Im Jahr 2025 hat der Wiener Gesundheitsverbund insgesamt rund 59.000 Patient*innen mit einer Krebs-Diagnose behandelt. Davon entfielen rund 19.500 Patient*innen auf den stationären Bereich, was einem Anstieg von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. 39.100 Patient*innen mit Krebs-Diagnose waren 2025 im Wiener Gesundheitsverbund in ambulanter Behandlung. Der deutliche Zuwachs im ambulanten Bereich im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem auf eine aus gesetzlichen Gründen geänderte Dokumentationspraxis zurückzuführen. Durch die neuen bundesweiten Vorgaben werden bei jedem einzelnen Ambulanzkontakt alle vorhandenen Diagnosen angegeben, auch wenn sie nicht Anlass des Besuchs sind. Ein Beispiel: Kommt etwa ein*e Patient*in mit bestehender Krebsdiagnose aufgrund eines Beinbruchs in eine Ambulanz, wird die Krebsdiagnose zusätzlich codiert, auch wenn sie nicht der Grund für den Ambulanzkontakt ist. Dadurch ergibt sich ein scheinbarer Anstieg der im ambulanten Bereich dokumentierten Diagnosen einer Krebserkrankung.
Fast 70 Prozent der behandelten Patient*innen waren 60 Jahre oder älter, Frauen waren mit rund 52 Prozent etwas häufiger betroffen als Männer. Am häufigsten hat der Wiener Gesundheitsverbund im Jahr 2025 Patient*innen mit Brustkrebs, Hautkrebs, Prostatakrebs, Blutkrebs und Lymphomen, Lungenkrebs sowie Darmkrebs behandelt.
Aktuelle Zahlen belegen: Krebs betrifft zunehmend ältere Menschen. Mit steigender Lebenserwartung wächst der Bedarf an Versorgung, die medizinische Wirksamkeit und Lebensqualität gleichermaßen berücksichtigt. Therapie, Diagnostik und Vorsorge müssen stärker auf die individuelle gesundheitliche Situation älterer Patient*innen abgestimmt sein.
Fortschritte in der modernen Krebstherapie
Moderne medikamentöse Krebstherapie folgt heute 3 Zielen: Heilung, langfristige Krankheitskontrolle und bei fortgeschrittener Erkrankung die Erhaltung der Lebensqualität. Ein entscheidender Faktor ist die frühe Diagnose: Screening-Programme etwa bei Brust- und Darmkrebs haben die Überlebensraten deutlich verbessert, bei Brustkrebs werden heute über 80 Prozent der Erkrankungen geheilt. Innovative, personalisierte Therapien ermöglichen zudem zunehmend schonende, ambulante Behandlungen. So können viele Patient*innen ihren Alltag weitgehend beibehalten. „Moderne Krebstherapie bedeutet heute neben dem Ziel der Heilung vor allem mehr Lebensqualität bei möglichst geringer Belastung für die Patient*innen,“ so Wolfgang Hilbe, Vorstand der Abteilung für Onkologie und Hämatologie in der Klinik Ottakring.
Gemeinsam entscheiden: Tumorboards sichern höchste Behandlungsqualität
Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen ist ein wichtiges Qualitätskriterium im Wiener Gesundheitsverbund. Ziel ist, die Patient*innen von der Diagnose über die maßgeschneiderte Therapie bis zur Nachbetreuung optimal zu begleiten. „In interdisziplinären Tumorboards kommen, je nach Art des Tumors, Expert*innen aus Radiologie, Gynäkologie, Chirurgie, Urologie, Plastischer Chirurgie, Onkologie, der Radioonkologie, der Klinischen Psychologie und der Pathologie zusammen und besprechen die optimale Behandlung der Patient*innen. Die Pathologie spielt gerade in der Diagnostik von Tumoren eine zentrale Rolle“, sagt Eva Reiter, Vorständin des Instituts für Pathologie und Mikrobiologie an der Klinik Landstraße. „Durch die überregionale Zusammenarbeit der Kliniken fließen sehr viele Perspektiven und Erfahrungen in die gemeinsame Betrachtung ein und wir können unsere Patient*innen bestmöglich und nach aktuellsten Standards behandeln“, erzählt Hannes Kaufmann, Vorstand der 3. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie der Klinik Favoriten und onkologische Ambulanz und (interdisziplinäre) Therapieambulanz in der Klinik Landstraße von den Vorteilen der überregionalen Tumorboards im Wiener Gesundheitsverbund.
Studien zu Verbesserung der Behandlung von Lungenkrebs
Neben der Versorgung nach modernsten Standards spielt auch die Forschung eine wichtige Rolle im Wiener Gesundheitsverbund. „Am Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie an der Klinik Floridsdorf forschen wir intensiv an neuen, patient*innenorientierten Therapien gegen Lungenkrebs“, so Institutsleiter und Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, Arschang Valipour. Ein zentrales Projekt ist die OPAL-Studie. Hier wird erstmals systematisch untersucht, ob ein strukturiertes ambulantes Lungen-Rehabilitationsprogramm die körperliche Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und den Therapieerfolg bei Menschen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs (NSCLC = nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) unter Immuntherapie verbessern kann – und damit eine bisherige Versorgungslücke schließt. Parallel dazu läuft eine Studie, bei der Veränderungen in den Genen einen Hinweis auf Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium geben sollen. Die Diagnose erfolgt nicht-invasiv, also mit modernen Verfahren wie Liquid-Biopsy und Next-Generation-Sequencing, über das Blut oder andere Körperflüssigkeiten. Spezifische Muster in der DNA sollen dabei eine sichere Unterscheidung zwischen kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie dessen Subtypen ermöglichen.
Podcast-Tipp: KLINIKKOSMOS – Der Wiener Gesundheitspodcast
Wie moderne Krebstherapie und Forschung im Bereich urologischer Tumore aussehen, erklärt Martin Marszalek ausführlich im Podcast KLINIKKOSMOS des Wiener Gesundheitsverbundes. Neben dem möglichen Impfstoff bei Nierenkrebs berichtet er außerdem, warum Hodenkrebs oft noch am Tag der Diagnose operiert wird und wie sich die Vorsorge bei Prostatakrebs in den letzten Jahren verändert hat. Die Podcast-Folge erscheint am Donnerstag, den 5. Februar, überall wo es Podcasts gibt.
Am Donnerstag, 19. Februar, informiert der Podcast KLINIKKOSMOS weiter über Krebserkrankungen. Dann steht die Darmkrebsvorsorge im Mittelpunkt. Martina Reiberger, Stationsleitung der Pflege der Endoskopie-Ambulanz im AKH Wien, erklärt, warum Vorsorge so wichtig ist. Sie spricht über die zentrale Rolle der Pflege bei der Früherkennung, Angst als Sedierungsrisiko und den ganz persönlichen Umgang mit Patient*innen einer der größten Endoskopie-Ambulanzen des Landes.
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