Warum die Arbeit im Großraumbüro so anstrengend ist – Die Wissenschaft hinter dem Stressfaktor

Viele Beschäftigte kennen das Phänomen aus erster Hand: Das Arbeiten im Großraumbüro ist oft anstrengender als man denkt. Neben der gefühlten Reizüberflutung liegt das an den wissenschaftlich belegten Auswirkungen von Lärm und Ablenkungen auf das Gehirn.

Eine aktuelle Studie der Universität Helsinki hat herausgefunden, dass das menschliche Gehirn im Großraumbüro unter permanenten auditiven und visuellen Reizen leidet. Dabei wird das Arbeitsgedächtnis – auch als working memory bezeichnet – besonders belastet. Dieses ist für die aktive Informationsverarbeitung und -speicherung verantwortlich und essentiell, wenn es darum geht, komplexe Aufgaben zu lösen und bei der Arbeit fokussiert zu bleiben.

Der Grund: Ständiger Nebenschall und Hintergrundgespräche führen zu einer erhöhten kortikalen Erregung des Gehirns. Das bedeutet, unser Nervensystem arbeitet auf Hochtouren, um irrelevante Informationen auszufiltern. Diese neurobiologische Anstrengung verursacht Erschöpfung und reduziert die kognitive Leistung.

Zusätzlich zeigen die Erkenntnisse, dass Stresshormone wie Cortisol bei Dauerbelastung ansteigen. Dies kann langfristig die neuronale Plastizität – also die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Anforderungen anzupassen – negativ beeinflussen, was die Produktivität weiter mindert.

Interessanterweise hilft das Tragen von Kopfhörern oder die Nutzung von White-Noise-Geräten dabei, den Fokus zu verbessern, indem störende Geräusche maskiert werden. Auch flexible Arbeitsplatzkonzepte mit Rückzugsbereichen nehmen den Druck von den Mitarbeitenden.

Fazit: Großraumbüros mögen zwar Kosten sparen und die Kommunikation fördern, allerdings auf Kosten der mentalen Ressourcen. Die Bewältigung der daraus resultierenden Belastungen erfordert bewusstes Management der Arbeitsumgebung, um die Leistungsfähigkeit nicht zu gefährden.

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