Mangelberufsliste: Gewerkschaft vida sieht Totalversagen der Bundesregierung

Ein Totalversagen in der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung ortet die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, angesichts der angestrebten Ausweitung der Mangelberufsliste ab 2024. Erstmals sollen auch acht Berufe des öffentlichen Verkehrs, wie etwa Zugführer:innen und Buslenker:innen aus EU-Drittstaaten am österreichischen Arbeitsmarkt Zugang bekommen. „Die Regierung ist sich nicht mehr zu gut, sich bei der Mangelberufsliste sogar auf die Klimaschutzziele auszureden. Damit riskiert sie weiteres Lohn- und Sozialdumping sowie ein Aufweichen der heimischen Sicherheits- und Ausbildungsstandards in den öffentlichen Verkehrsbranchen“, kritisiert Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida.

Gewerkschaftsvorsitzender Hebenstreit fordert hingegen, dass die Entlohnungs- und die Arbeitsbedingungen in diesen Branchen endlich verbessert werden müssen, dann werden sich auch wieder genug heimische Interessent:innen aus EU-Ländern für diese Berufe finden, und fügt hinzu: „Die unattraktiven Arbeitsbedingungen in manchen Branchen sind nicht erst seit gestern bekannt. Seit Jahren haben aber die Bundesregierung und die Arbeitgeber:innen die Augen davor verschlossen. Das betrifft auch Branchen wie etwa den Tourismus.“  

Auch dieses Jahr habe die Gewerkschaft vida Kritik am Personalmangel und den Arbeitsbedingungen bei den heimischen Bahnen geübt. Dabei sei man nur auf Ignoranz und Ableugnen der Problematik gestoßen, so vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit weiter. „Die ÖBB etwa hat mehrfach beteuert, dass es keinen Personalmangel gibt und ausreichend Personal ausgebildet wird. Wie kann es also sein, dass ein paar Monate später die Mangelberufsliste auch auf Eisenbahnpersonal ausgeweitet werden muss? Der Mangel bei den Bahnen ist jedenfalls lange bekannt und wird damit definitiv nicht gelöst“, betont Hebenstreit.

Die Gewerkschaft vida habe auch immer vor dem Mangel an Busfahrer:innen gewarnt. Arbeitsgruppen mit den Arbeitgebervertretern der Wirtschaftskammer zu diesen Themen seien gerade gescheitert. „Jetzt werden die Arbeitgeber:innen auch noch dafür belohnt, dass sie Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen ablehnen", so Hebenstreit. So seien Regierung, Verkehrsverbünde und Arbeitgeber:innen nicht einmal in der Lage, für eine ausreichende Zahl an Toiletten, Waschgelegenheiten mit Fließwasser und andere soziale Infrastruktur oder Fahrpläne, die es ermöglichen eine Toilette aufzusuchen, zu sorgen: „Wie sollen Beschäftigte im 21. Jahrhundert in Europa derartige katastrophale Arbeitsbedingungen als attraktiv oder anziehend empfinden?“, kritisiert vida-Vorsitzender Hebenstreit.

„Innerhalb der EU steht ein Arbeitsmarkt mit hunderten Millionen Arbeitskräften zur Verfügung. Da sollte man doch meinen, dass es die österreichische Regierung und das AMS schaffen müssten, den heimischen Arbeitsmarkt attraktiv genug für diese Beschäftigten zu gestalten sowie entsprechende Qualifizierungs- und Umschulungsmöglichkeiten anzubieten? Mit etwa teils mittelalterlichen Notdurft-Bedingungen für Beschäftigte sowie Lohndrückerei und Senkung von Ausbildungsstandards wird das aber nicht gelingen“, bekräftigt Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.

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