Bosnischer TV-Sender BHRT kämpft ums Überleben: Nur noch Nachrichtensendungen im Programm

Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender der Bosnisch-Herzegowinischen Republik, BHRT (Bosanskohercegovačka radiotelevizija), befindet sich in einer schweren Krise. Aufgrund gravierender wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte der Sender sein reguläres Programm fast vollständig einstellen und sendet zurzeit ausschließlich Nachrichtensendungen. Diese drastische Reduzierung des Programms ist ein eindeutiges Signal für die existentielle Bedrohung, der BHRT aktuell gegenübersteht.

BHRT ist die zentrale staatliche Medienanstalt im bosnisch-herzegowinischen Rundfunksystem und hat traditionell die Aufgabe der Gesamtberichterstattung sowie der kulturellen und bildungspolitischen Information. Die Finanzierung erfolgt überwiegend über staatliche Mittel, die jedoch seit Jahren unzureichend und ineffizient fließen. Expert:innen sprechen von einem Finanzierungsdefizit, das durch steigende Betriebskosten und steigende Verschuldung bei Dienstleistern und Mitarbeitern verschärft wird.

Besonders alarmierend ist, dass BHRT erhebliche offene Forderungen gegenüber eigenen Mitarbeitern aufgebaut hat. Laut Medienberichten sind Gehaltsrückstände und unbezahlte Sozialabgaben keine Seltenheit mehr. Diese Situation gefährdet nicht nur die Existenz des Senders, sondern auch das Vertrauen und die Motivation der Belegschaft.

Die Medienlandschaft Bosnien-Herzegowinas ist aufgrund der komplexen politischen Strukturen bereits fragmentiert. Die Krise bei BHRT bedeutet einen Verlust der öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsfunktion im Rundfunk, die essenziell für unabhängige und vielfältige Berichterstattung ist. Fachleute aus den Bereichen Medienökonomie und Broadcasting warnen, dass der Verfall des staatlichen Senders den Einfluss privater Medienhäuser, die oft parteipolitisch gebunden sind, deutlich verstärken könnte.

Initiativen zur Sanierung des Senders fordern eine nachhaltige Finanzierungsstrategie, die mit einer transparenten und effizienten Verwaltung korreliert. Ein Ausweg könnte in einer Reform der öffentlich-rechtlichen Finanzierung liegen, die beispielsweise auf eine Kombination aus Lizenzgebühren und staatlichen Zuschüssen beruht. Parallel dazu sind organisatorische Veränderungen nötig, um Kosten zu senken und digitale Medienangebote zu stärken.

Die Situation von BHRT ist exemplarisch für viele öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in der Region, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Für Maturant:innen, die sich mit Medien, Politik und Wirtschaft beschäftigen, bietet die Entwicklung bei BHRT ein relevantes Fallbeispiel zur Analyse von Medienkrisen, öffentlicher Finanzierung und der Bedeutung unabhängiger Informationsquellen in demokratischen Gesellschaften.

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