Die Everest-Besteigung von Reinhold Messner und Peter Habeler im Jahr 1978 ohne Flaschensauerstoff gilt als eine der spektakulärsten Leistungen im Bereich des Bergsteigens und Alpinismus. Bis dahin war das Besteigen des Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff für unvorstellbar gehalten worden, da die extrem niedrigen Sauerstoffpartialdrücke in der Troposphäre in über 8000 Metern Höhe lebensbedrohliche Hypoxie verursachen können.
Doch neben intensiver Höhenakklimatisierung und körperlichen Voraussetzungen spielt offenbar auch die Variabilität der atmosphärischen Bedingungen eine große Rolle. Lukas Furtenbach, erfahrener Bergsteiger und Expeditionsleiter, meint, Messner und Habeler hätten Glück gehabt, da die Sauerstoffkonzentration in der Luft je nach Wetter- und Luftdruckbedingungen schwankt und somit Höhen über 8000 Metern für kurze Zeit faktisch niedriger sein können.
Peter Habeler hingegen betont das intensive Training und die akribische Vorbereitung, die das Team auf diese extreme Belastung optimal eingestimmt hätten: Wir waren sehr gut vorbereitet. Wissenschaftlich betrachtet ermöglichen physiologische Anpassungen wie eine erhöhte Blutviskosität, verbesserte Sauerstoffbindung an das Hämoglobin und eine optimierte Atmungsregulation eine gewisse Leistung unter Hypoxie.
Die Messung des Sauerstoffpartialdrucks (pO2) und die Erforschung der Höhenmedizin liefern heute mehr Verständnis darüber, wie kritischer Sauerstoffmangel in der Toten Zone ab etwa 8000 Metern wirkt und warum einige Menschen besser damit umgehen können als andere. Doch die Ironie ist, dass trotz modernster Technik und Forschung manche legendäre Taten auch einen gewissen Hauch von Zufall in Bezug auf günstige Umgebungsbedingungen beinhalten.
Die erstaunliche Leistung von Messner und Habeler ohne Flaschensauerstoff legte den Grundstein für neue Maßstäbe im Extrembergsteigen, löste Debatten über Menschenlimits in der Höhe aus und veränderte die Herangehensweise an Höhenexpeditionen nachhaltig. Ob Pioniergeist allein genügte oder auch günstige atmosphärische Variationen eine Rolle spielten, bleibt ein spannendes Thema für Alpinisten und Forscher gleichermaßen.
Weiterführende Links
- https://www.reinhold-messner.de/biographie/everest-ohne-sauerstoff/
- https://www.lukasfurtenbachadventures.com/blog/die-everest-performance/
- https://www.habeler.com/ueber-peter-habeler
- https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0168390
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3181184/