Mehr Qualität in der 24-Stunden-Betreuung: ÖQZ-24 erweitert unabhängiges Präsidium

Die Qualität in der 24-Stunden-Betreuung soll rasch auf eine verbindliche Grundlage gestellt werden: Das ÖQZ-24, das Österreichische Qualitätszertifikat für Personenbetreuung, hat sein unabhängiges Präsidium konstituiert und mit Vertreter:innen des Seniorenrats, des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands sowie Wissenschaft und Praxis prominent besetzt. Die Expert:innen betonen die Bedeutung der 24-Stunden-Betreuung als unverzichtbare Stütze für Betreuung und Pflege zu Hause – und fordern klare, einheitliche Standards für Vermittlungsagenturen sowie leistbare Rahmenbedingungen für Betroffene und ihre Angehörigen.

Mit Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbunds, und Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbands Österreich, verstärken die zwei Präsidentinnen des Österreichischen Seniorenrats das Präsidium des ÖQZ-24. Ihre Mitwirkung hebt die Bedeutung der 24-Stunden-Betreuung als zentrale Säule der Versorgung hervor – neben stationären und ambulanten Angeboten – und verleiht dem Thema Qualitätssicherung zusätzliches politisches Gewicht.

Die beiden Präsidentinnen erklären: „Das ÖQZ-24 ist aktuell das einzige Regelwerk, welches Vermittlungsagenturen in punkto Qualitätssicherung in die Pflicht nimmt. Ziel soll es sein, die ÖQZ-24 Richtlinien generell für alle Vermittlungsagenturen verpflichtend zu machen. Die ÖQZ-24 Zertifizierungsstelle hat sich, seit ihrer Einführung im Jahr 2019 überdies als bewährtes Überprüfungsorgan erwiesen.“

Johannes Wallner, Vorsitzender der ÖQZ-24-Zertifizierungsstelle, sagt: „Wir begrüßen die Diskussion über eine abgesicherte Qualität und die Sicherstellung der Finanzierung in der Personenbetreuung, wie sie nunmehr von Frau Bundesministerin Schumann auf die Tagesordnung der Pflegeentwicklungskommission gesetzt wurde. Die Einhaltung höherer Qualitätsstandards bringt jedoch auch höhere Kosten für Klient:innen in der 24-Stunden-Betreuung mit sich, die durch entsprechende Förderungen abgefedert werden müssen. Betreuungsbedürftige in der 24-Stunden-Betreuung tragen ohnehin schon den Großteil der Kosten selbst und stoßen damit an ihre finanziellen Grenzen – zusätzliche Kosten sind schlicht nicht mehr leistbar.“

Yvonne Heuber, Bundesgeschäftsführerin des Vereins vidahelp, der österreichweit pflegende Angehörige berät und ihre Anliegen vertritt: „Aus der täglichen Beratung wissen wir, wie überfordert viele Familien bei der Organisation der 24-Stunden-Betreuung sind. Darum braucht es transparente Qualitätskriterien und verbindliche Mindeststandards für Vermittlungsagenturen – damit seriöse Angebote gut erkennbar sind.“

Ein wesentlicher Vorteil einer ÖQZ-24-zertifizierten Agentur für die betreuten Personen, deren Angehörige sowie für die Personenbetreuer:innen liegt in der Einbindung der diplomierten Fachpflege, betont Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands ÖGKV: „Nur so kann gewährleistet werden, dass auch pflegerische Tätigkeiten fachgerecht übertragen und durchgeführt werden können. Damit unterstützt das ÖQZ-24 auch die rechtskonforme Umsetzung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes.“

„Damit ist auch gewährleistet, dass die Betreuer:innen bei oft schwierigen Betreuungs- und Pflegeaufgaben die nötige fachliche Anleitung und Unterstützung bekommen“, ergänzt Bibiana Kudziova, die als gewählte Vertreterin der Wirtschaftskammer die rund 10.000 in Wien gemeldeten Betreuer:innen vertritt. Sie verfügt über fast 20 Jahre Erfahrung aus eigener Tätigkeit als Betreuerin.

Von wissenschaftlicher Seite wird das Präsidium durch Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland und Prof. (FH) Markus Golla, BScN, MScN begleitet. Ihnen liegt vor allem eine regelmäßige Evaluierung der Richtlinien und des Zertifizierungsverfahrens am Herzen. Als Repräsentant der Vermittlungsagenturen seitens der Wirtschaftskammer Wien, Fachgruppe Personenberatung und -betreuung, fungiert Gerhard Lischka; Karin Steinberger vertritt die ÖQZ-24-Zertifizierer:innen.

Über das ÖQZ-24:

Das Österreichische Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen in der 24-Stunden-Betreuung wurde 2018 vom damaligen „Verein zur Förderung der Qualität in der Betreuung älterer Menschen“ im Auftrag des Sozialministeriums entwickelt. 2019 fand die erste Zertifikatsverleihung durch die damalige Frau Bundesministerin Dr. Brigitte Zarfl statt. Dem Verein gehörten neben Branchenvertretern aus der stationären Altenpflege vor allem Landesregierungen und das Sozialministerium an. Nach dem Übergang des Nationalen Qualitätszertifikats für Alten- und Pflegeheime in Österreich (NQZ) an die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat sich der Verein aufgelöst und das Zertifizierungsverfahren sowie die Marke ÖQZ an den gemeinnützigen Verein ÖQZ-24 – Österreichische Qualitätszertifizierung für Personenbetreuung übertragen. Gründer und Vorsitzender beider Vereine war Johannes Wallner.

Aktuell werden rund 30.0000 betreuungs- und pflegebedürftige Personen zuhause von Personenbetreuer:innen versorgt. Rund 21.000 von ihnen beziehen auch eine Förderung des Sozialministeriums. Die Anspruchsberechtigung liegt seit 2008 unverändert bei einem monatlichen Einkommen von maximal Ꞓ 2.500.- Das erklärt auch die stark gesunkene Zahl der Anspruchsberechtigten. Rund 7.000 Personen werden von ÖQZ zertifizierten Vermittlungsagenturen umfassend begleitet, sei es durch transparente Verträge und definierte Erreichbarkeiten oder Ersatzstellungen bei Ausfall der Betreuungskraft bis zur verpflichtenden Einbindung der Fachpflege. Mittlerweile wurden 50 Vermittlungsagenturen zertifiziert. Sie umfassen damit mehr als ein Drittel aller geförderten Betreuungsverhältnisse von Personen, die über eine Agentur ihre Betreuungskraft vermittelt bekommen.

Zur Struktur des Vereins:

Über die korrekte Abwicklung des Zertifizierungsverfahrens sowie Behandlung strittiger Beschwerden wacht das unabhängige Präsidium, der den Vorstand auch beratend unterstützt. Die strategische Entwicklung verantwortet der Vorstand, der sich aus privaten und gemeinnützigen Agenturen zusammensetzt, unter dem Vorsitz eines neutralen Qualitätsexperten. Der operative Zertifizierungsbetrieb wird von eigens eingesetzten Koordinator:innen aus den Reihen der Zertifizierer:innen umgesetzt.

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