Grüne zu Verlust der Agrarflächen: Bodenfraß und Bäuer:innensterben gehen Hand in Hand und gefährden langfristig Ernährungssicherheit

„Wir verlieren den Boden unter unseren Füßen – im wahrsten Sinne des Wortes und kontinuierlich. Auch 2024 werden österreichweit rund 4.300 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen verbaut. Das entspricht einer Fläche von rund 15 Fußballfeldern täglich. Auf dieser Fläche könnten genügend Lebensmittel angebaut werden, um 20.000 Österreicher:innen ein ganzes Jahr lang zu ernähren. Der enorme Bodenfraß gefährdet also nicht nur unser ökologisches Gleichgewicht, sondern ist auch fatal für die Landwirtschaft und langfristig gefährdet er die Ernährungssicherheit in unserem Land. Wenn wir in Österreich so weitemachen, wie bisher, bewegen wir uns sehenden Auges vom Acker direkt auf den Abgrund zu“, kommentiert die Landwirtschaftssprecherin und Generalsekretärin der Grünen, Olga Voglauer, heute, Mittwoch, veröffentlichte Berechnungen von Greenpeace, die die Zerstörung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen basierend auf den Zahlen der Gemeindedatenbank des Landwirtschaftsministeriums für 2024 prognostizieren.

„Die veröffentlichten Zahlen sind alarmierend“, mahnt auch Uli Böker, Nationalratsabgeordnete und Sprecherin für Bodenschutz und Regionalentwicklung. „Um unsere Ernährungssicherheit zu wahren, muss der Bodenverbrauch drastisch reduziert werden. Ein ganzheitlicher Zugang zur Baukultur ist dafür unabdingbar – Bodenschutz, Klimaschutz, Mobilität und Wohnen müssen gemeinsam gedacht werden. Hier braucht es auch das Kommitment der Länder und Gemeinden. Das Bauen auf der grünen Wiese, während parallel dazu Zentren verwaisen ist inakzeptabel und muss schleunigst überdacht werden“, sagt Böker.

Prozentuell verbrauchen Salzburg und Kärnten am meisten fruchtbaren Boden. „Geht die Zerstörung in diesem Tempo weiter, kann hier in rund 200 Jahren keine Landwirtschaft betrieben werden“ sagt Voglauer, die eine klare Konsequenz daraus ableitet: „Der Bodenfraß und das Bäuer:innensterben gehen Hand in Hand. Nicht-landwirtschaftliche Flächennutzung bringt landwirtschaftliche Betriebe zusätzlich unter Druck.“ Ein österreichischer landwirtschaftlicher Betrieb bestellt im Durchschnitt 23,6 Hektar. Der für 2024 laut Greenpeace prognostizierte Flächenverbrauch im Umfang von 4.300 Hektar könnte rund 182 Landwirtschaftsbetrieben Raum bieten.

Genau deshalb brauche es eine Bodenschutzstrategie, die wirkt: „Auf Bundesebene soll der Bodenverbrauch bis 2030 auf 2,5 Hektar pro Tag gesenkt werden. Dafür braucht es vor allem Verbindlichkeit – denn Ziele und Strategien ohne festgeschriebene Zielwerte reichen nicht aus, um unsere Lebensgrundlage nachhaltig zu schützen und die Ernährungssicherheit aufrechterhalten zu können. Ist unser kostbarer Boden erst einmal versiegelt, fehlt er nachkommenden Generationen für die Produktion von Nahrungsmitteln, die Speicherung von Wasser und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, hält Voglauer fest, die ihren Appell für echten Bodenschutz insbesondere an Landwirtschaftsminister Totschnig richtet: „Jetzt gilt es, Verantwortung für den Bodenschutz und gegenüber den heimischen Landwirtinnen und Landwirten zu übernehmen. Nur mit einer Bodenschutzstrategie mit einem fest verankerten Reduktionsziel von mindestens 2,5 Hektar können wir den heimischen Landwirtinnen und Landwirten eine langfristige Perspektive geben. Jene Bundesländer, die sich hier bisher als Blockierer auftun, sind aufgefordert, ihre Blockade gegen verbindliche Bodenschutzziele endlich aufzugeben. Ohne Bodenschutz setzen wir alles aufs Spiel.“

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