemangel und immer neuen Anforderungen müssen Digitalisierung und Automatisierung stärker genutzt werden. Zudem sind kürzere Bauzeiten wichtig, und Umweltschutz muss immer mitgedacht werden.
Wichtige Themen dabei sind:
- Serielles und modulares Bauen und Sanieren – also standardisierte Bauweisen, die schnell und effizient umgesetzt werden können
- Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Projektentwicklung zur besseren Planung und Steuerung
- Wertschätzung bestehender Gebäude und bessere Nutzung von BIM (Building Information Modeling) für eine durchgängige Planung und Ausführung
Roman Fritz-Salamon: „Eine gute Möglichkeit, um diesen Themen zu begegnen, ist der Trend zur Vorfertigung. Dabei erfolgt die Verlagerung der Wertschöpfung von der Baustelle in Industrieproduktionen. Es werden fertige Bauteile schnell mit minimalen Emissionen auf dem Baufeld zusammengebaut. Wichtig dabei ist, dass weiterhin eine flexible Architektur möglich bleibt. Das heißt, wir reden nicht von einer Serienfertigung. Dieses System der Vorfertigung sollte in die gesamte Wertschöpfungskette eingebunden werden, so dass Standards geschaffen werden und der Bauprozess entsprechend angepasst werden kann. All das würde zu schnellerer Realisierung, besseren Arbeitsumgebungen und der Steigerung von Leistungsfähigkeit und Effizienz führen.“
VÖPE sorgt für eine sachliche Diskussion zum Thema Bodenversiegelung.
Sabine Müller und ihr Team arbeiten gerade an der Entwicklung der Seestadt Aspern, dem größten Stadtentwicklungsgebiet Europas. Im VÖPE-Ausschuss Nachhaltigkeit bemühen sie sich darum, das Thema Bodenversiegelung klar und verständlich zu diskutieren. Denn oft gibt es Missverständnisse über Begriffe wie „Bodenversiegelung“, „Flächenverbrauch“ oder „Bebauungspotenzial“ – und das führt zu Verwirrung in der öffentlichen Debatte, bei politischen Entscheidungen und auch in der Branche.
Dabei wurden folgende wichtige Punkte identifiziert:
- Qualität und Menge der genutzten Flächen müssen gemeinsam betrachtet werden. Nicht jede Fläche ist gleich wichtig für die Umwelt.
- Das größte Sparpotenzial liegt im Bestand. Das heißt, man sollte Baulandreserven aktivieren, Leerstände nutzen, verdichten und sanieren.
- Es werden bessere, transparente Daten gebraucht. Die Diskussion darf nicht auf falschen oder übertriebenen Zahlen beruhen, sondern nur auf sicheren Fakten.
Sabine Müller: „Die Debatte über Bodenversiegelung braucht Klarheit statt Schlagworte. Deshalb haben wir im VÖPE-Ausschuss Nachhaltigkeit ein umfassendes Glossar erarbeitet, das zentrale Begriffe präzise definiert und eine sachliche Grundlage schafft. Entscheidend ist nicht nur, wie viel gebaut wird, sondern wie und wo. Wachstum muss kompakt gebündelt werden – denn nur eine kompakte Stadt ist eine nachhaltige Stadt.“
Das Glossar enthält 99 Begriffe – von A wie Acker-Grünland bis Z wie Zwischennutzung – und soll helfen, bekannte Begriffe zu erklären und neue oder unklare Begriffe klar zu machen. Es soll allen Mitgliedern der VÖPE und allen Personen im Planungsprozess als gemeinsame Basis dienen.
Fotos vom Pressegespräch können Sie hier anschauen und herunterladen:
https://www.dropbox.com/scl/fo/b19oamdfeovyljty33ngk/ADwNIwy6XB91n62gTKi5TSQ?rlkey=bqq5390omjyrs0z0zdt4zdh8h&dl=0
Credit: ALBA Communications/Clemens Niederhammer