„kulturMontag“: Social-Media-Bremse für Jugendliche, „Monster’s Paradise“ Marke Jelinek-Neuwirth, Koolhaas’ „Austrian House“

Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 2. Februar 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 widmet sich dem aktuellen Thema Social-Media-Verbot bzw. -Bremse für Jugendliche, das auch für Österreich diskutiert wird. Dazu ist als Expertin Kommunikationswissenschafterin Desirée Schmuck zu Gast im Studio. Weiters befasst sich die Sendung mit der jüngsten Zusammenarbeit von Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek und der preisgekrönten Komponistin Olga Neuwirth, deren neue Operngroteske „Monster’s Paradise“ am Samstag (1. Februar) in der Hamburger Staatsoper uraufgeführt wird. Außerdem geht es u. a. um das „Austrian House“ in Zell am See – das ebenso radikale wie geniale Bauwerk des niederländischen Stararchitekten Rem Koolhaas. Der „kulturMontag“ war auf Lokalaugenschein im Pinzgau. Anschließend an das Magazin steht die Dokumentation „Die Seele der Farbe“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.

Social-Media-Bremse – Wie sinnvoll ist ein Verbot für Kinder und Jugendliche?

Wie sehr wird die mentale Gesundheit Heranwachsender durch soziale Medien beeinträchtigt? Ein Thema, das zurzeit rund um den Globus heftig diskutiert wird. Australien reagierte schon Ende 2025 mit einem Verbot für Teenager. Auch Frankreich, Großbritannien und Österreich wollen diesem Beispiel folgen und arbeiten an entsprechenden Gesetzen für die Nutzung dieser Plattformen. Denn: Das Suchtpotenzial ist hoch – laut einer aktuellen WHO-Studie weist jeder zehnte Jugendliche in Europa Anzeichen von Suchtverhalten auf. Österreich etwa will Social Media erst ab 14 Jahren erlauben. Das präventive, österreichische Gesundheits- wie Kulturprojekt YOUareART setzt sich mit dem Einfluss von Instagram, TikTok & Co auseinander, etwa in Workshops in der Heidi Horton Collection oder der Akademie der bildenden Künste Wien, in denen Jugendliche den Selbstoptimierungsdrang anhand historischer Schönheitsideale reflektieren. Psychologinnen und Psychologen sowie Kunstvermittler:innen arbeiten gemeinsam mit Jugendlichen zu Themen rund um das Selbstbild und den Einfluss der sozialen Netzwerke. Der „kulturMontag“ war bei einem der Workshops mit dabei und hat mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen. Zu Gast im Studio ist Kommunikationswissenschafterin Desirée Schmuck, die zur Mediennutzung im Kindes- und Jugendalter forscht und mit Peter Schneeberger über die Sinnhaftigkeit eines Verbots spricht.

Von Despoten und Monstern – Neue Politgroteske von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth

Einen echten Kulturcoup hat der neue Intendant der Hamburgischen Staatsoper Tobias Kratzer mit der Produktion „Monster’s Paradise“ gelandet. In der neuen Operngroteske, die Kratzer selbst inszeniert, schicken sich Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth selbst als Vampirinnen auf eine Reise um die Welt und blicken dabei in die Jauchegruben der Menschheit. Nach ihren legendären Werken „Bählamms Fest“ und „Lost Highway“ sind mehr als 20 Jahre vergangen, seit die mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnete Komponistin und die Literaturnobelpreisträgerin sich einem gemeinsamen Musiktheaterprojekt gewidmet haben. Ganz im Stil der französischen Grand Guignol Opéra, einer Gattung, die für blutige und grausame Unterhaltung steht und die moderne Horror- und Splatter-Kultur beeinflusst hat, fokussiert ihr jüngstes gemeinsames Werk auf menschliches Versagen und Tabubrüche. Für ihre Komposition hat sich die Grazerin von einem ihrer Lieblingsfilme inspirieren lassen: Stanley Kubricks 1964 entstandener schwarzer Politsatire „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“. Auf ihrem Trip rund um den Globus begegnen die „Vamps“ einem tyrannischen Königs-Präsidenten, in dem sich unweigerlich ein US-amerikanischer Machthaber erkennen lässt, der die Welt ins Wanken bringt. Einzig das von ihm selbst heraufbeschworene Seemonster namens „Gorgonzilla“ könnte der Heilsbringer sein. Der „kulturMontag“ berichtet über die Uraufführung.

Radikal und genial: Das „Austrian House“ von Stararchitekt Rem Koolhaas in Zell am See

Eingeklemmt zwischen Häusern im typischen Pinzgauer Landhausstil ragt dieses wie ein Raumschiff in die Landschaft am beschaulichen Zeller See. Zwei Drittel des Bauwerks liegen im Berg vergraben, denn das Grundstück galt wegen seiner schmalen Form als nicht bebaubar. Doch der niederländische Stararchitekt Rem Koolhaas nahm die Herausforderung an und stellte 2023 sein „Austrian House“ fertig. Das Ergebnis verblüfft: Neben der „Maison à Bordeaux“ oder der „Villa dall’Ava“ westlich von Paris ist es eines von nur fünf Privathäusern, das der Pritzker-Preisträger entworfen hat. Auch bei seinem österreichischen Projekt lässt Koolhaas scheinbar völlig angstfrei keine Provokation aus. Im Auftrag des Unternehmers Christopher Schläffer – die beiden hatten einander beruflich in New York kennengelernt – gestaltete der Niederländer die spektakuläre Architektur, die mehr sein will als ein reines Ferienhaus mit grandioser Aussicht. So cool, so verdichtet, dramatisch und dynamisch sich diese Ikone präsentiert, so sehr setzten Architekt und Bauherr auf Gemütlichkeit. Zwei Jahre nach Fertigstellung war Rem Koolhaas in Zell am See auf Stippvisite. Der „kulturMontag“ hat ihn sowie Auftraggeber Christopher Schläffer zum Interview gebeten.

Dokumentation „Die Seele der Farbe“ (23.15 Uhr)

Die Welt ist voller Farben, doch strenggenommen gibt es sie eigentlich gar nicht. Die Art und Weise, wie Licht von bestimmten Teilchen und Oberflächen reflektiert oder absorbiert wird, entscheidet darüber, in welcher Farbe Körper wahrgenommen werden. Nur ein kleines Spektrum davon ist für den Menschen überhaupt sichtbar und dieses wird maßgeblich von Pigmenten beeinflusst. Farbe entsteht also erst in unseren Köpfen. Regisseur Hannes Opel unternimmt mit dem Dokumentarfilm „Die Seele der Farbe“ eine spannende Reise in die Welt historischer Farbrezepturen sowie deren Handwerkskunst.
Der Filmemacher besucht u. a. den spanischen Künstler Miquel Barceló in Mallorca, der für seine großflächigen, dickschichtigen und farbgewaltigen Werke bekannt ist, die in der Post-Franco-Ära einen explosiven Aufbruch in eine neue Zeit der spanischen Kunst darstellen. Frei von Konformität und Gehorsam, offen für den Widerspruch und die pure Kraft der Farbe. Für Barceló ist Farbe purer Instinkt und Leidenschaft. So taucht er auch im Mittelmeer nach Purpurschnecken, aus denen seit Jahrtausenden der teuerste Farbstoff der Welt hergestellt wird. In einer Farbmühle im Allgäu bekommt man Einblicke in ein einzigartiges Archiv längst vergessener Farben. Das Familienunternehmen Kremer hat sich auf die Herstellung historischer Farbpigmente spezialisiert. Mehr als 100 Farben werden dort vor dem Vergessen bewahrt sowie in die ganze Welt verkauft, wie etwa das älteste bekannte Kobaltpigment Smalte, das in der deutschen Malerei der Renaissance und des Barock eine besondere Rolle spielte. Smalte war auch das Lieblingsblaupigment des bekannten deutschen Malers Caspar David Friedrich, dessen Bilder von magischer Schönheit, aber auch düsterer Melancholie geprägt sind. In der Alten Nationalgalerie in Berlin wird schließlich das Geheimnis gelüftet, das im Lieblingsblau von Friedrich steckt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. ORF

Comments (0)
Add Comment