Die Beschäftigten der oberösterreichischen Ordensspitäler haben entschieden: In einer Abstimmung der Gewerkschaft vida lehnten sie klar das letzte Angebot der Arbeitgeber ab. 93,3 Prozent sprachen sich für einen Streik aus. Die Gewerkschaft vida sucht nun beim ÖGB um Streikfreigabe an. Ein möglicher Termin steht bereits fest: am 22. Jänner soll in allen acht betroffenen Krankenhäusern ganztägig gestreikt werden.
Rücksicht auf Patient:innen
Aus Rücksicht gegenüber den Patient:innen kündigt die Gewerkschaft vida den Termin langfristig vorher an. „Wir bieten den Arbeitgebern an, sich mit uns über ein geordnetes Herunterfahren des Betriebes am Streiktag zu beraten. Auch im Streikfall kommen wir unserer Verantwortung gegenüber den Patient:innen nach, damit diese sich auf Einschränkungen und Verschiebungen einstellen können. Das erwarten auch von den Arbeitgebern“, so Martina Reischenböck, Verhandlerin der vida.
Noch kein Einlenken von Arbeitgebern und Politik
Auch in der vierten Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag (KV) der 10.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten gab es von Arbeitgeberseite kein neues Angebot zu den zentralen Forderungen. Zu Beginn der Verhandlungen hatten die Beschäftigten den Arbeitgebern und der verantwortlichen Politik ein 40-Tage-Ultimatum für eine Einigung am Verhandlungstisch ausgesprochen. Dieses Ultimatum ist nun abgelaufen. Aus diesem Anlass versammelten sich gestern rund 200 vor dem Linzer Landhaus, wo die Regierung zeitgleich tagte. Die zuständige Landesrätin für Gesundheit, Christine Haberlander, nahm die Gelegenheit nicht wahr, bei der Kundgebung zu erscheinen.
Irreführende Kostenschätzung
Indes veröffentlichten die Arbeitgeber ein Schreiben, das die Forderungen der Beschäftigten nach einem Teuerungsausgleich und eine stufenweise Absenkung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden als überzogen darstellen sollte. „Wenn die Arbeitgeber sagen, es seien von heute auf morgen 900 zusätzliche Vollzeit-Stellen nötig, ist das eine bewusste Irreführung. Unser Stufenplan sieht eine Stunde weniger pro Jahr bis zum Jahr 2030 vor. Die Arbeitgeber hätten also fünf Jahre Zeit, um das zusätzliche Personal aufzubauen“, beschreibt Gerhard Siegl, vida-Landesvorsitzender Oberösterreich, die Faktenlage. Somit verteilen sich auch die Kosten einer Arbeitszeitreduktion auf mehrere Jahre. „Zu den Mehrkosten sei außerdem gesagt: Geld ist da. Ende November haben sich Bund und Länder auf einen Stabilitätspakt geeinigt, der den Ländern mehr finanziellen Spielraum gewährt, und notwendige Investitionen in das oberösterreichische Gesundheitswesen – wie etwa einen fairen KV-Abschluss – möglich macht“, stellt Siegl klar.
„Unsere Patient:innen werden mehr, älter, komplexer. Gleichzeitig fehlt uns immer mehr Personal, um sie gut zu versorgen. Meine Kolleg:innen und ich sind entschlossen, denn wir wissen, was es braucht: Die Berufe im Krankenhaus müssen attraktiver werden“, so Petra Huber, Krankenpflegerin bei den Barmherzigen Schwestern in Linz. Eine Studie der Caritas von September 2025 bestätigt, dass eine Attraktivierung der Pflegeberufe einen Großteil der Personalknappheit lösen könnte. Allein dadurch, dass man Stunden von Teilzeitkräften erhöht, bestehe ein Potenzial von bis zu 4.000 Vollzeit-Stellen in ganz Österreich.
vida will weiterverhandeln
Wenn der ÖGB den Streik am 22. Jänner genehmigt, soll dies nicht das Ende der Kollektivvertragsverhandlungen bedeuten, sondern ein neues Kapitel einläuten. „Wir sind verhandlungsbereit – und hoffen weiterhin auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Unsere Hand ist und war als Sozialpartner immer in Richtung der Arbeitgeber ausgestreckt. Die Politik ist jedoch gleichzeitig in der Pflicht, die Finanzierung von öffentlichen Gesundheitseinrichtungen und die faire Entlohnung ihrer Mitarbeiter:innen zu gewährleisten“, betont vida-Verhandlerin Reischenböck.
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