DHK Neujahrsempfang 2026 in Graz

Der Neujahrsempfang der Deutschen Handelskammer (DHK) in der Aula der Alten Universität Graz setzte auch 2026 einen markanten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Akzent. Zahlreiche prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik folgten am 13. Jänner der Einladung von DHK Landesdirektor Christian Jauk und Joachim Schönbeck, Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland für Steiermark und Kärnten und DHK Vizepräsident.

Jauk, erster Vizepräsident und Schatzmeister der DHK, verwies in seiner Begrüßung augenzwinkernd auf das kontinuierliche Wachstum der DHK auch ohne Pflichtmitgliedschaft. Schönbeck zeigte sich zuversichtlich für 2026 und erwartete starke Impulse aus den USA, China und Indien sowie positive Effekte des Mercosur-Abkommens für den internationalen Handel und Österreich.

Landtagspräsident Gerald Deutschmann dankte der steirischen Wirtschaft für ihr Engagement und hob die internationalen Beziehungen der Steiermark zu Deutschland als von „Verlässlichkeit und Handschlagsqualität“ geprägt hervor.

Der deutsche Botschafter Vito Cecere nannte den DHK Neujahrsempfang einen Fixtermin und Ausdruck des engen Einvernehmens zwischen Österreich und Deutschland. Nach dem Höhepunkt 2025 mit dem Besuch von Bundespräsident Steinmeier erwarte er 2026 rasante Veränderungen, mahnte jedoch, den „Glauben an die eigene Kraft“ nicht zu verlieren, und verwies auf die Selbstkorrekturfähigkeit westlicher Demokratien sowie den besonderen Schutz steirischen Kürbiskernöls im Mercosur-Abkommen.

Wirtschafts- und Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer betonte, dass Beständigkeit und Fortschritt kein Widerspruch seien, nannte Energiepreise und Lohnkosten als zentrale Herausforderungen und plädierte bei „vorsichtigem Optimismus“ für konkretes Handeln statt bloßer Debatten.

Zuversicht, Reformappelle und ein starkes Europa im Fokus

Höhepunkt des Abends war die Keynote von Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, unter dem Titel „Europa muss seine Stärken ausspielen“. Hüther analysierte eine Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Lage und Stimmung und rief zu mehr Optimismus und Eigeninitiative auf. Die deutsche Wirtschaft befinde sich seit 2020 in einer Phase der Stagnation und „Schockstarre“, mit strukturellen Problemen insbesondere in der Bauindustrie und massiven Infrastrukturdefiziten.

Für mehr Zukunftsfähigkeit forderte Hüther Investitionen, weniger Regulierung, mehr Innovation und Produktivität sowie eine Vertiefung des europäischen Binnenmarkts und den Aufbau der Kapitalmarktunion. Sicherheit sei mittlerweile ein zentraler Standortfaktor; jahrzehntelange Einsparungen bei der Verteidigung hätten sich als strategischer Fehler erwiesen. Zugleich warnte Hüther eindringlich vor einer Abkehr von der Globalisierung und plädierte für offene Märkte und neue Handelspartnerschaften, wofür er viel Zustimmung erhielt.

Europa habe gute Voraussetzungen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen, müsse seine Stärken jedoch selbstbewusst nutzen. Im Vergleich zu den USA verwies Hüther auf Vorteile wie höhere Lebenserwartung und geringeren Ressourcenverbrauch, räumte aber eine Produktivitätslücke im Technologiesektor ein.

In der abschließenden Diskussion mit Hüther, Jauk und Schönbeck – moderiert von ORF-Redakteurin Kathrin Ficzko – wurde insbesondere die Überbordung der Bürokratie kritisiert. Einigkeit herrschte darüber, den Euro zu einer Welt-Leitwährung zu entwickeln. Schönbeck zog ein positives Fazit: „Es hat schon viel schwierigere Zeiten gegeben in Europa als heute.“

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