LAbg. Astrid Pany, BEd, MA (SPÖ) sagte, eine gute Sprachförderung sei unumgänglich. Nur so hätten Kinder eine Chance, gute Bildung und später gute Chancen am Arbeitsmarkt zu haben. Darin seien sich alle einig – bei der Lösung aber scheiden sich laut Pany die Geister. Gute Sprachförderung, so die Abgeordnete, brauche gezielte Förderung im Unterricht, aber auch Professionalität. Das sei Aufgabe aller Pädagog*innen und nicht nur der Sprachförderkräfte. In allen Unterrichtsfächern müsse Sprachförderung gelebt werden – egal ob Musik, Deutsch oder Mathematik. Kinder würden am besten durch Inhalte lernen, so Pany. Wenn Kinder eine aktive Sprachnutzung erleben, funktioniere das besser als passives Zuhören. Beim Englischlernen etwa werde dieses Prinzip aktiv eingesetzt. Darum, so Pany, würden Deutschförderklassen „nicht funktonierten“. Auch die Segregation der Deutschförderklassen kritisierte Pany. Die Erstsprache müsse erlaubt und „wertgeschätzt” werden und dürfe nicht als „Hindernis” betrachtet werden. Das Ziel bleibe, Deutsch zu lernen, der Weg solle aber ein “mehrsprachiger Weg” sein. Die Forderung nach der Pausensprache Deutsch nannte Pany im Kontext „kontraproduktiv”. Auch die Forderungen nach einem Verbot gemischtsprachiger Klassen sowie Strafmaßnahmen bei mangelnden Sprachkenntnissen kritisierte Pany. Die Sprachbestandsfestellung für Dreijährige gebe es zwar in Kindergärten, aber das sei laut Pany kein „Deutschtest”. Kinder, so Pany, würden einen solchen Test nicht annehmen und unter dem Druck nicht kooperieren, daher sei eine solche Maßnahme „sinnlos”. Es würden gute Maßnahmen gesetzt, etwa Sonderschulen mit Deutschförderung, der „Chancenbonus” und mehr Personal. Auch würden autonome Sprachfördermodelle künftig möglich gemacht. Bildung, so Pany, sei „zu wichtig für politische Spiele”. Stattdessen forderte die Abgeordnete evidenzbasiertes und wissenschaftliches Denken.
LAbg. Lorenz Mayer (ÖVP) unterstellte den NEOS, ihr Ressort „nicht im Griff” zu haben. Kontrollversagen, Fördergeldmissbrauch und mehr kritisierte Mayer. Die Hälfte aller Schulanfänger*innen würde so schlecht Deutsch sprechen, dass sie der oder dem Lehrenden nicht folgen können. Die Stadtregierung raube einer „ganzen Generation die Zukunft”. In mehreren Bezirken seien es sogar bereits mehr als 50 Prozent. Mayer nannte als Beispiel eine Klasse, wo nur fünf von 22 Schüler*innen dem Unterricht folgen könnten. Mayer kritisierte, dass es in Favoriten sogar weniger Personal geben würde. In Meidling würden 657 von 1.044 Schulanfänger*innen nicht ausreichend Deutsch sprechen. Die Bildungsfrage werde zunehmend zu einer Wohnortfrage. Viele Eltern stellten sich daher die Frage, wo sie hinziehen müssten, um eine gute Schulausbildung zu bekommen. Menschen würden dazu gezwungen, zu sparen, um sich eine Privatschule zu leisten. Sämtliche Kennzahlen, vom Sitzenbleiben bis hin zur Sozialarbeit, würden sich laut Mayer negativ entwickeln. Inhaltlich würden konkrete Maßnahmen in den Plänen der NEOS fehlen, kritisierte der Abgeordnete. Das System erziehe künftige Mindestsicherungsbeziehende, die Stadt brauche aber „qualifizierte Kräfte”. Bürgermeister Ludwig habe 1.000 zusätzliche Sprachförderkräfte versprochen, in das Regierungsprogramm habe es diese Ankündigung laut Mayer aber nicht geschafft. Abschließend forderte Mayer, mit dem Missbrauch von Fördermitteln in privaten Kindergärten aufzuräumen – bezweifelte allerdings die Fähigkeit der Stadtregierung, das umzusetzen.
LAbg. Mag. Berivan Aslan (GRÜNE) erzählte aus ihrer Kindheit, sie sei mit sechs Jahren und “gebrochenem Deutsch” in die Schule gekommen. Ihre Kinder gingen nicht in einen städtischen Kindergarten, es wäre kein Platz verfügbar gewesen. Aslan stellte fest, dass Kinder, die früher in den Kindergarten kämen, besser Deutsch lernen würden als jene, die mit drei Jahren starteten. Aslan monierte, dass viel mehr bei der frühkindlichen Betreuung getan werden müsse. Andere Länder, wie Schweden, hätten gezeigt, dass sich das positiv auf das Erlernen der Sprache auswirke – so Aslan. Die Verantwortung dürfe nicht länger auf Kinder und Eltern abgeschoben werden, so die Abgeordnete, das System habe einfach versagt. Die Jobs in diesem Bereich müssten „lukrativer” gestaltet werden. Es gelte Hürden abzubauen. Dass der Zugang von Kindern zu Kleinkindergruppen vom Beschäftigungsstatus der Eltern abhängt, kritisierte Aslan. Kinder hätten ein “Recht auf Entwicklung”. Leider, so Aslan, würden die NEOS in einer „Ankündigungspolitik” festhängen. Es sei nicht nötig, das Rad neu zu erfinden, sondern es sei sinnvoll, auf bewährte Strukturen zu vertrauen und diese zu stärken.
Abstimmmung: Die Anträge der Opposition erzielten keine Mehrheit.
Die 8. Sitzung des Wiener Landtags in der laufenden Legislaturperiode endete um 11:39 Uhr.
Service
In der Informationsdatenbank des Wiener Landtages und Gemeinderates (INFODAT) unter www.wien.gv.at/infodat können Reden, Debattenbeiträge, Beschlüsse, Anfragen, Anträge, Gesetzesentwürfe und Landesgesetzblätter nach verschiedenen Kriterien abgerufen werden. Dabei wird Zugriff auf die zugehörigen Videos und Originaldokumente (sofern elektronisch vorhanden) geboten. (Schluss) pos
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Stadt Wien - Kommunikation und Medien (KOM)