Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten verändert die Rahmenbedingungen im globalen Handel erneut. Ein erheblicher Teil der bestehenden US-Zölle wurde für unzulässig erklärt – betroffen sind Abgaben, die rund 60 % der bisherigen Einnahmen ausmachten. Gleichzeitig bleibt das Zollregime grundsätzlich bestehen.
Für international tätige Unternehmen entsteht damit eine widersprüchliche Situation: punktuelle Entlastungen treffen auf weiterhin hohe regulatorische Unberechenbarkeit und erschwerte Investitions- sowie Absatzplanung. Das zeigt eine aktuelle Analyse der ACREDIA Group in Kooperation mit Allianz Trade.
Zeitfenster für ausgewählte Exportnationen
Kurzfristig verbessern sich die Wettbewerbsbedingungen im US-Markt für mehrere Länder deutlich. Brasilien, Bangladesch, Indien, China, Pakistan, die Schweiz, Südafrika, Vietnam und Indonesien könnten vorübergehend von einer spürbaren Reduktion der durchschnittlichen Zollbelastung profitieren. Grundlage ist die Anwendung von „Section 122“ des US-Handelsgesetzes von 1974, die temporäre Zölle von bis zu 15 % für 150 Tage ermöglicht.
Dieses befristete Zeitfenster dürfte zu einer Vorverlagerung von Lieferungen führen, bevor weitere handelspolitische Anpassungen beschlossen werden. Gleichzeitig drohen anderen Staaten – etwa Mexiko, Saudi-Arabien oder Ecuador – potenziell höhere Belastungen. Auch für Taiwan, Norwegen, Südkorea sowie die Europäische Union sind ohne branchenspezifische Ausnahmen zusätzliche Abgaben nicht auszuschließen.
Europa unter Druck – USA bleiben im Lager-Modus
Für europäische Unternehmen kommt die aktuelle Entwicklung zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Erwartung stabilerer Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel erfüllt sich vorerst nicht. Stattdessen verstärkt die Dynamik der US-Handelspolitik den strategischen Anpassungsdruck auf exportorientierte Betriebe.
„Die wechselhafte US-Handelspolitik erschwert strategische Entscheidungen erheblich. Ohne gezielte sektorale Ausnahmen drohen europäischen Branchen Wettbewerbsnachteile. Planungssicherheit bleibt damit ein rares Gut“, erklärt Gudrun Meierschitz, Vorstand der ACREDIA Group.
Besonders betroffen sind österreichische Industrieunternehmen – etwa aus Maschinenbau, Metallverarbeitung, Automotive-Zulieferung oder Chemie –, die ihre Export- und Produktionsstrategien laufend evaluieren müssen. Gleichzeitig bleibt auch in den Vereinigten Staaten das wirtschaftliche Umfeld angespannt. Die Unsicherheit über mögliche weitere Zollanpassungen dürfte erneut zu vorgezogenen Importen und erhöhten Lagerbeständen führen. Bereits im vergangenen Jahr reagierten Hersteller von Fahrzeugen und Haushaltsgeräten ebenso wie Handel und Chemiebranche mit strategischer Bevorratung, um Preissteigerungen abzufedern. Zusätzliche Zollkosten wurden bislang nur teilweise an Konsumenten weitergegeben, wodurch stärkere Preiseffekte zeitlich verzögert auftreten könnten.
Durch die gerichtliche Entscheidung sank der effektive US-Zollsatz zunächst auf rund fünf Prozent, während bestehende Maßnahmen – etwa nach Section 301 (für Industriemaschinen, elektrische Geräte usw.) und Section 232 (für Stahl und Aluminium) – weiterhin Bestand haben. Parallel führte die US-Regierung einen allgemeinen Mindestzoll von zehn Prozent ein. Geht man von den gleichen branchenspezifischen Ausnahmen wie bisher aus, dürfte der durchschnittliche Zollsatz bei rund 8 % liegen – zumindest für die kommenden 150 Tage.
Relevanz für Österreich und Südosteuropa
Mittelfristig deutet vieles darauf hin, dass sich das durchschnittliche US-Zollniveau wieder bei rund zehn Prozent einpendeln könnte – abhängig von branchenspezifischen Ausnahmen und weiteren politischen Entscheidungen. Trotz der gerichtlichen Korrektur bleibt das Umfeld somit von struktureller Volatilität geprägt.
Für Unternehmen in Österreich sowie in Slowenien, Kroatien und weiteren südosteuropäischen Märkten, in denen die ACREDIA Group tätig ist, rücken daher finanzielle Stabilität, professionelle Forderungsabsicherung und eine strategische Überprüfung internationaler Lieferketten noch stärker in den Vordergrund. Eine robuste Liquiditätsplanung und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden zu zentralen Wettbewerbsfaktoren.
„Gerade in einem Umfeld, in dem handelspolitische Entscheidungen kurzfristig revidiert oder neugestaltet werden, steigt die Bedeutung eines professionellen Risiko-Monitorings erheblich. Unternehmen sollten ihre internationalen Engagements strukturell überprüfen und finanzielle Risiken frühzeitig absichern. Wer heute proaktiv handelt, verschafft sich morgen einen klaren Wettbewerbsvorteil“, so Gudrun Meierschitz abschließend.
Mehr zu den Auswirkungen des US-Zollurteils erfahren Sie hier
Über die ACREDIA Group
Die ACREDIA Group ist internationaler Kreditversicherer mit Sitz in Wien und Teil des globalen Netzwerks von Allianz Trade, dem Weltmarktführer in der Kreditversicherung. Als führender Kreditversicherer in Österreich schützt ACREDIA Unternehmen im In- und Ausland zuverlässig vor Zahlungsausfällen und unterstützt sie im professionellen Liquiditäts- und Risikomanagement.
Mit einem abgesicherten Forderungsvolumen von mehr als 35,7 Milliarden Euro und einem Umsatz von 88,3 Millionen Euro im Jahr 2024 steht ACREDIA für Stabilität, internationale Vernetzung und fundierte Risikokompetenz.
Neben Österreich ist ACREDIA in Slowenien, Kroatien sowie weiteren Märkten Südosteuropas tätig und begleitet Unternehmen regional wie international bei der sicheren Entwicklung ihrer Geschäfte.
Anteilseigner der ACREDIA Group sind die Oesterreichische Kontrollbank AG und Allianz Trade.
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