Donau Soja äußert große Besorgnis über den jüngsten Vorschlag der Europäischen Kommission, Sojaöl im Rahmen der Renewable Energy Directive (RED) als Rohstoff mit hohem Risiko indirekter Landnutzungsänderungen (iLUC) einzustufen. Würde dieser Vorschlag umgesetzt, könnte Sojaöl ab 2030 — unabhängig von seiner Herkunft — nicht mehr auf die Ziele für erneuerbare Energien angerechnet werden. Aurélie Tournan, Geschäftsführerin von Donau Soja, betont: „Eine pauschale Hochrisiko-Einstufung von Soja würde die positive Entwicklung der europäischen Sojaproduktion ernsthaft gefährden. Europäisches Soja wird in einem entwaldungsfreien Kontext angebaut und steht vollständig im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der EU.“
Europa ist weiterhin in erheblichem Maße von Eiweißimporten abhängig, insbesondere im Sojabereich. Diese strukturelle Abhängigkeit macht das europäische Agrar- und Ernährungssystem anfällig für geopolitische Spannungen und globale Lieferkettenrisiken. Gerade deshalb ist der Ausbau einer eigenständigen Proteinproduktion in Europa von strategischer Bedeutung. Donau Soja und seine Mitglieder haben in den vergangenen zwölf Jahren robuste, transparente und entwaldungsfreie europäische Wertschöpfungsketten aufgebaut und gezeigt, dass nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Sojaproduktion in Europa möglich ist.
Als Organisation, die seit Jahren an einem transparenten, entwaldungsfreien europäischen Sojasektor sowie widerstandfähigen Lieferketten arbeitet, unterstreicht Donau Soja, dass politische Maßnahmen die fundamentalen Unterschiede zwischen europäischen Produktionssystemen und Hochrisikoregionen berücksichtigen müssen. Der europäische Sojaanbau findet zum großen Teil in entwaldungsfreien Gebieten statt und trägt wesentlich zu Wettbewerbsfähigkeit, Ernährungssicherheit und strategischer Autonomie der EU bei.
Widerspruch zur Analyse der Kommission
Der zugrunde liegende Bericht der Europäischen Kommission vom 20. Januar 2026 bezieht sich ausdrücklich auf Soja aus Südamerika, wo direkte und indirekte Landnutzungsänderungen weiterhin ein dokumentiertes Risiko darstellen. Europäischer Sojaanbau hingegen wird im Bericht nicht erwähnt, obwohl er eine wichtige Rolle bei der Förderung von Fruchtfolgediversifizierung, Bodenfruchtbarkeit und regionaler wirtschaftlicher Entwicklung spielt. Eine pauschale Einstufung als Rohstoff mit hohem Risiko widerspricht den Plänen der Kommission, die europäische Proteinproduktion zu stärken. Die Europäische Proteinstrategie wurde eingeführt, um Europas Fähigkeit zur Eigenproduktion von Eiweißpflanzen zu erhöhen. Die Reduktion dieser Importabhängigkeit bleibt ein zentrales politisches Ziel und unterstreicht die Bedeutung des weiteren Ausbaus einer nachhaltigen europäischen Sojaproduktion.
Tournan ergänzt: „Dieser Vorschlag würde die europäische Sojaproduktion genau zu einem Zeitpunkt gefährden, an dem die EU dringend ihre Eigenversorgung und strategische Autonomie stärken muss. Europäische Landwirte produzieren nachhaltiges Soja – jetzt braucht es politische Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Soja-Wertschöpfungskette sichern.“
Negative Auswirkungen auf europäische Proteinproduktion und Wettbewerbsfähigkeit
Obwohl Donau Soja die globale Bekämpfung von Landnutzungsänderungen ausdrücklich unterstützt, hätte die vorgeschlagene Maßnahme wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt: Anstatt den globalen Landnutzungsdruck zu verringern, würde sie Anbau und Verarbeitung von Soja aus Europa verdrängen und die Abhängigkeit von Importen, insbesondere von Sojaschrot aus Hochrisikoregionen, erhöhen.
Getragen von regionalen Entwicklungen hat Europa in den vergangenen Jahren seine Sojaverarbeitungs- und Produktionskapazitäten erfolgreich ausgebaut. Europäische Ölmühlen haben erheblich investiert — wirtschaftlich tragfähig ist dies jedoch nur, wenn das bei der Verarbeitung entstehende Sojaöl in den Markt für erneuerbare Energien gelangen kann. Bis zu 80 % des Öls fließen in diesen Absatzkanal. Würde dieser Markt wegfallen, geriete die Verarbeitung europäischer Sojabohnen massiv unter Druck und könnte sogar vollständig zum Erliegen kommen. Dies würde europäischen Landwirten wichtige Absatzmöglichkeiten nehmen und zu einem deutlichen Rückgang im Anbau führen — im klaren Widerspruch zu den Zielen der EU-Proteinstrategie. Eine pauschale Hochrisiko-Einstufung würde zudem erheblichen Reputationsschaden für Landwirte und den gesamten Tierhaltungssektor riskieren, obwohl sie unter strengen Nachhaltigkeitsanforderungen produzieren.
Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der EU
Ein Rückgang der europäischen Sojaproduktion würde unweigerlich die Abhängigkeit der EU von Eiweißimporten erhöhen und damit direkte und indirekte Landnutzungsänderungen in Drittländern verstärken. Dies steht im klaren Gegensatz zu den Umweltzielen der RED sowie zu den übergeordneten Klima-, Nachhaltigkeits-, Resilienz- und Proteinstrategien der Europäischen Union.Eine solche Entscheidung könnte zudem weitreichende Folgen für die europäische Tierhaltung haben und möglicherweise irreversible Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit der EU nach sich ziehen.
Notwendigkeit einer herkunftsbasierten Differenzierung
Donau Soja fordert die Europäische Kommission daher dringend auf, eine herkunftsbasierte Differenzierung für Sojabohnen im Rahmen der RED einzuführen. Während ein Ausschluss von Sojaöl aus Regionen mit eindeutig hohem iLUC-Risiko gerechtfertigt sein kann, sollte Sojaöl aus europäischem Anbau weiterhin nachhaltig genutzt werden dürfen. Auch bei Importen ist eine klare Unterscheidung zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Quellen notwendig, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der europäischen Verarbeitungskapazitäten zu sichern. Ein solch differenzierter Ansatz würde unbeabsichtigte negative Folgen für die europäische Eiweißversorgung vermeiden, die Wettbewerbsfähigkeit von Produzenten und Verarbeitern sichern und die Externalisierung in andere Regionen verhindern.
Im Einklang mit der Vision von Donau Soja für ein transparentes, nachhaltiges und entwaldungsfreies europäisches Proteinsystem ist ein ausgewogener politischer Rahmen essenziell, damit Klimaschutzmaßnahmen nicht unbeabsichtigt die nachhaltige europäische Landwirtschaft schwächen.
Diese Stellungnahme basiert auf dem Bericht der Europäischen Kommission COM/2018/757 final zur Entwicklung pflanzlicher Proteine in der EU, dem Bericht des Europäischen Parlaments Report A9-0281/2023 on the European Protein Strategy (2023/2015(INI)) sowie dem Vorschlag der Europäischen Kommission COM (2026) 36 final zur Einstufung von Rohstoffen mit hohem iLUC-Risiko im Rahmen der RED.
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