„kulturMontag“: Gaultier-Show in Wien, 300 Jahre Kant, Menasses EU-Buch „Die Welt von morgen“

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 15. April 2024, um 22.30 Uhr in ORF 2, wirft einen Blick auf die „Fashion Freak Show“ von Jean Paul Gaultier, mit der der französische Stardesigner seit seinem Abschied vom Laufsteg durch Europa tourt und im Sommer auch in Wien Halt macht. Die Sendung befasst sich weiters anlässlich des 300. Geburtstags des revolutionären deutschen Philosophen und europäischen Vordenkers Immanuel Kant mit dessen Werk und seiner Gültigkeit für die Gesellschaft von heute. Weiters ist der Schriftsteller und glühende Europäer Robert Menasse zu Gast im Studio, der sich in seinem neuen Buch „Die Welt von morgen“ – rechtzeitig vor der EU-Wahl – mit dem souveränen, demokratischen Europa und seinen Bedrohungen auseinandersetzt. Anschließend an das Magazin steht eine neue Ausgabe des intimen Konzert-Gesprächsformats „Wechselspiele in St. Corona“ (23.25 Uhr) auf dem Programm: diesmal mit dem Kärntner Duo Sonoma.

Ein genialer Paradiesvogel – Jean Paul Gaultiers „Fashion Freak Show“ in Wien

Er gilt als „Enfant terrible“ der internationalen Fashion-Szene: Jean Paul Gaultier praktizierte Diversität auf dem Laufsteg schon seit seinen Anfängen Mitte der 1970er Jahre. Er brach Tabus und entstaubte die Modewelt. Sein Stil war einzigartig – vom Naked Dress über die Techno Dots bis zu Madonnas ikonischem Kegel-BH. Als einer der Ersten lotete er Gender-Fluidität aus. Seiner Zeit war Gaultier in vielerlei Hinsicht weit voraus. So engagierte der französische Stardesigner Menschen für seine Mode, die keine klassischen Modelmaße hatten, und wurde damit zu einem Vorreiter der Body-Positivity-Bewegung, ebenso wie in Sachen Inklusion, Vielfalt und Vermischung von Genres als Grundlagen seines Universums. Ein Universum, in dem Menschen jeder Hautfarbe, Art und Identität gefeiert werden. 2020 verabschiedete sich der humorvolle Designer anlässlich seines 70. Geburtstags von den Laufstegen, doch kreativ ist der aus den Pariser Banlieues stammende Franzose immer noch. Mit seiner „Fashion Freak Show“, für die er als Autor, Regisseur und Kostümbildner verantwortlich ist, hat er sich einen Traum erfüllt. Seit der Uraufführung 2019 im Folies Bergère in Paris tourt das extravagante Spektakel, das auf Gaultiers lustvolles Leben und seine unverwechselbaren Kreationen Bezug nimmt, quer durch Europa und macht im Juli auch in Wien Station.

Ein revolutionärer Denker – 300 Jahre Immanuel Kant

Wer die Kriege der Welt beenden will, muss seine Bücher lesen. Immanuel Kant, der große europäische Denker des 18. Jahrhunderts, warnte schon damals vor Staatsoberhäuptern, die des Krieges nicht satt werden können. Dass Frieden kein Naturzustand ist, hielt der deutsche Philosoph schon 1795 in seinem Traktat „Zum ewigen Frieden“ fest und nahm darin vieles vorweg, was uns heute schockiert. In einer Zeit der Krisen und Kriege gilt der kluge Kopf aus der preußischen Residenzstadt Königsberg vielen als wirkmächtiger Philosoph. Der Weg der europäischen Geschichte ist ohne die geistigen Weichenstellungen des Meisterdenkers kaum erklärbar. Kant lehrte eine neue, revolutionäre Theorie des Erkennens und Handelns. Die Vorstellungen einer freien, durch keine Zensur zu fesselnden Vernunft, einer universell geltenden menschlichen Würde, eines moralisch begründeten Fortschritts hin zu einer Welt der allgemeinen Wohlfahrt und des Friedens sind zwar nicht erstmals von ihm formuliert worden – aber er durchdachte sie so grundlegend wie keiner vor ihm. Anlässlich seines 300. Geburtstags durchleuchten Bestseller-Autor Daniel Kehlmann und Omri Boehm, israelischer Philosoph mit deutschen Wurzeln, in ihrem Buch „Der bestirnte Himmel über mir“ Immanuel Kants grundlegende Thesen des Menschseins, die noch heute wichtige Antworten geben können.

Ein glühender Europäer – Robert Menasse und sein jüngstes Buch

Er gilt als leidenschaftlicher Verfechter der Europäischen Union, der sich seit Jahren literarisch mit der Idee eines demokratisch geeinten Europas auseinandersetzt. Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse ist, wie er selbst sagt, ein Europa-Prediger. Vergangenen Sommer hat er im Dom der Europastadt Aachen ein Mahnwort mit dem Titel „Glaube an Europa“ vorgetragen. Aber auch in seinem Roman „Die Hauptstadt“, für den er mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, oder dem Werk „Die Erweiterung“ befasst sich der 69-Jährige engagiert mit der EU. Kurz vor der Europawahl Anfang Juni legt der Autor mit seinem Buch „Die Welt von morgen“ jetzt nach. Doch das Projekt EU könnte schon bald Geschichte sein, ist Robert Menasse überzeugt. Der wirtschaftliche Zustand des Kontinents wirkt düster, insbesondere in geopolitisch gefährlichen Zeiten wäre ein starkes, dynamisches Europa der beste Garant für Prosperität und Sicherheit der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Dazu kommt der Eindruck, EU-Politik sei bürokratisch und bürgerfern, gefangen in Streitereien über Verteilungsfragen. In seinem Buch erklärt und verteidigt Menasse die europäische Idee, lädt aber auch dazu ein, die systemischen Widersprüche der Union zu kritisieren und zu überwinden. Steht Europa heute wieder am Scheideweg? Über das epochale Friedensprojekt und einen zunehmend gespaltenen Kontinent diskutiert Peter Schneeberger mit Robert Menasse live im Studio.

„Wechselspiele: Duo Sonoma in St. Corona“ (23.25 Uhr)

Das Gesprächs-Konzertformat „Wechselspiele in St. Corona“ geht in die nächste Runde: In der bereits 14. Ausgabe folgen zwei Schwestern aus Kärnten der Einladung des ORF zu einem exklusiven musikalischen Rendezvous nach St. Corona am Wechsel: Mira Gregorič (Violine) und Sara Gregorič (Gitarre), seit einigen Jahren auch bekannt als Duo Sonoma. Bereits seit frühester Kindheit musizieren die beiden Kärntner Sloweninnen miteinander. 2021 veröffentlichten sie ihr erstes Album mit eigenen Kompositionen. Geprägt durch ihre familiären Wurzeln und beeinflusst von persönlichen Erlebnissen verbinden sie in ihrer musikalischen Sprache eine Vielzahl von Genres:
Kärntner-slowenische Melodien finden darin genauso Raum wie zeitgenössische Musik, Klassik, Jazz-Improvisation und perkussive Elemente. Was die Titel ihrer Stücke betrifft, bedienen sich die beiden gerne einer gemeinsamen Fantasiesprache.
In St. Corona präsentiert das Duo Sonoma nun sein abwechslungsreiches Repertoire und neue Stücke aus seinem zweiten Album. Im Gespräch mit Kulturmoderatorin Teresa Vogl geben die Schwestern zwischendurch Einblick in ihre Gedankenwelt rund um die Musik. Für die Bildregie zeichnet die 2023 mit dem Franz-Grabner-Preis ausgezeichnete Filmemacherin Alex Wieser verantwortlich.

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