Frankreich hat einen bemerkenswerten Erfolg erzielt: Innerhalb weniger Jahre wurde die Zahl der Lehrlinge massiv gesteigert – von einem vergleichsweise niedrigen Niveau auf das Dreifache. Diese Entwicklung stellt eine bedeutende Errungenschaft in der Berufsausbildung dar und bietet wertvolle Anhaltspunkte für Länder wie Österreich, die seit Jahren mit sinkenden Lehrlingszahlen und einem abnehmenden Engagement der Betriebe bei der Ausbildung zu kämpfen haben.
Traditionell beruht die duale Ausbildung auf der Kombination von betrieblicher Praxis und schulischer Theorie. Sie gilt als bewährtes Modell zur Sicherung von Fachkräften und zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit. Während Österreich seit Jahrzehnten auf diese Struktur vertraut, sind die Herausforderungen vielfältig: Weniger Lehrbetriebe, eine alternde Erwerbsbevölkerung und veränderte Berufsinteressen der Jugendlichen führen dazu, dass die Zahlen schwinden.
Frankreichs Strategie setzt an mehreren Stellschrauben zugleich an. Die Regierung baute finanzielle Anreize für Unternehmen aus, die Lehrlinge ausbilden, und erleichterte Zugangsbarrieren durch rechtliche Anpassungen. Zudem wurde die Attraktivität der Lehrberufe durch bessere Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Förderung von innovativen Berufsbildern erhöht. Besonders wichtig war die Modernisierung der Lerninhalte in der Berufsschule, um den aktuellen Anforderungen der digitalen Arbeitswelt gerecht zu werden.
Für Österreich bedeutet das: Reformbedarf besteht in der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen sowie in der Anpassung der Ausbildungsinhalte an technologische Veränderungen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung. Die Schaffung von flexibleren Lehrzeitmodellen und verbesserten Karriereperspektiven kann dazu beitragen, das Image der dualen Ausbildung aufzuwerten und mehr Jugendliche sowie Unternehmen zu motivieren, diesen Weg einzuschlagen.
Der Blick nach Frankreich zeigt, dass eine kombinierte Politik aus finanziellen Anreizen, qualitativer Ausbildung und öffentlicher Wahrnehmung notwendig ist, um die Lehrlingszahlen nachhaltig zu steigern. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen und des zunehmenden Fachkräftemangels in Österreich sollten solche Reformansätze ernsthaft diskutiert und umgesetzt werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Frankreichs Erfolg bei der Verdopplung bis Verdreifachung der Lehrlingszahlen ein Vorbild sein kann, von dem insbesondere die österreichische Bildungspolitik profitieren kann. Die duale Ausbildung bleibt ein zentraler Pfeiler der beruflichen Integration junger Menschen und ein Schlüssel zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit moderner Volkswirtschaften.
Weiterführende Links
- https://www.bmbwf.gv.at/Themen/berufliche-bildung.html
- https://www.oecd.org/education/austria-skills-outlook-2023.htm
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/ausbildung-in-frankreich-1757252
- https://www.wko.at/service/bildung-lehre/lehre-in-frankreich.html