Die Ordensspitäler Oberösterreichs erwirtschafteten im Jahr 2024 rund 1,76 Milliarden Euro an Wertschöpfung. Davon profitiert die Allgemeinheit – und besonders die Region: Jeder 43. Euro, der in Oberösterreich erwirtschaftet wird, stammt direkt aus den dortigen Ordensspitälern. Darauf verwies der Gesamtleiter der Einrichtungen der Barmherzigen Brüder, Peter Ausweger, gestern bei einer Pressekonferenz der Ordensspitäler. Jede:r Beschäftigte (Vollzeitäquivalent) bringt dem Land pro Jahr unglaubliche 184.000 Euro an Wertschöpfung.
Der Feierlaune über diese Summen hält Gerald Mjka, Fachbereichsvorsitzender Gesundheit der Gewerkschaft vida, entgegen: „Während in den Vorstandsetagen die Sektkorken knallen, wissen die Beschäftigten nicht mehr, wie sie die Arbeitslast bewältigen sollen und stoßen mit ihren Anliegen auf taube Ohren bei Politik und Manager:innen“.
Angesichts der laufenden Kollektivvertragsverhandlungen, in denen den Beschäftigten bislang nur Lohn- und Gehaltsanpassungen unter der Teuerung angeboten wurden und kein Angebot zur Entlastung, stellt Mjka die Frage: „Wo bleibt der Dank an jene, die diese Leistung erbringen?“. Ebenso interessant sei, wie hoch die Bonuszahlungen wohl waren, die unterdessen an das Krankenhausmanagement geflossen sind. „Die Beschäftigten wollen zurecht erfahren, in welchen Kanälen all das Geld verschwindet, wenn es offensichtlich nicht bei den arbeitenden Menschen ankommt“.
Wertschöpfung verdoppelt, Beschäftigte ausgepresst
Möglich wird die beträchtliche Wertschöpfung vor allem durch einen immer effizienteren Arbeitseinsatz. Ausweger sprach stolz von einer Verdoppelung der Wirtschaftsleistung der Ordensspitäler in Gesamtösterreich seit 2018. Doch wenn auf der einen Seite Produktivitätssteigerungen gefeiert werden, muss man auch offen benennen, worauf sie beruhen: „Beschäftigte werden ausgepresst bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus. Dadurch steigt zwangsläufig die Fehlerquote – was wiederum zulasten der Patient:innen geht“, gibt Mjka zu bedenken.
„In einem Krankenhaus bedeutet das weniger Zeit pro Patient:in, mehr Druck auf das Personal und ganz konkret Situationen, in denen Beschäftigte entscheiden müssen, wem sie eine notwendige Behandlung zukommen lassen können – und wem nicht. Das ist ein untragbarer Zustand“, so der vida-Gewerkschafter.
Oberösterreich profitiert – das Personal verliert?
„Der Stolz der Spitalsleitungen sollte sich nicht auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen beschränken, sondern vor allem auf jene richten, die mit ihrer Arbeitskraft diese Wertschöpfung überhaupt ermöglichen“, so Mjka weiter.
Derzeit befinden sich die Gewerkschaft vida und die Führungsriege der Ordensspitäler Oberösterreichs in zähen Kollektivvertragsverhandlungen. Die Beschäftigten fordern einen Teuerungsausgleich sowie dringend notwendige Entlastung durch Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeitgeberseite verweist hingegen auf fehlende öffentliche Mittel – und gibt sich machtlos. Die Landespolitik, allen voran Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander, schaute bislang zu. „Die Rechnung ist eigentlich simpel: Ohne Personal keine Wertschöpfung. Jetzt müssen Arbeitgeber und Politik nur noch eins plus eins zusammenzählen“, sagt Mjka mit Blick auf die nächste Kollektivvertragsverhandlungsrunde am 4. Februar.
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