Vor dem Hintergrund der zaghaften konjunkturellen Erholung steigt die Kreditnachfrage österreichischer Unternehmen seit dem dritten Quartal 2025 wieder schrittweise an. Zuvor war sie infolge der wirtschaftlichen Schwächephase seit dem dritten Quartal 2022 drei Jahre lang gesunken. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten steigt indessen bereits seit zwei Jahren – hauptsächlich aufgrund der gesunkenen Zinsen. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft unter den führenden heimischen Banken. Die aktuelle Umfrage wurde von Mitte Dezember 2025 bis Mitte Jänner 2026 durchgeführt.
„Die Trendwende bei der Kreditnachfrage der Unternehmen ist ein ermutigendes Signal. Nach einem Anstieg im dritten Quartal 2025 steigt die Nachfrage nach Krediten auch im vierten Quartal – getragen von gesunkenen Zinsen, einem höheren Bedarf an Betriebsmitteln und ersten Anzeichen einer wieder anziehenden Investitionstätigkeit. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen vorsichtig optimistisch nach vorne blicken und neue Projekte in Angriff nehmen. Für das erste Quartal 2026 erwarten die Banken eine weitere Belebung. Es ist nun entscheidend, dass sich diese positive Entwicklung möglichst rasch auf jene Sektoren ausweitet, die bislang noch keine positive Dynamik aufweisen. Außerdem zeigt die anhaltend steigende Nachfrage nach Wohnbaukrediten, dass die geldpolitischen Impulse wirken und Finanzierungen wieder leistbarer geworden sind. Insgesamt sehen wir erste konkrete Anzeichen dafür, dass die wirtschaftliche Erholung in Österreich Schritt für Schritt an Breite gewinnt – auch wenn das prognostizierte Wachstum generell weiterhin moderat ausfällt“, so OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Unternehmenskredite: Nachfrage steigt wieder – dreijähriger Abwärtstrend beendet
Die Kreditnachfrage von Unternehmen ist im dritten und vierten Quartal 2025 gestiegen – erstmals seit dem dritten Quartal 2022. Auch für das erste Quartal 2026 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken einen weiteren Nachfrageanstieg. Der jüngste Anstieg der Kreditnachfrage dürfte den Abschluss einer langen Abwärtsphase markieren, die durch die schwache Konjunktur in Österreich sowie die globalen Unsicherheiten bedingt war. Zudem sind für den aktuellen Anstieg drei Gründe zu nennen: ein gestiegener Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel, gesunkene Zinsen und eine Trendwende bei der Investitionstätigkeit der Unternehmen. In der Vergangenheit hat vor allem ein rückläufiger Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Anlageinvestitionen die Kreditnachfrage gebremst. Nun gibt es aber erste Anzeichen für eine wieder zunehmende Investitionstätigkeit und dementsprechenden Finanzierungsbedarf.
Die Umfrage zeigt aber auch zwei nennenswerte Ausnahmen von der allgemeinen Entwicklung. Die Kreditnachfrage von energieintensiven Industrieunternehmen und von Unternehmen der Automobilindustrie inklusive der Zulieferindustrie ist im zweiten Halbjahr 2025 weiter gesunken. Das spiegelt die spezifischen Probleme in diesen Industrien wider – hohe Energiepreise und eine strukturelle Schwäche der europäischen Automobilindustrie.
Angebotsseitig spielt die angespannte Risikosituation für das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen nach wie vor eine wichtige Rolle (allgemeine Wirtschaftslage, Kreditwürdigkeit der Unternehmen). Dies hat seit Anfang 2022 zu Verschärfungen der Kreditangebotspolitik der Banken geführt. Für Unternehmen sind die Kreditvergabestandards in den vergangenen Jahren gestiegen, da die Banken angesichts des wirtschaftlichen Umfelds vorsichtiger agieren und ihre Kreditkonditionen angepasst haben. Das betrifft besonders Immobilienunternehmen und dabei Gewerbeimmobilienunternehmen stärker als Wohnimmobilienunternehmen.
Es wird sich in den nächsten Monaten in der Monetärstatistik der OeNB zeigen, in welchem Ausmaß die steigende Kreditnachfrage von Unternehmen auch zu einer erhöhten Neukreditvergabe führt.
Anhaltende Erholung der Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten
Nach einem historischen Tief steigt die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten seit dem ersten Halbjahr 2024 wieder durchgehend an. 2024 war der Anstieg noch moderat, 2025 fiel er stärker aus – vor allem im ersten und zweiten Quartal. Für das erste Quartal 2026 wird ein weiterer Nachfrageanstieg erwartet. Hauptgrund für diese Entwicklung sind die gesunkenen Zinsen – wesentlich bestimmt durch die Zinspolitik der EZB. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von 4 % auf 2 % gesenkt. Infolgedessen sind Kredite günstiger geworden.
Die laut Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten hat folglich zu einer gestiegenen Neuvergabe von Wohnbaukrediten durch die Banken geführt. Gemäß OeNB-Kreditstatistik wurden von Jänner bis November 2025 pro Monat durchschnittlich 1,4 Mrd EUR an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das entspricht einem Zuwachs von fast 50 % gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2024. Die gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten. Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zum Vergleich: 2017 und 2018, vor dem großen Kreditboom, wurden durchschnittlich 1,5 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – also etwas mehr als 2025 bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, mitten im Kreditboom, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen.
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 150 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.
Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in der Publikationsreihe „OeNB Reports“ veröffentlicht (https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/reports.html).
Weitere Informationen und Daten zur Umfrage finden sich auf der OeNB-Website unter https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft.html.
Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website publiziert: https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/bank_lending_survey/html/index.en.html
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