Die aktuelle Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zeigt einmal mehr: In Österreich bleibt Elternkarenz fast ausschließlich Frauensache. Mütter nehmen nach der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 416 Tage Karenz, Väter gerade einmal neun. Für die ÖGB-Frauen ist das ein alarmierendes – aber kein überraschendes – Zeichen für fehlende Gleichstellung. Auf diese Entwicklung weisen die ÖGB Frauen schon lange hin.
„Solange fast nur Frauen zu Hause bleiben, zahlen sie den Preis – mit geringeren Einkommen, schlechteren Karrierechancen und höheren Armutsrisiken. Das ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles Versagen“, sagt Christa Hörmann, gf. ÖGB Bundesfrauenvorsitzende.
Rollenbilder entscheiden über Karrieren
„Karrieren von Männern und Frauen werden schon sehr früh unterschiedlich geprägt – bei der Berufswahl, aber spätestens, wenn Kinder kommen. Während Mütter aus dem Erwerbsleben gedrängt werden, bleibt für Väter fast alles gleich. Diese Ungleichheit verfestigt sich ein Leben lang“, so Hörmann. Trotz politischer Bekenntnisse und der Möglichkeit in Väterkarenz zu gehen, stagniert die Väterbeteiligung seit Jahren auf extrem niedrigem Niveau.
Einkommen hält Väter von der Karenz ab
Ein zentraler Grund für die geringe Väterkarenz ist das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern. Solange Männer im Durchschnitt deutlich mehr verdienen, erscheint es vielen Familien „logisch“, dass die Mutter zu Hause bleibt. „Der Gender Pay Gap zwingt Familien in alte Rollen. Gleichstellung scheitert oft am Geld – und das ist politisch gemacht“, so Hörmann.
Aus Sicht der ÖGB-Frauen ist auch klar: Mehr Väter würden Karenz übernehmen, wenn sie dabei echte Unterstützung erhalten. „Viele Männer wollen mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen, stoßen aber auf Druck im Betrieb, mangelnde Information und fehlende Akzeptanz. Wer als Vater in Karenz geht, darf nicht schief angesehen oder benachteiligt werden, sondern sollte dabei unterstützt werden“, so Hörmann.
Väter in der Care-Arbeit: Ein Gewinn für Betriebe und Gesellschaft
Studien zeigen: Väter, die sich aktiv an der Sorgearbeit beteiligen, entwickeln wichtige soziale und organisatorische Kompetenzen. Sie sind empathischer, teamorientierter und oft auch bessere Führungskräfte. Außerdem trägt es stark zum Aufbrechen festgefahrener Rollenbilder bei: „Wer Verantwortung zu Hause übernimmt, führt auch im Job anders – und besser. Davon profitieren Betriebe und am Ende die ganze Gesellschaft“, betont Hörmann abschließend.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. ÖGB Österreichischer Gewerkschaftsbund