Statistik Austria bestätigt: Nahrungsmittelpreise stiegen mit +2,9 % im Jahr 2025 erneut deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate

Nun hat es auch die Statistik Austria schwarz auf weiß bestätigt: Die Preise für Nahrungsmittel sind auch 2025 im Jahresschnitt weniger stark gestiegen als die gesamte Inflationsrate. Damit hat der Lebenshandel wie schon im Jahr 2024 abermals inflationsdämpfend agiert“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands.

Gemäß den gestern von der Statistik Austria vorgelegten endgültigen Zahlen zur Preisentwicklung 2025 betrug die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2025 über alle Segmente hinweg 3,6 %. Bestimmender Faktor war dabei ganz klar der Preissprung bei Strom um +37,3 %. Zweitwichtigster Einflussfaktor der Preisentwicklung waren Restaurants und Hotels (+5,8 %). Öffentliche Tarife und Gebühren sind 2025 um 4,9 % gestiegen, der ebenfalls stark von staatlich fixierten Preisen bestimmte Bereich der Gesundheitspflege erhöhte die Preise um +5,0 %.

Handel agiert inflationsdämpfend: Nahrungsmittel-Inflation im Vorjahr bei 2,9 %

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke liegen mit +3,7 % im Mittelfeld. Betrachtet man lediglich die Nahrungsmittel ohne Getränke, lag die Jahresinflation nur bei 2,9 %. In wichtigen Bereichen der Grundnahrungsmittel war die Preisentwicklung noch verhaltener. Die Regalpreise für Obst (+1,9 %) und Gemüse (+0,7 %) etwa stiegen dank sehr guter Ernten nur geringfügig, auch Brot und Gebäck (+2,1 %) zeigten sich sehr stabil.

Alkoholfreie Getränke verteuerten sich jedoch um 9,6 % – vor allem wegen der starken Preissteigerungen bei Kaffee und Kakao (+16,8 %), die vom österreichischen Handel kaum beeinflussbar sind. Denn auch hier zeigt die Statistik Austria ganz klar: Der Kaffeepreis im heimischen Handel entwickelte sich analog zum internationalen Börsenpreis für Kaffee, die Preissteigerung im heimischen Handel fiel zuletzt sogar weniger stark aus als auf den Rohstoffbörsen.

HV stellt politische Fehlinformation klar: Handel gibt MwSt.-Senkung 1:1 und vollumfänglich weiter

Zur laufenden Diskussion um die angekündigte Mehrwertsteuer-Senkung stellt Handelssprecher Rainer Will abermals klar: „Wir begrüßen jede Form der Entlastung für die Bevölkerung, denn wir wissen aus unserem täglichen Geschäft, dass viele Haushalte finanziell unter Druck stehen. Der Lebensmittelhandel gibt die Senkung der Mehrwertsteuer bei den betreffenden Grundnahrungsprodukten selbstverständlich eins zu eins und vollumfänglich weiter. Ebenso klar ist aber, dass der Regalpreis nicht nur aus der Steuer besteht, sondern aus vielen Komponenten, die als Inputkosten direkt auf den Verkaufspreis wirken.“

Grund für die Preissteigerungen der letzten Jahre waren immer externe Einflussfaktoren und nicht die systematische Erhöhung von Margen, wie auch die Bundeswettbewerbsbehörde in einer umfassenden Untersuchung bestätigt hat. Derartige Preistreiber waren etwa stark steigende Energiekosten, Missernten oder – im oben genannten Fall von Kaffee – die Entwicklung der Weltmarktpreise. Über 60 % des Verkaufspreises bestehen aus dem Beschaffungspreis, zu dem der Handel bei der globalen Markenartikelindustrie, regionalen Produzenten oder der Landwirtschaft einkauft, dazu kommen Löhne, Mieten, die stark gestiegenen Energiekosten, die von der Politik massiv angehobenen Gebühren und Abgaben u. v. m. Sinkende Kosten oder Einkaufspreise werden vom Handel sofort weitergegeben – zuletzt etwa bei Butter, die laut Statistik Austria im Dezember 2025 in den heimischen Supermärkten bereits um 25 % billiger verkauft wurde als ein Jahr davor.

Entgegen ersten politischen Wortmeldungen herrscht offenbar innerhalb der Regierung noch keine Klarheit darüber, welche Produkte von der MwSt.-Senkung tatsächlich betroffen sind. Wichtig ist, dass die Nahversorger ausreichend Vorlaufzeit für die Umstellung bekommen, ebenso verdient sich die Bevölkerung baldige Klarheit.

Höhere Tabaksteuer lässt höhere Inflation erwarten

Noch vor der Senkung der Mehrwertsteuer tritt mit Februar übrigens eine Steuererhöhung in Kraft, nämlich bei der Tabaksteuer. Da in der politischen Diskussion oft vieles vermischt wird, betont der Handelsverband, dass auch diese Maßnahme die Inflation erhöhen wird. Konkret werden Tabakprodukte im Rahmen der Schnellschätzung der Statistik Austria in der Kategorie „Nahrungsmittel, Tabak, Alkohol“ mit einberechnet. Für den nächsten Preisschub in dieser Kategorie ist somit eine steuerpolitische Entscheidung verantwortlich. Zur Einordnung: Durch die höhere Tabaksteuer erwartet sich das Finanzministerium Mehreinnahmen von 100 Mio. Euro, die Entlastung durch die MwSt.-Senkung soll 400 Mio. Euro ausmachen.

Transparenz-Monitoring entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Für eine faktenbasierte Diskussion ist es entscheidend, dass das angekündigte Preismonitoring – wie im Papier der Regierungsklausur vorgesehen – tatsächlich die gesamte Wertschöpfungskette umfasst, vom Feld über die Verarbeitung und die Markenartikelindustrie bis ins Regal. „Wir arbeiten dabei selbstverständlich vollumfänglich mit der Bundeswettbewerbsbehörde zusammen, die im Übrigen in einer Analyse der Einkaufs- Verkaufs- und Aktionspreise über einen Zeitraum von 2021 bis Mitte 2023 bestätigt hat, dass die Gewinnspannen im Lebensmitteleinzelhandel konstant bei lediglich 0,5 bis 2,0 % vom Umsatz liegen. Der Handel hat sich also nie ein Körberlgeld verdient“, so Will.

Der österreichische Lebensmittelhandel steht für leistbare und regionale Lebensmittel und sichert damit regionale Jobs und die Versorgung der Bevölkerung. Laut jüngsten Euromonitor-Daten (2024) liegt der Anteil für Lebensmittel an den Konsumausgaben in Österreich bei 10,1 %. Im EU-Vergleich liegt nur Irland noch darunter (8,6 %). In Deutschland liegt der Lebensmittel-Anteil an den Konsumausgaben der Bevölkerung bei 11,6 %, in Italien bei 14,7 %, in Ungarn sogar bei 16,8 %.

„Generell sollten wir uns in Österreich die Frage stellen, ob Lebensmittel nur dann gut sind, wenn die Preise billig sind. Denn wenn das Rindfleisch aus Holland und das Hühnerfleisch aus Polen kommt, sinken zwar die Preise, doch gleichzeitig gehen viele regionale Jobs verloren und die heimische Landwirtschaft gerät unter die Räder. Derzeit übt der Einzelhandel im Bereich der regionalen Beschaffung sowie der Herkunftsbezeichnung eine Vorbildfunktion aus, auch gegenüber der Gastronomie, der Lebensmittelindustrie und der öffentlichen Beschaffung“, bekräftigt Handelssprecher Will.

Lob bezüglich Gegenfinanzierung durch Abgabe für Drittstaatspakete, aber Vorsicht geboten

Die zur Gegenfinanzierung der MwSt.-Senkung angekündigte Paketabgabe für Drittstaatspakete sieht der Handelsverband als wichtigen und längst überfälligen Schritt, auch zur Herstellung von mehr Fairness im internationalen Handel. Eine ähnliche Gebühr wurde per 1. Jänner 2026 bereits in Italien und Rumänien eingeführt, mehrere weitere EU-Staaten verfolgen ähnliche Pläne. Österreich würde damit zu den internationalen Vorreitern zählen. Der Handelsverband warnt schon seit Jahren vor den Schäden, die heimische Unternehmen und in der Folge die öffentlichen Finanzen durch den unfairen Wettbewerb durch Fernost-Händler nehmen und hat hierzu jüngst die eCommerce-Agenda „Fair Play im Online Handel“ veröffentlicht.

Bei der geplanten Plastikabgabe sind hingegen noch viele Fragen offen. Klar ist, dass jeder weitere Kostenaufwand für die heimische Wirtschaft vermieden werden sollte und zusätzliche Abgaben oder ein massiver bürokratischer Mehraufwand kontraproduktiv wirken. Und: Gleiches Recht muss selbstredend auch für Unternehmen aus EU- und Drittstaaten gelten, die Waren in Österreich in Verkehr bringen. Ein abermaliges Vollzugsdefizit wäre hier inakzeptabel und würde einseitig heimische Unternehmen belasten.

Unabhängig davon sind territoriale Lieferbeschränkungen laut Bundeswettbewerbsbehörde nach wie vor der größte Hebel zur Beeinflussung der Lebensmittelpreise. Daher muss die zeitnahe Abschaffung des „Österreich-Preisaufschlags“ der globalen Markenartikelproduzenten heuer oberste Priorität haben.

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