Die ORF-„kulturMATINEE“ widmet sich – erstmals unter neuem Titel – am Sonntag, dem 22. Februar 2026, um 9.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON zwei herausragenden österreichischen Künstlern, die die Musikwelt des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt haben: Zunächst erinnert das Filmporträt „Nikolaus Harnoncourt – Die Musik meines Lebens“ an den Dirigenten und Pionier der Wiederentdeckung der historischen Aufführungspraxis anlässlich dessen zehnten Todestags am 5. März. Danach würdigt die Doku „Friedrich Cerha – So möchte ich auch fliegen können“ (9.50 Uhr) den 2023 verstorbenen Komponisten und Dirigenten, dessen Geburtstag sich am 17. Februar zum 100. Mal jährte. Auf die Sendung „Embrace Culture – Das ORF Musikjahr 2025“ (10.35 Uhr) – eine zu einem kunstvoll montierten Trailer verdichtete Leistungsschau der ORF-TV-Kultur mit den Höhepunkten des vielfältigen heimischen Kulturgeschehens im Vorjahr – folgt „Die Kulturwoche“ (10.45 Uhr) mit aktuellen Berichten und Tipps. Den ORF-Kulturvormittag präsentiert Teresa Vogl.
„Nikolaus Harnoncourt – Die Musik meines Lebens“ (9.05 Uhr)
Für die Dokumentation von Günter Schilhan hat Nikolaus Harnoncourt 2014 – zwei Jahre vor seinem Tod im März 2016 – eine Werkauswahl der für ihn bedeutendsten Musik seines Lebens zusammengestellt. Von der Kindheit bis zur Gegenwart reicht diese musikalische Biografie, die anhand von vorher nie gezeigten Fotos und Personalien aus dem Familienarchiv, Konzertausschnitten, Probenarbeiten und persönlichen Kommentaren des Ausnahmekünstlers einen Bogen über sein Leben und gleichzeitig über die von ihm mehr als 60 Jahre mitgeprägte Musikgeschichte spannt.
Seine frühen Kindheitserinnerungen führten den späteren Weltstar zu den Melodien George Gershwins, die sein Vater für die Familie am Klavier im Grazer Palais Meran intonierte. Eine Radioübertragung von Beethovens 7. Symphonie gab 1947 den entscheidenden Impuls für seinen Berufswunsch: Er wollte Cellist in einem Orchester werden. Seine Karriere als Orchestermusiker beendete Harnoncourt allerdings abrupt nach einer Aufführung von Mozarts g-Moll Symphonie, die seiner Meinung nach völlig falsch interpretiert worden war. In den folgenden Jahrzehnten schuf er, zuerst noch als Cellist, dann als Dirigent, mit der Gründung des Concentus Musicus seinen eigenen musikalischen Kosmos. Hier folgte Nikolaus Harnoncourt nur den „Leitgestirnen der Musikgeschichte“ und erarbeitete aus den Partituren von Monteverdi, Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert bis Smetana, Dvořák oder auch Gershwin seine eigene, revolutionäre Klangvorstellung, mit der er sich zu Beginn nicht nur Freunde machte.
„Friedrich Cerha – So möchte ich auch fliegen können“ (9.50 Uhr)
Friedrich Cerha war einer der wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen Musik in Österreich. Lange als „Monsieur Troisième Acte“ belächelt, weil er durch die Vollendung des dritten Aktes der Oper „Lulu“ von Alban Berg größere Bekanntheit erlangt hatte, komponierte er bald eigene Opernwerke wie „Baal“, „Der Rattenfänger“ oder „Der Riese vom Steinfeld“, schuf unzählige Orchesterkompositionen, Kammermusik und visionäre Arbeiten wie das Monumentalwerk „Spiegel“, in dem er grundlegenden Phänomenen der musikalischen Gestaltung nachspürte. Der gebürtige Wiener hörte in seinem Inneren Klänge und Tonfolgen, die „wie von selbst aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein steigen“. Die Redlichkeit, Kompromisslosigkeit und Konsequenz, mit der er diese Töne zu Papier brachte, haben ihn zum Außenseiter und zum Rebellen gemacht. Doch nicht nur auf musikalischem Gebiet war Friedrich Cerha konsequent. Als 19-Jähriger desertierte er und floh vor den Nazis in die Tiroler Berge. Zurück im „erzkonservativen Wien der 1950er Jahre“ stieß er mit seiner Vorstellung von Musik zunächst auf Unverständnis und Ablehnung. Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde seine Musik auch von breiteren Publikumsschichten und jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörern angenommen sowie zusehends verstanden. Der von Robert Neumüller gestaltete Film, der anlässlich Cerhas 80. Geburtstags 2006 entstanden ist, begleitet den Künstler von der Komposition seines Violinkonzertes, über Probenvorbereitungen bis zur Uraufführung des neuen Oeuvres. Rückblenden zeigen Cerhas künstlerischen Werdegang und die enge Verknüpfung zwischen Biografie und Werk.
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