Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ändert sich. So rasant, wie in den letzten Jahren, aber wohl noch niemals zuvor. Rat auf Draht versucht seit knapp vier Jahrzehnten, diesen Entwicklungen durch innovative neue Beratungsangebote gerecht zu werden. Aus diesem Grund wurde vor fünf Jahren die Rat auf Draht Peerberatung aus der Taufe gehoben.
Von einem Pilotprojekt hat sich die Peerberatung über die Jahre als feste Beratungsleistung etabliert und ist aus dem Angebotsspektrum von Rat auf Draht nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Jeden Mittwoch findet die Peerberatung von 18 bis 20 Uhr via Chat statt, für viele junge Menschen mittlerweile ein Fixpunkt. „Die Nachfrage nach diesem Austausch mit Gleichaltrigen ist sehr hoch. Viele Jugendliche empfinden es als einfacher, sich jemandem anzuvertrauen, der vielleicht gerade selbst ähnliche Dinge erlebt oder vor kurzem erlebt hat“, erklärt Christine Piriwe, Projektleiterin der Peerberatung bei Rat auf Draht. Die Zahlen geben ihr recht: Allein im Jahr 2025 stiegen die Peerberatungen um 30 Prozent auf insgesamt 264 an.
Topthemen: Freundschaft, Mobbing, Liebe
Die meisten Chats werden zum Thema Freundschaft/Peergroup geführt. „Hier geht es oft darum, wie man am besten Freunde findet, um Einsamkeit oder auch um Konflikte mit Freund:innen und wie diese gelöst werden können“, erklärt Piriwe. An zweiter Stelle folgen Infos zu Rat auf Draht und der Weiterverweis zur regulären Beratung. Den dritten Platz nimmt das Thema Mobbing und psychische Gewalt in der Schule ein. „Ausgrenzung und Mobbing durch Schulkolleg:innen, aber auch Diskriminierung und Mobbing durch Lehrpersonen werden hier am häufigsten besprochen“, so die Expertin. Auch der Themenbereich Verliebtheit und Liebeskummer nimmt einen großen Teil der Gespräche ein: „Der Wunsch nach einer Beziehung, unglücklich verliebt zu sein, Liebeskummer nach einer Trennung oder auch Zurückweisung nach einer Liebesbekundung sind hier die häufigsten Sorgen“, sagt Piriwe.
Unterschiede zur klassischen Beratung
Im Unterschied zur klassischen Telefon- und Chatberatung sind bei der Peerberatung die Themen durch so genannte Themenchats vorgegeben. „Zudem werden in der Peerberatung keine Krisengespräche geführt. Solche Fälle werden an geschulte Kolleg:innen aus dem „Regulären Chat“ oder an die Rat auf Draht-Kolleg:innen weitergeleitet, welche die Peers vor Ort unterstützen“, so Piriwe. Zudem wird nicht eingehend auf psychische Belastungen eingegangen, da die Peerberatung in erster Linie einen präventiven Ansatz verfolgt: Unterstützung und Austausch über Themen, die Jugendliche beschäftigen. Piriwe: „Dabei geht es auch darum, einzuschätzen, ob dieser Austausch bereits hilfreich ist, oder ob weiterführende Unterstützung sinnvoll wäre.“
Im Jahr 2026 wird die Peerberatung weiterhin auf gelebter Partizipation basieren: Peers bestimmen auf Augenhöhe über Inhalte und Abläufe mit, während ihre Ideen – etwa zu neuen Themen oder Formaten – direkt umgesetzt werden. „Dies hält das Angebot dynamisch, authentisch und eng an den Bedarf von Jugendlichen angepasst. Peers gestalten Workshops an Schulen mit, dürfen in weitere Bereiche der Arbeit von Rat auf Draht hineinschnuppern und ihre Ideen einbringen“, sagt Piriwe.
Beratungsteam sucht Verstärkung
Aufgrund der starken Nachfrage sucht das Peerberatungsteam von Rat auf Draht jedenfalls Verstärkung – vier neue Peerberater:innen zwischen 16 und 23 Jahren. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. März 2026. Alle relevanten Infos dazu unter: https://www.rataufdraht.at/peerberatung/angebote/fur-beratende-peers
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