ÖGKV fordert mehr Tempo bei Arzneimittelverordnung: OTC-Freigabe für DGKP sofort umsetzen

Die im Herbst 2025 angekündigte Medikamentenliste für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) lässt weiterhin auf sich warten. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) zeigt sich zunehmend irritiert über die anhaltende Verzögerung und fordert zumindest eine rasche Freigabe der klar definierten OTC-Liste als ersten Schritt.

Wir sprechen hier von Medikamenten, die Bürger:innen ohne Verschreibung in der Apotheke kaufen kann. Dass hochqualifizierte Pflegepersonen diese im professionellen Kontext nicht eigenständig einsetzen dürfen, ist weder fachlich noch organisatorisch nachvollziehbar“, betont ÖGKV-Präsidentin Elisabeth Potzmann. Die professionelle Pflege trägt täglich Verantwortung für komplexe Versorgungssituationen, beobachtet Krankheitsverläufe engmaschig und trifft evidenzbasierte Entscheidungen. Eine klar geregelte Medikamentenkompetenz würde Abläufe beschleunigen, die Versorgung verbessern und das Gesundheitssystem entlasten. „Die angekündigte Liste hätte längst vorliegen sollen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass notwendige Weiterentwicklungen auf die lange Bank geschoben werden. Die Pflege braucht hier endlich Planungssicherheit“, so Potzmann.

Auch aus Sicht der Austrian Nursing Directors Association (ANDA) ist die rasche Umsetzung ein wichtiger Schritt für moderne Versorgungsstrukturen. „Als Pflegedirektor:innen sehen wir die konsequente Nutzung der gesetzlichen Spielräume des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes als strategischen Schritt für einen modernen Akutbetrieb. Die eigenverantwortliche OTC-Anordnung durch unsere Pflegepersonen des gehobenen Dienstes beschleunigt Behandlungsprozesse, reduziert Schnittstellenverluste und nutzt die vorhandene pflegerische Expertise konsequent. So stärken wir Interprofessionalität auf Augenhöhe und sichern eine schnellere, effizientere Patientenversorgung“, sagt Margareta Bruckner, Vorsitzende der ANDA.

Blick nach Skandinavien: Pflege verschreibt seit Jahrzehnten

Ein Blick in andere europäische Gesundheitssysteme zeigt, dass Österreich hier deutlich hinterherhinkt. In mehreren skandinavischen Ländern sowie in vielen anderen europäischen Staaten ist das Verschreiben von Medikamenten durch Pflegepersonen seit Jahren gelebte Praxis. In Schweden etwa verordnen speziell qualifizierte Pflegepersonen bereits seit 1994 Medikamente aus definierten Listen. International wurde die Verschreibungskompetenz für Pflege in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich ausgebaut – mit nachweislich positiven Effekten auf Versorgungsqualität, Behandlungszugang und effizienten Personaleinsatz. „Während in anderen Ländern seit Jahrzehnten verantwortungsvoll Medikamente durch Pflegepersonen verschrieben werden – und dort längst nicht nur rezeptfreie Präparate –, diskutieren wir in Österreich noch immer über die Freigabe von OTC-Medikamenten. Das ist schwer verständlich“, betont Potzmann.

Der ÖGKV appelliert an alle Entscheidungsträger:innen im Gesundheitssystem, die Umsetzung nicht weiter zu verzögern und zumindest die unstrittige OTC-Liste rasch auf den Weg zu bringen. Die Pflege ist das Rückgrat des Gesundheitssystems: Rund 190.000 Pflegepersonen stellen die größte Berufsgruppe im österreichischen Gesundheitswesen, womit zwei Drittel der Beschäftigten im Gesundheitswesen den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen angehören.

Niemand fordert einen unkontrollierten Kompetenztransfer. Aber es ist nicht erklärbar, warum selbst einfache, längst etablierte Schritte verzögert werden. Die professionelle Pflege ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – im Interesse der Patient:innen“, so Potzmann.

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