Am 8. März findet in der Schweiz ein Referendum zur SRG statt: Aus diesem Anlass beschäftigte sich ein ORF-DialogForum mit den Fragen, welche Folgen Budget- und Personalabbau für die Medienbranche haben, ob man Medienqualität trotz geringerer Budgets steigern kann, ob Journalistinnen und Journalisten mit weniger Ressourcen tatsächlich mehr leisten können und ob man der Dominanz der „Digital Giants“ ohne zusätzliche Investitionen entgegentreten kann. Ein Zusammenschnitt ist am Montag, dem 2. März 2026, um 0.15 Uhr in ORF III sowie auf ORF ON zu sehen. Auf ORF Sound steht das „DialogForum“ zum Nachhören bereit.
Colette M. Schmidt, Journalistin beim Standard und dort auch im Betriebsrat, bestätigt, dass die Situation der Medienbranche alarmierend ist: „Durch die Sparmaßnahmen brennt tatsächlich der Hut. Journalistinnen und Journalisten arbeiten schon seit einigen Jahren unter einem unfassbaren Druck. Wir können manche Themen einfach nicht mehr covern.“ Deshalb müsse man den Öffentlich-Rechtlichen und die Qualitätsmedien erhalten, „weil sie sind einfach lebenswichtig für die Demokratie“.
Wie bedeutend die öffentlich-rechtlichen Medien sind, erklärt Manuel Puppis, Professor für Medienstrukturen und Governance von der Universität Freiburg: „Auch auf die SRG kommt ein massives Sparprogramm zu. Dabei sind öffentlich-rechtliche Medien enorm wichtig: Sie sorgen auch bei den Privatmedien für einen Qualitätsdruck nach oben. Qualitätsmedien helfen Menschen bei der Entscheidungsfindung, sie helfen uns allen, Dialoge zu führen und komplexe Sachverhalte zu verstehen. Deshalb ist es so wichtig, dass sich jede und jeder überlegt, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten kann.“
Natalia Beregoi von der Universität Moldawien, die die EBU bei Zentralprojekten zu Transformation und Reform berät, sieht die Folgen der Budgetkürzungen kritisch: „Die Kürzung des Budgets verringert nicht nur die Qualität des Produkts, sondern auch die Ambitionen der Journalisten. Es ist eine Kürzung des Budgets zur Schaffung von Werten – öffentlichem Wert. Denn wir können sagen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Teil der demokratischen Infrastruktur ist, ebenso wie Schulen und Straßen.“
Die Frage, warum gerade in der Medienbranche nicht so streng gespart werden sollte, beantwortet Michael Litschka, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in St. Pölten: „In der Bevölkerung gibt es ein Missverständnis: Viele wissen nicht, dass sich Medienqualität nicht über den Markt finanzieren kann. Je kleiner der Markt ist, desto unmöglicher wird es. Dafür bräuchten wir mehr Verständnis.“
Stephanie Schiedermair von der Universität Leipzig, die Europarecht und internationales Recht erforscht sowie unterrichtet, zeigt auf, dass zumindest auf europäischer Ebene ein Zusammenhalt besteht: „Die Europäische Union hat in den letzten Jahren einige Initiativen gestartet, etwa den European Media Freedom Act, wo man versucht, unabhängige Medien zu schützen.“
In der neuen „TEXTE“-Ausgabe „Weggekürzt? Sparen in der Medienwelt – Was auf dem Spiel steht“, die vorgestellt wird, analysieren 18 internationale Wissenschafter:innen, was der zunehmende finanzielle Druck auf öffentlich-rechtliche Medien bedeutet, wie sich einzelne Länder dagegenstemmen und welche Auswirkungen durch die Entwicklungen zu erwarten sind.
Moderiert wird das ORF-„DialogForum“ von Klaus Unterberger, ORF Public Value.
Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.
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